
01.12.2011, 09:46 Uhr | Financial Times Deutschland
Mit ihrer konzertierten Aktion haben die Notenbanken den Börsen ein Kursfeuerwerk beschert und der Währungsunion eine Atempause verschafft. Aber auch nicht mehr. Der Euro ist längst nicht gesichert.
Es ist maximal ein Stein, aber auf keinen Fall die viel beschworene Brandmauer zur Bewahrung des Euro, was die Finanzminister des Kontinents da in der Nacht zum Mittwoch beschlossen. Sie brachten die neuen Instrumente zur Verstärkung des Rettungsschirms EFSF endgültig auf den Weg. Der Hebel aber, mussten sie offiziell einräumen, ist zu klein, um die angestrebten mindestens 1000 Milliarden Euro Feuerkraft zusammenzubekommen. Es fehlt schlicht an privaten Investoren, die die EFSF unterstützen wollen. Die 1000 Milliarden Euro werden definitiv verfehlt. Was als Befreiungsschlag gedacht war, erweist sich als ein Bestandteil der endlosen Versuche, die Währungsunion vor dem Ende zu bewahren.
An den Finanzmärkten wird die Krisenabwehr der Euro-Zone ohnehin nicht mehr besonders ernst genommen. Das zeigen die Renditen für Staatsanleihen diverser Länder beinahe jeden Tag. Die Märkte treiben die Politik. Folge ist ein weiterer Offenbarungseid: Die Europäer wollen den Internationalen Währungsfonds (IWF) bitten, die Krisenabwehr zu verstärken. Es werde rasch geprüft, die Mittel des IWF über bilaterale Kredite der Mitgliedsländer oder über neue Sonderziehungsrechte zu erhöhen, erklärten Euro-Gruppenchef Jean-Claude Juncker und EU-Währungskommissar Olli Rehn.
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"Wir sind bereit, die Mittel des IWF durch bilaterale Kredite zu erhöhen", sagte Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Die Entscheidung darüber liege zwar bei der Deutschen Bundesbank, doch gebe es hier "kein fundamentales Problem." Wie immer: Details sind offen. Welche Länder den IWF auf welche Weise stärker ausstatten sollen, blieb unklar.
Was immer die Politik tut, es verpufft. Wie schlimm die Lage ist, machte EU-Währungskommissar Olli Rehn deutlich. Er startete einen Countdown: "Jetzt beginnen zehn kritische Tage, in denen wir die Antwort auf die Schuldenkrise in der Europäischen Union (EU) zum Abschluss bringen und beschließen müssen", sagte er. Innerhalb der kommenden zwei Wochen soll also - wieder einmal - die absolut definitiv endgültige Lösung zur Bewältigung der Schuldenkrise gefunden worden sein. EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy forderte in Brüssel eindringlich eine "systemische Antwort" der Euro-Staaten auf die inzwischen "systemische Krise". "Wir haben eine handfeste Vertrauenskrise."
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Wie dramatisch die Lage weltweit eingeschätzt wird, zeigte sich im weiteren Tagesverlauf. Im Kampf gegen die Schuldenkrise gehen die wichtigsten Notenbanken der Welt gemeinsam in die Offensive. Die Europäische Zentralbank (EZB), die Federal Reserve in den USA sowie die Notenbanken Großbritanniens, Japans, Kanadas und der Schweiz kündigten überraschend eine konzertierte Aktion an in der Absicht, die Banken und andere Wirtschaftsbereiche mit ausreichend frischem Geld zu versorgen. Erklärtes Ziel ist, ein Abgleiten in die Rezession zu verhindern.
Der Vorgang erinnert an die Finanzkrise nach dem Lehman-Desaster, als die Banken auf ihrem Geld sitzen blieben - wenn sie denn überhaupt noch welches hatten. Die US-Regierung schloss sich an: "Wir begrüßen und unterstützen die Aktion der Notenbanken rund um den Globus, die das europäische Finanzsystem entlastet und die Erholung der Weltwirtschaft fördert", sagte Finanzminister Timothy Geithner. Fast gleichzeitig lockerte auch die chinesische Notenbank unerwartet ihre Geldpolitik und dämpfte so die Sorgen vor einer globalen Rezession.
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Der Hintergrund: Der Zugang zu frischen Dollar (siehe Euro-Dollar-Wechselkurs) ist für viele europäische Banken in den vergangenen Monaten zum Problem geworden. Die Institute haben Schwierigkeiten, sich Dollarkredite zu beschaffen, weil ihre in Euro laufenden Wertpapiere von der Gegenseite zunehmend nicht mehr als Sicherheiten akzeptiert wurden. Sie benötigen aber Dollar für ihre Refinanzierung.
Die Amerikaner beteiligen sich nicht allein aus Solidarität: Sie versprechen sich eine Stabilisierung der europäischen Banken und der Wirtschaft insgesamt. Die USA fürchten eine Rezession in Europa, die die Wirtschaft der Vereinigten Staaten zurückwerfen würde. Zahlreiche US-Geldmarktfonds hatten sich wegen der Schuldenkrise aus Europa zurückgezogen.
Die Märkte bejubelten die abgestimmte Aktion. Weltweit legten die Börsen kräftig zu. Ob das Feuerwerk von Dauer ist, bleibt abzuwarten. Denn die von vielen geforderte "Bazooka" ist das nicht gewesen. Zwar kann davon ausgegangen werden, dass der Geldfluss in Gang kommt. Das eigentliche Problem ist damit nicht aus der Welt, nämlich die Überschuldung der Euro-Staaten.
Die Debatte über Anleihekäufe der EZB in unbegrenzter Höhe, also die "Bazooka", wird weitergehen. Die österreichische Finanzministerin Maria Fekter sagte, es werde diskutiert, wie die EZB trotz der vertraglichen Begrenzung ihres Mandats die Anleihekäufe ausweiten könne. "Trotz der Versuche, den EFSF zu hebeln, müssen der IWF und die Europäische Zentralbank im Boot sein", wird ein Vertreter eines Euro-Landes zitiert.
Mit Italien droht die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone immer stärker in den Sog zu geraten. Seit Tagen wird gemunkelt, das Land führe schon Gespräche mit dem IWF, Reuters berichtet über "ein 400-Milliarden-Euro-Kreditpaket", von dem der IWF ein Viertel übernehmen und der Rest von den Zentralbanken der Euro-Länder kommen solle. Selbst wenn die EFSF ihre Feuerkraft auf 750 Milliarden Euro erhöht - der Fonds besitzt viel zu wenig Munition, um gigantische Rettungsaktionen für die unter Beschuss stehenden Schwergewichte Italien und Spanien zu stemmen.
Giuseppe Amato vom Wertpapierhandelshaus Lang & Schwarz bewertet die Aktion der Notenbanken denn auch nicht euphorisch: "Dies ist nur ein Herumlaborieren am Symptom, fundamental ändert sich nichts. Die Politiker müssen jetzt liefern. Das Zeitfenster schließt sich immer schneller. Bislang wurde kaum etwas von dem umgesetzt, was angekündigt worden war."
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Quelle: Financial Times Deutschland
schnulli schrieb:
am 1. Dezember 2011 um 19:46:29
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Falscher Titel!
Es geht hier nicht um Eurorettung, sondern um Schadensbegrenzung. Die USA hat eine Krise und angebl. ist China nun auch
Krisenifiziert. Das weltweite Systhem ist unheilbar krank. Es ist unmöglich, dass weltweit, nicht mal in der EU, die Systheme so refomiert werden, dass alles wieder rund läuft. In der Inflationskrise stecken wir schon mitten drin. Jetzt können wir nur noch wählen ob wir den Gürtel enger schnallen, D hält das länger aus, oder ob wir mit einer Währungsreform besser fahren würden.
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Prediger schrieb:
am 1. Dezember 2011 um 19:31:09
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Die Eurokrise ist ein Segen
Die Eurokrise ist ein Segen - endlich bekommen Politiker direktes Feedback ob Sie gut oder schlecht handeln - Und
zwar jeden morgen wenn Sie sich die Staatsanleihen-Zinsen anschauen. Verschieben auf die nächste Legislaturperiode ist nicht mehr!
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Kern-Europäer schrieb:
am 1. Dezember 2011 um 18:13:19
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Absurdistan
Ich stelle fest: Bzgl. d. Beitrittspläne d. Türkei wird immer d. Frage diskutiert,ob 1 mögl. wirtschaftl. Anbindung dieses
Staates nicht in Form 1 Assoziation erfolgen sollte, was m.E. diesbzgl. ja d.beste Weg wäre.Aber da bei frage ich mich ,warum diese Option nicht auch v.d.Beitritt d. jetzigen Pleitestaaten geprüft wurde.Wir hätten jetzt 1 wirtschaftl. solides Kerneuropa,das m.d. Schulden d.Anderen nichts zu tun hat. 1 solche Neuorientierung könnte evtll. d. heutigen Probleme lösen.
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