Daimler erhält einen neuen Großaktionär (Quelle: dpa)Der von der Absatzkrise gebeutelte Autobauer Daimler hat sich ein zweites Emirat als Großaktionär ins Haus geholt. Mit 9,1 Prozent steigt Abu Dhabi zum wichtigsten Anteilseigner auf und verweist den bereits investierten Kuwait auf den zweiten Platz. Der Einstieg spült dem Stuttgarter Autobauer mehrere Milliarden in die Kasse und soll so einen Schub bei Innovationen bringen. Geplant ist, mit den Scheichs ein Elektroauto zu entwickeln.
Der Einsteig geschieht durch die Ausgabe neuer Aktien, durch deren Kauf 1,95 Milliarden Euro in Daimlers Kasse fließen. Der Anteil Kuwaits wird dadurch verwässert und fällt von 7,6 auf 6,9 Prozent. Die staatlich kontrollierte Investmentgesellschaft Aabar zahlt 20,27 Euro pro Daimler-Aktie und damit rund fünf Prozent weniger als der Schlusskurs vom Freitag. Der Preisnachlass habe jedoch nur eine sehr untergeordnete Rolle bei der Entscheidung gespielt, sagte der Aabar-Chef Khadem Al Qubaisi. Ausschlaggebend seien vielmehr das hervorragende Daimler-Management, die guten Autos der Stuttgarter und ihre Technologiekompetenz gewesen. In das Tagesgeschäft wollen sich die Scheichs nicht einmischen. "Im Augenblick beabsichtige ich nicht, einen Sitz im Aufsichtsrat einzunehmen. Vielleicht später einmal." Vielmehr sei man an dem Aufbau einer langfristigen Partnerschaft interessiert. Eine spätere Aufstockung der Beteiligung sei deshalb durchaus denkbar.
Emirat steht hinter Daimler-Strategie
"Wir freuen uns sehr, in Aabar einen neuen Großaktionär begrüßen zu können, der unsere Unternehmensstrategie unterstützt und mit uns gemeinsam strategische Projekte auf den Weg bringt", sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche. Der Aufsichtsrat stimmte der notwendigen Kapitalerhöhung um zehn Prozent bereits zu. Bisherige Daimler-Aktionäre konnten bei der Kapitalerhöhung keine Aktien erwerben.
Einstieg zeichnete sich ab
Über einen Einstieg von Abu Dhabi war bereits seit Monaten spekuliert worden. Aabar wird von der staatlichen International Petroleum Investment Company (IPIC) kontrolliert. Diese ist unter den deutschen DAX-Konzernen keine Unbekannte: Im Oktober hatte IPIC die Mehrheit an der Dienstleistungssparte Ferrostaal des Münchener Lkw-Herstellers MAN übernommen. Das Investment-Portfolio von IPIC wird derzeit auf mehr als 14 Milliarden Dollar geschätzt.
Beziehungen festigen
Mit den Investitionen bei Daimler und MAN will die staatliche Investmentgesellschaft auch die Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland festigen. Befürchtungen, deutsches Know-how könnte an den Golf abgezogen werden, trat Al Qubaisi entschieden entgegen. "Wir planen so etwas in keinster Weise. Ganz im Gegenteil: Wir brauchen die deutsche Technologie, um uns zukunftsfähig zu machen."
Elektroautos gemeinsam entwickeln
Daimler will mit seinem neuen Großaktionär auch im Tagesgeschäft zusammenarbeiten: Gemeinsam soll die Entwicklung von Elektroautos sowie von Verbundwerkstoffen vorangetrieben werden. "Über konkrete Projekte wird gerade gesprochen", sagte ein Sprecher. Auch Al Qubaisi bekräftigte, genaue Inhalte der künftigen Partnerschaft müssten nun nach und nach sondiert werden. In Abu Dhabi selbst sollen junge Leute für die Autoindustrie ausgebildet werden.
Daimler kämpft mit Absatzeinbruch
Der Stuttgarter Autobauer steht vor einem schweren Jahr und kalkuliert mit weniger Verkäufen und dadurch auch weniger Gewinn. Für das erste Quartal hat Zetsche bereits einen operativen Verlust angekündigt. In den ersten zwei Monaten des Jahres war der Pkw-Absatz um über ein Viertel zurückgegangen. Die Lkw-Sparte bereitet sich gar auf ein Absatzminus von bis zu 50 Prozent vor. Trotz geplanter milliardenschwerer Einsparungen will der Daimler-Chef aber Produktinnovationen nicht vernachlässigen.
"Daimler ist eine Marken-Ikone"
Bereits im vergangenen Jahr hatte Daimler gelitten: Während der Umsatz leicht auf 95,9 Milliarden Euro zurückging, brach der Überschuss um fast zwei Drittel auf 1,4 Milliarden Euro ein. Das schreckte den neuen Investor aber nicht ab. "Daimler ist eine Marken-Ikone und ein finanziell starkes Unternehmen, das weltweit für Spitzenleistungen bekannt ist", begründete Al Qubaisi das Engagement. Der bisher größte Anteilseigner Kuwait ist seit 1974 im Unternehmen engagiert. Zuletzt hatte es auch hier Spekulationen gegeben, das Emirat könne seinen Anteil ausbauen.
Daimler-Aktien profitieren nur kurz
Die Aktien von Daimler waren in Reaktion auf den Einstieg der Scheichs zunächst stark gefragt und legten zeitweise gut acht Prozent zu, rutschten aber im Handelsverlauf wieder ab. Der Einstieg der Araber geschehe zur rechten Zeit, da Automobilaktien dazu neigten, den Gesamtmarkt in einem ersten Aufschwung nach einem langen Bärenmarkt zu schlagen, kommentierte ein Börsianer. Und gegenwärtig befinde sich die Weltwirtschaft wohl in der letzten Phase der Rezession. Analyst Alexander Neuberger beließ seine Einschätzung der Daimler-Aktien auf "Outperform". Der Einstieg von Abu Dhabi stärke die Kapitalbasis der Stuttgarter.