Flugzeuge von Air Berlin in Berlin-Tegel (Foto: dapd)Drastischer Sparkurs bei Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft: Air Berlin will seine Flotte bis zum Sommer 2012 um mehr als zehn Prozent reduzieren. Die Zahl der Flugzeuge solle von 170 auf 152 sinken, teilte das Unternehmen mit. Die Flugleistung soll aber nur um vier Prozent fallen. Mit dem Maßnahmenpaket, das den Namen "Shape & Size" trägt, will das Unternehmen das operative Ergebnis um 200 Millionen Euro verbessern. Die Aktie reagierte kaum auf die Nachricht.
Der neue Konzernchef Hartmut Mehdorn kündigte eine rigorose Überprüfung der Sparmöglichkeiten an: "Um die Zukunft des Unternehmens langfristig sicherzustellen und Air Berlin zu alter Stärke zurückzuführen, werden wir in den kommenden Monaten ausnahmslos alle Bereiche des Unternehmens auf den Prüfstand stellen", hieß es in einer Mitteilung. "Wir bewegen uns derzeit in einem turbulenten Umfeld, sowohl hinsichtlich des Wettbewerbs als auch konjunkturell." Allerdings solle weder am Kunden noch am Service oder an der Sicherheit gespart werden. Mehdorn wollte in einer telefonischen Pressekonferenz weitere Details nennen.
Das bisherige Geschäftsmodell steht nach Mehdorns Worten nicht infrage. Branchenexperten hatten zuletzt jedoch Zweifel an der Ausrichtung geäußert. Air Berlin bringt Urlauber für Reiseveranstalter nach Mallorca und Ägypten, aber auch Geschäftsleute nach London. Dabei eifert das Unternehmen nicht Billigfliegern nach, die für jede Zusatzleistung eine Extra-Gebühr verlangen. Sie will aber auch keine klassische Fluggesellschaft wie die Lufthansa sein.
Rote Zahlen für Air Berlin
Seit Anfang September lenkt der frühere Bahnchef Mehdorn die Airline, die sich seit einiger Zeit in Turbulenzen befindet. Die Fluggesellschaft steuert das vierte Jahr in Folge einen Verlust an. Der langjährige Vorstandchef Joachim Hunold hatte sein Amt zum 1. September niedergelegt.
Die Commerzbank hat ihre Einstufung für Air Berlin nach der Nachricht auf "Hold" mit einem Kursziel von 2,10 Euro belassen. Die Fluglinie habe für die Reduzierung der Zahl der Flugzeuge um zehn Prozent und für das EBIT-Ziel keinen Zeithorizont genannt, kritisierte Analyst Johannes Braun. Immerhin seien die ausgerufenen 200 Millionen Euro aber eine eindrucksvolle Summe in der Kostenersparnis. Die Aktie verlor zuletzt 0.2 Prozent auf 2,74 Euro.