Goldene Zeiten sind für Dividendenjäger vorbei (Foto: imago)Anleger konnten sich zuletzt über besonders hohe Dividenden freuen. Wie die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) in ihrer jährlichen Untersuchung errechnet hat, zahlten die Unternehmen für das Geschäftsjahr 2007 die Rekordsumme von 43,8 Milliarden Euro aus. Doch "die unbeschwerte Zeit für Dividenden-Jäger gehe zu Ende, sagte DSW-Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker. Er verwies auf die Abgeltungsteuer, durch die sich die Steuerlast auf Gewinnausschüttungen "dramatisch erhöhen" werde. Die Aktionärsschützer fordern daher höhere Ausschüttungen an die Anteilseigner und eine Abmilderung der Abgeltungssteuer.
Hocker betonte in diesem Zusammenhang vor allem die Änderungen durch den Wegfall des bisher gültigen Halbeinkünfteverfahrens, durch welches Dividenden aktuell nicht voll, sondern nur hälftig besteuert werden. Ab Januar 2009 erhebt der Staat 25 Prozent Steuern auf Zinsen, Dividenden und Gewinne aus der Veräußerung von Kapitalanlagen. Laut DSW verdoppelt sich dann die Abgabenlast bei einer angenommenen Dividende von 1000 Euro, sofern der Steuerzahler einem persönlichen Steuersatz von 25 Prozent oder höher unterliegt. Eine Modellrechnung wird am Beispiel eines Steuersatzes von 30 Prozent durchgeführt.
Besteuerung 2008
Besteuerung 2009
Dividendensumme:
1000,00 Euro
Dividendensumme:
1000,00 Euro
Davon steuerfrei:
500,00 Euro
Davon steuerfrei:
0,00 Euro
Zu versteuern:
500,00 Euro
Zu versteuern:
1000,00 Euro
Steuern:
158,30 Euro
Steuern:
263,75 Euro
(pers. Steuerquote: 30% / 5,5 % Soli)
(Abgeltungssteuer: 25% / 5,5 % Soli)
Mehr als 1000 untersuchte Unternehmen
Für die Studie wurden laut DSW insgesamt 1076 Gesellschaften untersucht. Aus den vier DAX-Indizes fehlen lediglich zwei Unternehmen des TecDax. Hinzu kommen 337 Mitglieder des Prime-Segmentes und 581 Firmen aus dem übrigen regulierten Markt. Zusammen verfügen diese Unternehmen über ein Grundkapital von 75,13 Milliarden Euro. Die durchschnittliche Gewinnausschüttung an die Aktionäre betrug 0,58 Euro je Anteilsschein im Nennwert von 1 Euro. Damit wurde der Vorjahreswert von 0,52 Euro noch einmal deutlich übertroffen. Ausschlaggebend dafür war die gute allgemeine Gewinnentwicklung.
DAX-30 Firmen zahlen am meisten Dividende
Allerdings tragen die DAX30-Werte den Löwenanteil dieser Steigerung. 77 Prozent der Indexmitglieder haben ihre Dividende erneut erhöht. Die Gesamtsumme hat sich laut der Erhebung gegenüber dem Vorjahr um 4,77 Milliarden Euro erhöht. Aktuell stammen 29,723 Milliarden Euro von den Werten aus dem DAX-30 was alleine hier einem Zuwachs von 6,6 Milliarden Euro entspricht. Nur zwei Gesellschaften kürzten ihren Jahresbonus. Bei RWE fiel eine Sonderausschüttung aus dem Vorjahr weg, bei Hypo Real Estate führten Sonderabschreibungen zur Dividendenkürzung. TUI hat nach einem Aussetzer im Vorjahr die Gewinnausschüttung jetzt wieder aufgenommen, einzig der krisengeschüttelte Konzern Infineon streicht zum zweiten Mal die Ausschüttung.
Minus im MDAX
Dieses positive Bild zieht sich aber nicht durch alle Indizes. Den Steigerungen bei den DAX-Unternehmen gegenüber steht ein Minus von drei Milliarden Euro bei den im MDAX gelisteten Unternehmen. Das Minus erklärt sich durch eine Sonderdividende des Chemiekonzerns Altana im Geschäftsjahr 2006, der den Erlös aus dem Verkauf der Pharmasparte auf diesem Weg ausgeschüttet hatte.
Unterbrecher 70-Tage
IKB-Aktionäre gingen leer aus
Überdies macht sich bei einigen Unternehmen die Finanzkrise bemerkbar. So haben für das Geschäftsjahr 2007 insgesamt 33 Unternehmen die Dividende senken müssen. Der bedeutendste Ausfall ergibt sich bei der Düsseldorfer IKB, wo im Vorjahr 292 Millionen Euro verteilt worden waren. Für 2007 gingen Aktionäre dagegen komplett leer aus.
Investoren wollen Cash sehen
Als Gründe für die konstant steigenden Dividendenzahlungen bei vielen Unternehmen nennen die Experten zwei Faktoren. Angesichts des Börsencrashs kurz nach dem Beginn des neuen Jahrtausends erlebte die Dividende eine Renaissance als Risikopuffer. Entscheidend ist jedoch der zweite Faktor: das Ende der Deutschland AG. Inzwischen haben internationale Investoren einen Anteil von über 50 Prozent an den DAX-Firmen und drängen auf höhere Dividendenzahlungen. Eine ähnliche Entwicklung macht sich auch in anderen Segmenten bemerkbar. Nicht immer ist dies laut DSW jedoch auch wünschenswert. So schüttete der Medienkonzern ProsiebenSat.1 auf Druck seiner Großaktionäre KKR und Permira in diesem Jahr 270 Millionen Euro aus, obwohl der Überschuss nur 90 Millionen Euro betrug.