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20 Jahre DAX: Börsen-Jubiläum am Finanzplatz Frankfurt

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Happy Birthday: 20 Jahre DAX

01.07.2008, 09:46 Uhr | dpa / t-online.de

20 Jahre DAX (Foto: imago) 20 Jahre DAX (Foto: imago)20 Jahre jung und nicht mehr aus der Finanzwelt wegzudenken: Heute vor zwei Jahrzehnten ging der Deutsche Aktienindex (DAX) an den Start. Seit seiner Gründung hat sich der Index fast versechsfacht. Inzwischen ist der DAX eines der wichtigsten Börsenbarometer weltweit. Außerdem gehört das Kursbarometer zum Finanzplatz Frankfurt wie Bulle und Bär. Die 30 Unternehmen im DAX gelten als Querschnitt der deutschen Wirtschaft, ihr Abschneiden an der Börse ist Sinnbild für Wohl und Wehe an den Märkten. Anleger und Analysten, Banker und Börsenprofis schauen genau auf die Kurse, im Fernsehen und in der Zeitung hat der DAX zwischen Politik und Sport seinen festen Platz.

Börse Frankfurt - Eröffnung des neuen Handelssaals
Übersicht - Höhen und Tiefen des DAX

Von 1163 auf 8151 Punkte

Offiziell startete der DAX am 1. Juli 1988 mit 1163 Punkten. Danach ging es ständig nach oben: Im Oktober 1993 riss er die Marke von 2000 Punkten, am 16. Juli 2007 erreichte er seinen Rekordstand von 8151,57 Punkten. Aktuell notiert der von der US-Finanzkrise gebeutelte Index knapp über der Marke von 6300 Zählern. Am ersten Tag umfasste der DAX folgende Werte: Allianz , BASF, Bayer, Bayerische Hypotheken- und Wechselbank, Bayerische Vereinsbank, BMW, Commerzbank, Continental, Daimler-Benz, Degussa, Deutsche Bank, Deutsche Babcock, Deutsche Lufthansa, Dresdner Bank, Feldmühle Nobel, Henkel, Hoechst, Karstadt, Kaufhof, Linde, MAN, Mannesmann, Nixdorf, RWE, Schering, Siemens, Thyssen, Veba, Viag, Volkswagen. Mittlerweile haben einige Konzerne ihren Namen geändert, sind fusioniert oder ganz vom Kurszettel verschwunden. Anfangs wurde der Index zu den Handelszeiten von 11.30 bis 13.30 Uhr jede Minute neu berechnet, inzwischen im Sekundentakt von 9.00 Uhr bis 17.30 Uhr.



Schwerer Start

"Wir wollten ein nach außen wirkendes Symbol haben, vergleichbar dem Dow Jones", erinnert sich der Chef des Deutschen Aktieninstituts, Rüdiger von Rosen, einer der Väter des DAX. "Es gab nicht unerhebliche Auseinandersetzungen, weil nicht alle verstehen konnten und wollten, dass wir Frankfurter Kurse für einen deutschen Index nehmen", sagt von Rosen, der Ende der 80er Jahre Hauptgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Wertpapierbörsen und Geschäftsführer der Frankfurter Wertpapierbörse war.

DAX beendet Index-Wirrwarr

Vor Einführung des DAX herrschte ein regelrechtes Wirrwarr: Es gab einen Index der "Börsen-Zeitung", der weit verbreitete Commerzbank-Index wurde von Konkurrenzbanken verschmäht, der FAZ-Index der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" von anderen Zeitungen gemieden. Der DAX vereinheitlichte das zersplitterte Bild. "20 Jahre DAX ist eine absolute Erfolgsgeschichte: Der Index ist inzwischen gleichrangig mit Börsenindizes wie Dow Jones und Nikkei", sagt der Leiter des Wertpapierhandels der Privatbank Hauck & Aufhäuser, Fidel Helmer, der seit 1970 am Finanzplatz Frankfurt tätig ist. "Viele institutionelle Anleger richten sich bei ihren Entscheidungen nach dem DAX. Wer aus dem DAX rausfällt, verliert automatisch an Boden."

Prüfung alle drei Monate

Die Zusammensetzung des DAX wird vom Arbeitskreis Aktienindizes in der Regel alle drei Monate überprüft. Verliert eine Aktie an Bedeutung und eine andere außerhalb des Index gewinnt deutlich hinzu, so werden die Unternehmen ausgetauscht. Maßgeblich sind immer zwei Ranglisten - eine für die Marktkapitalisierung der frei handelbaren Stücke und eine für den Umsatz der Aktien an der Börse. Dass wie beim Dow Jones nur 30 Unternehmen in den erlauchten Kreis der ersten deutschen Börsenliga aufgenommen werden, halten Experten für angemessen. Zwar gebe es "sicherlich noch ein Dutzend attraktive deutsche Unternehmen, die einen Platz im DAX verdient hätten", sagt Wertpapierhändler Helmer - etwa der Stuttgarter Sportwagenbauer Porsche oder der Kasseler Düngemittelhersteller K+S . "Aber die Beschränkung auf 30 ist durchaus sinnvoll: Sie sind ein Spiegel der deutschen Wirtschaft."


Eine ganze Index-Familie

Entscheidend für die Aufnahme in den DAX sind der Börsenwert – also die Marktkapitalisierung - und die Handelsumsätze der Papiere. Weil Porsche seit seinem Börsengang 1984 nie Quartalsberichte vorlegte, konnte die Aktie nicht in den DAX aufsteigen. Inzwischen ist Porsche - ohne die Auflage von Vierteljahresberichten - im DAX International notiert, einem der vielen Auswahlindizes der Deutschen Börse AG. Neben dem DAX als "erste Börsenliga" gibt es noch eine ganze Reihe Indizes wie den MDAX für mittelgroße Unternehmen oder den TecDAX für Technologie-Firmen. Bekannte ausländische Aktienindizes sind der aus 30 Werten bestehende Dow Jones Industrial Average in den USA oder der Nikkei 225 in Japan.

Überwiegend ausländische Investoren

An den internationalen Finanzmärkten ist der DAX nach 20 Jahren nicht mehr wegzudenken. Experten zählen das deutsche Börsenbarometer zu den weltweit attraktivsten Indizes: Das Gros der Investoren kommt dabei keineswegs aus Deutschland. So überrascht es kaum, dass auf der elektronischen Handelsplattform Xetra deutsche Anleger insgesamt nicht einmal für ein Drittel der Handelsvolumina sorgen. Nahezu die Hälfte wird nach Angaben der Deutschen Börse von US-Investoren oder Londoner Händlern bestritten. Die Franzosen sorgen für 15 Prozent der Umsätze, gefolgt von den Niederländern mit fünf Prozent. "Dass vor allem ausländische Investoren im DAX vertreten sind, liegt in erster Linie an deren Investmentkultur", erläutert Fondsmanager Carsten Hilck von der Union Investment. "Im Unterschied zum deutschen Rentensystem gibt es vor allem in den USA und Großbritannien große Pensionsfonds, deren Aufgabe die Finanzierung der Altersversorgung ist und die riesige Summen diversifiziert anlegen müssen." Das erkläre die Abhängigkeit der europäischen Aktienmärkte von den Angelsachsen.

DWS bemängelt fehlende Aktienkultur

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DWS) wies angesichts des Jubiläums auf die Notwendigkeit zur Vorsorge hin und kritisierte in diesem Zusammenhang, dass die Deutschen zu wenig in Aktien investieren. “Die Aktie fällt hierzulande als renditestarkes Instrument der privaten Vermögensbildung und Altersvorsorge glatt durch“, erläuterte der Verband. Die Deutschen hielten lieber dem ertragsschwachen Sparbuch die Treue, die Aktionärsquote belaufe sich auf 5,8 Prozent. Damit sei die Bundesrepublik ein "Börsenentwicklungsland". In den USA beträgt die Quote laut DWS 25 Prozent. In Schweden besäßen sogar mehr als 50 Prozent der Bürger Unternehmensanteile.

Mehr zum Thema:
Deutsche Börse - Längerer Handel geplant
Studie -Daimler wertvollste deutsche Marke
Marktberichte -Was machen DAX, TecDAX, Dow Jones und Nikkei?
Kurs-Listen - Deutschland|Europa|Welt


Quelle: t-online.de

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