12.10.2010, 10:00 Uhr | t-online.de/business
Großraumbüros sind nicht jedermanns Sache. (Foto: Archiv)
Studien belegen, was viele schon lange ahnen: Wer im Großraumbüro arbeitet, ist weniger produktiv, dafür aber schneller gestresst und öfter krank als Mitarbeiter, die in kleineren Arbeitszimmern sitzen. Trotzdem liegen die Gemeinschaftsbüros im Trend. Wir zeigen in unserer Klick-Show, was den Kollegen besonders zusetzt und wie Abhilfe geschaffen werden kann.
Wer seinen Job gut machen will, muss sich konzentrieren können. Was aber tun, wenn im Büro 20 Kollegen untergebracht sind und zehn davon gleichzeitig - und laut - telefonieren? Das ist Stress pur für die Ohren. Nicht weniger nervenaufreibend: die verschiedenen Klingeltöne der privaten Handys, die schlimmstenfalls gleichzeitig lostönen.
Klartext spricht hier eine Studie: Das Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft hat in Kooperation mit der Hochschule Luzern gut 1200 Beschäftigte aus unterschiedlichsten Berufen nach ihren Erfahrungen befragt. Das Ergebnis: In Büros mit mehr als 16 Mitarbeitern fühlen sich 80 Prozent der Befragten regelmäßig durch Gespräche oder Telefonate gestört - in Zweierbüros sind es nicht mal 30 Prozent.
Doch nicht nur die Ohren, auch die Nase muss in Großraumbüros einiges verkraften - beispielsweise den Geruch des Döner, den der Büronachbar zu Mittag verspeist, ebenso wie die verschiedenen, nicht immer dezenten Duftnoten der Mitarbeiter. Öfter lüften hilft, sollte man denken - doch weit gefehlt.
Denn "Fenster auf oder zu" - über die Frage wird in "Open Offices" oft und heftig gestritten. Während wärmebedürftige Kollegen schon beim Gedanken an Frischluft erschaudern, können es Frischluftfans kaum ertragen, wenn das Bürofenster über längere Zeit geschlossen bleibt.
Damit das Miteinander im Großraumbüro trotzdem erträglich wird, empfehlen Experten, einfach mehr Rücksicht zu nehmen. Etwa, indem Sie Telefonate und Gespräche mit Kollegen in moderater Lautstärke führen, geruchsintensive Speisen nicht unbedingt am Schreibtisch essen.
Auch die Chefs können einiges tun, um die Lage zu entschärfen. Eine gute Lärmdämmung des Raums beispielsweise senkt den Geräuschpegel ebenso wie spezielle Akustikdecken oder mit weichem Stoff bezogene Stellwände zwischen den Arbeitsplätzen. Ein so genanntes Soundmasking-System soll ebenfalls helfen: Es produziert ein leises Hintergrundgeräusch, das vom menschlichen Ohr nicht als störend oder irritierend wahrgenommen wird. Es ist aber laut genug, um Unterhaltungen und störende Geräusche zu übertönen.
Sind außerdem technische Geräte in einem separaten Raum untergebracht, wird es im Büro nicht nur leiser: Auch wegen der Wärmeabgabe und eventuellen Schadstoffen bietet es sich an, Drucker und Co. "auswandern" zu lassen. Für noch mehr Entspannung könnte ein weiteres Zimmer sorgen, das Mitarbeiter für Gespräche nutzen können, die nicht für die Ohren der gesamten Firma bestimmt sind.
Natürlich gibt es auch Beschäftigte, die gern im Großraumbüro arbeiten. Open-Office-Befürworter betonen vor allem, dass das gemeinsame Büro die Kommunikation erleichtere. Natürlich spart die E-Mail oder den Anruf, wer dem Kollegen schnell eine Information zurufen kann. Und ein kleiner Trost für leidgeplagte Großraumarbeiter: Auch wer sich nur mit einem anderen das Büro teilt, ist damit nicht automatisch vor schlechten Gerüchen oder störend lauten Dauertelefonierern gefeit.
Die Schweizer Studie zeigt aber, dass sich Beschäftigte in kleineren Büros am Arbeitsplatz doch wohler fühlen. Demnach gaben vier von zehn befragten Großraumbeschäftigten an, mit ihrer "Bürosituation im Allgemeinen" sehr oder außerordentlich unzufrieden zu sein. Hingegen erklärten acht von zehn Arbeitnehmern, die in einem Einzelbüro arbeiten, ziemlich, sehr oder außerordentlich zufrieden zu sein.
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