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"Die Blase ist die Zahl der Unternehmen“

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Für t-online.de von DER AKTIONÄR

Interview: "Die Blase ist die Zahl der Unternehmen“

13.01.2012, 11:14 Uhr | Der Aktionär

Interview mit Chris Berry, Gründer von House Mountain Partners.

DER AKTIONÄR: Chris, die Preise für Seltene Erden steigen seit Jahren. Wird sich dieser Trend fortsetzen?

Chris Berry: Die meisten, wenn nicht alle Seltene-Erden-Elemente haben in den letzten zwei Jahren einen parabolischen Anstieg erlebt, weil den westlichen Regierungen und Investoren klargeworden ist, dass China mehr als 95 Prozent der Abbau und Aufbereitungskapazitäten für Seltene Erden kontrolliert. Der Preis von Dysprosium ist allein 2011 um mehr als 700 Prozent gestiegen. Seit Sommer 2011 sinken die Preise. Wir sind überzeugt, dass jedes Seltenerdelement sein eigenes Angebot- und Nachfrage-Profil besitzt und einzeln betrachtet werden muss. Mit vielen leichten Seltenen Erden wie Cer und Lanthan ist der Weltmarkt schon gut versorgt und Prognosen zufolge wird es in den nächsten Jahren ein Überangebot geben.

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Für viele schwere Seltenen Erden wie Terbium und Dysprosium wird eine Angebotsknappheit vorhergesagt und aufgrund dieser Annahmen halten wir dauerhaft höhere Preise bei schweren Seltenen Erden für wahrscheinlich. Wir sehen zwar keine dreistelligen Preiszuwächse wie in den letzten Jahren mehr voraus, aber eine Zeit mit höheren Preisen bei ausgewählten Seltenen Erden ist so lange höchst wahrscheinlich, bis ein ausreichendes Angebot von außerhalb Chinas auf den Weltmarkt kommt.

Also würden Sie nicht von einer Blase sprechen?

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Wir glauben, dass sich der Bereich der Seltenen Erden seit Sommer 2011 in einer Blase befindet. Allerdings treffen wir bei dieser Meinung eine wichtige Unterscheidung: Während die Preise für die Elemente der Seltenen Erden parabolisch gestiegen sind und ganz einfach korrigieren müssen, besteht die eigentliche Blase auf diesem Sektor in der Anzahl von Unternehmen, die sich mit der Exploration von Seltenen Erden beschäftigen. Noch vor zwei Jahren gab es außerhalb Chinas nur eine Hand voll börsennotierte Unternehmen, die an der Exploration von Seltenen Erden beteiligt waren. Inzwischen ist ihre Zahl auf mehr als 300 explodiert.

Nehmen wir an, die Hälfte der erwähnten 300 Unternehmen würde tatsächlich eine wirtschaftliche Lagerstätte finden, die entsprechenden Genehmigungen bekommen, die extrem schwierige Metallurgie der Lagerstätte lösen, herausfinden, was sie mit dem radioaktiven Abraum machen sollen und dann an den Punkt gelangen, wo sie jeweils 5000 Tonnen Seltene Erden im Jahr produzieren. Das entspricht 750.000 Tonnen pro Jahr. Ich möchte daran erinnern, dass sich das Marktvolumen derzeit nur auf 130.000 Tonnen pro Jahr beläuft. Die Mehrzahl der Junior-Minengesellschaften, die sich mit der Exploration von Seltenen Erden befassen, muss entweder fusionieren, um zu überleben, oder sie werden einfach verschwinden. Als Anleger sollte man genau hinschauen, wenn man in diesen Sektor investiert.

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Das heißt, Konzerne wie Molycorp oder Lynas werden es Ihrer Ansicht nach schwer haben?

Molycorp und Lynas sind anders als die meisten anderen Minen- und Explorationsunternehmen für Seltene Erden, denn es ist geplant, dass sie in naher Zukunft mit der kommerziellen Produktion beginnen. Tatsächlich verarbeitet Molycorp schon Erz von der Halde und die positiven Wirtschaftsdaten beider Unternehmen sind schriftlich belegt. Auf die überwältigende Mehrzahl der anderen Seltene-Erden-Explorationsgesellschaften trifft das nicht zu. Im Bergbau sind wie in anderen Industrien letztlich diejenigen mit den niedrigsten Produktionskosten tragfähig, weil sie theoretisch in verschiedenen preislichen Umfeldern existieren können. Die hohen Seltenerdpreise werden zwar alle diesen Unternehmen zugute kommen, aber das, worauf sich die Anleger konzentrieren müssen, sind die mit der Produktion verbundenen Kosten.

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Zudem haben die meisten die Metallurgie ihrer diversen Lagerstätten noch nicht gelöst. Das ist wahrscheinlich die größte Herausforderung, vor der Junior-Minengesellschaften stehen. Sie ist technisch wie finanziell enorm komplex. Diese letztgenannte Tatsache wird mehr als alles andere über Sein oder Nichtsein vieler Junior-Explorationsfirmen für Seltene Erden entscheiden.

Bei welchen Strategischen Metallen erwarten Sie einen Versorgungsengpass?

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Da ist die Auswahl zwar groß, aber die beiden, die mir einfallen, sind Grafit und Mangan. Im letzten Jahr wurde weltweit circa eine Million Tonnen Grafit produziert – 75 bis 80 Prozent in China. Neben anderen industriellen Anwendungen wird Grafit in Kernreaktoren und Lithium-Ionen-Akkus verwendet. Wenn China seine industrielle Basis weiter ausbaut, wird Grafit ein Mineral sein, dessen Beobachtung aufregend wird. Derzeit werden in Labors viele Fortschritte mit Graphen erzielt, einer Kohlenstoffmodifikation, die man sich wie eine einzelne, nur ein Atom dicke Grafitschicht vorstellen kann. Zwar ist das noch nicht in kommerziellem Maßstab erprobt, aber möglicherweise könnte Graphen in Fotovoltaikzellen Silber ersetzen. In den USA gibt es keine produzierende Grafitmine und ich glaube, in Kanada gibt es nur eine.

Überdies hat die EU Grafit als „kritischen Rohstoff“ benannt, das heißt, es droht die Möglichkeit von Grafit-Engpässen, und die westlichen Regierungen erkennen diese Tatsache. Mangan ist ein Metall, das sowohl in Nordamerika als auch in Europa als strategisch bezeichnet wird. Es gibt in Nordamerika keine produzierenden Manganminen und ohne Mangan kann man keinen Stahl erzeugen. China kontrolliert mit 98 Prozent des globalen Angebots den Markt für elektrolytisches Mangan und da die Kosten in diesem Land steigen, dürfte es Raum für Manganminen außerhalb Chinas geben, die hinsichtlich der Kosten wettbewerbsfähig sind. Eine weitere aufstrebende Anwendung dieses Metalls sind Lithium-Ionen-Akkus, und um die Versorgungssicherheit für die heimischen Industrien zu gewährleisten, brauchen wir ein Angebot von außerhalb Chinas.

Welche Auswirkung hätte eine erneute Rezession?

Viele Metalle gelten als „kritisch“, weil ihre Produktion von einem einzigen Land oder sehr wenigen Ländern kontrolliert wird. Da Themen wie Ressourcen-Nationalismus immer mehr in den Vordergrund rücken, ist es unabdingbar, dass die Länder eine vernünftige Rohstoffpolitik betreiben, die ein Gleichgewicht zwischen dem Ressourcenbedarf für die Verankerung der industriellen Basis und der Berücksichtigung von Umweltfaktoren schafft. Das sollte für unsere Politiker hohe Priorität haben, egal ob eine Rezession herrscht oder nicht. Dass man für Rohstoffe auf ein einziges Land angewiesen ist, schafft einen gefährlichen Präzedenzfall.

Chris, wir danken Ihnen für das Interview.


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