24.09.2010, 15:49 Uhr | dpa-AFX / t-online.de/business
LGS Sky Chefs kündigte 20 Mitarbeiter, die das Diensthandy privat genutzt hatten. (Foto: Imago)
Im März hatte die Lufthansa-Catering Tochter LSG Sky Chefs 20 Mitarbeiter fristlos entlassen, weil sie mit ihren Diensthandys privat telefoniert haben sollen. Die Angestellten waren großteils seit langem dort beschäftigt. Das Arbeitsgericht Frankfurt hat jetzt in mehreren Prozessen die Kündigungen für nichtig erklärt. Heute wurde ein Extremfall verhandelt: der Rauswurf eines Mitarbeiters, der 16.000 private SMS von seinem Diensthandy abgesetzt hat. Auch er darf seinen Job als Flughafen-Arbeiter in Frankfurt vorläufig behalten.
Die Frankfurter Arbeitsrichter befanden: Die gegen den Mann verhängten Kündigungen der Lufthansa-Catering-Tochter LSG Sky Chefs sind ungültig. Einziger Urteilsgrund sei der Umstand, dass das Unternehmen erst nach 22 Monaten eingegriffen habe, obwohl Monat für Monat hohe Handyrechnungen einliefen. "Ihm hätte zuerst die gelbe Karte gezeigt werden müssen", sagte die Richterin. Der Mann hatte eingeräumt, sein Diensthandy zu privaten Zwecken benutzt und einen Schaden von mehr als 2500 Euro verursacht zu haben (Az.: 24 Ca 1697/10).
Das Arbeitsgericht hatte zuvor mehrere Kündigungen von Kollegen des Mannes als unzulässig beurteilt. Der Gewerkschaft Verdi zufolge kritisierten die Richter dabei vor allem die fehlende Verhältnismäßigkeit der Kündigungen. Das Gastro-Unternehmen der Lufthansa hatte die Niederlage in der ersten Instanz bestätigt, aber die von der Gewerkschaft genannte Höhe des Schadens bestritten. Verdi hatte behauptet, dass wegen eines Volumens von zehn bis 15 Euro im Monat gekündigt worden sei.
Dies sei nicht richtig, erklärte eine Firmensprecherin. Es sei in keinem einzigen Fall das Arbeitsverhältnis eines Mitarbeiters gekündigt worden, der einen Schaden in dieser Größenordnung verursacht habe. Im Einzelfall belaufe sich der Schaden auf bis zu 2500 Euro, erklärte das Unternehmen. Ein Mitarbeiter soll beispielsweise in zwei Wochen für 2200 Euro im Internet gesurft haben. Insgesamt geht es um etwa 20 Kündigungen vom März 2010.
Der Missbrauch der Diensthandys sei nie infrage gestellt worden, sagte Verdi-Sekretär Gerold Schaub. Auch müsse der Schaden von den Beschäftigten ersetzt werden. In den Klagen sei es allein um die Verhältnismäßigkeit der Kündigungen gegangen. Es hätten auch Rügen oder Abmahnungen ausgereicht. Das Unternehmen erklärte, nach persönlichen Anhörungen nur in etwa einem Drittel aller Fälle gekündigt zu haben.
Auch Schaub hielt der Lufthansa-Tochter vor, zu lange mit ihren Maßnahmen gewartet zu haben. Sie habe auch bei den Handys kein sicheres Verfahren zum Schutz vor Missbrauch installiert. Die Mitarbeiter hatten mit sogenannten Twin-Handys die Möglichkeit, private Gespräche über eine separate Nummer abzuwickeln.
dpa-AFX / t-online.de/business
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