29.03.2010, 17:51 Uhr | AFP, dpa
Als einer der wenigen großen Krankenversicherungen erhebt die Techniker Krankenkassen 2010 keine Zusatzbeiträge (Foto: ddp) (Quelle: ddp)
Mehr als 250.000 Menschen haben nach einem Bericht des Berliner "Tagesspiegel" seit Jahresbeginn ihre Krankenkasse gewechselt oder einen Wechsel beantragt, um Zusatzbeiträgen zu entgehen. Spitzenreiter in der Gunst der Wechselwilligen sei die Techniker Krankenkasse mit 130.000 neuen Mitgliedsanträgen. Auch die Barmer GEK konnte laut Angaben der Zeitung rund 100.000 neue Mitglieder gewinnen. Beide Großkrankenkassen wollen zumindest in diesem Jahr keine Zusatzbeiträge von ihren Mitgliedern erheben.
Mit den neuen Zahlen setzt sich ein Trend fort, der sich schon seit Einführung des Extra-Aufschlags abzeichnet. Krankenkassen wie die Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK), die von ihren Mitgliedern einen pauschalen Zusatzbeitrag von acht Euro im Monat verlangt, verlieren in kurzer Zeit viele Mitglieder. Bei der DAK sind es mehrere zehntausend Versicherte, welche der Kasse in den letzten Wochen den Rücken kehrten. Die DAK dürfte die Kündigungen aber verschmerzen, schließlich verfügt diese Krankenkasse derzeit über fast fünf Millionen Mitglieder.
Neben den großen Krankassen profitieren von der Mitgliederwanderung vor allem kleinere Betriebskrankenkassen. Allein die IKK Brandenburg und Berlin konnte demnach die Zahl ihrer Kunden um 4500 erhöhen, ein Zuwachs um rund 74 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Krankenkassen beklagten unterdessen die schlechte Zahlungsmoral einiger ihrer Mitglieder. Zwischen September und Dezember vergangenen Jahres sei die Zahl der Vollstreckungsmaßnahmen bei der DAK von 32.000 auf 36.000 gestiegen, hieß es im "Tagesspiegel". Bei der Techniker Krankenkasse hatten demnach 34.000 Mitglieder Rückstände in Höhe von insgesamt 125 Millionen Euro, bei der KKH Allianz seien 15.000 Mitglieder betroffen.
Nach Angaben des GKV-Spitzenverbands hatten die Kassen im vergangenen Sommer bereits Außenstände von 630 Millionen Euro, weil Mitglieder ihre Beiträge nicht zahlten. Der Spitzenverband forderte den Bund auf, die Rückstände auszugleichen. "Jeder soll krankenversichert sein, aber wenn die Mitglieder nicht zahlen, haben die Kassen kaum Möglichkeiten, an das Geld zu kommen", sagte Verbandssprecherin Ann Marini. Das Bundesgesundheitsministerium lehnt allerdings eine Kostenübernahme bislang unter Hinweis auf den vom Bund an die Krankenkassen gezahlten Zuschuss ab.
AFP, dpa
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