31.10.2007, 11:27 Uhr | Financial Times Deutschland, 17.10.2007
Anwalt in einer Kanzlei (Foto: dpa) Mit seiner Berufswahl ist Maximilian Uibeleisen sehr zufrieden. Seit einem Jahr arbeitet er als Associate im Berliner Büro der Großkanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer, Spezialgebiet: öffentliches Recht. Freshfields hat den Frischling praktisch noch auf den Stufen des Justizprüfungsamtes eingekauft. Und den freut das: "Im öffentlichen Recht gibt es hier eine große Praxisgruppe, die international arbeitet. Hier im Berliner Hauptstadtbüro haben wir zudem noch die Nähe zur Politik."#
Zahl der Überflieger ist begrenzt
Uibeleisen gehört zu der kleinen Gruppe frisch gebackener Volljuristen, um die große Wirtschaftskanzleien balzen wie ein Pfau ums Weibchen: Seine zwei Staatsexamina mit Prädikat, Auslandserfahrung und sogar noch eine Promotion lassen jeden Personalmanager kribbelig werden. Freshfields stellt in diesem Jahr beispielsweise rund 100 Berufsanfänger ein, bei Linklaters werden es wie Jahr zuvor um die 90 sein, und bei Hengeler Mueller variiert die Zahl zwischen 40 und 60. Das Problem ist nur: Es werden jedes Jahr allenfalls 400 bis 600 Volljuristen fertig, die wie Uibeleisen einen Überfliegerlebenslauf haben. "Und von denen wollen nicht alle Anwalt werden", sagt Bina Brünjes von der Personalberatung Hays Legal in Frankfurt. Doch genau um diese Überflieger buhlen die Sozietäten verzweifelt. Brünjes: "Für die internationalen Großkanzleien gehört es einfach zum Prestige, nur die Besten auszuwählen."
Gehälter steigen enorm
Zwar entlassen die deutschen Justizprüfungsämter Jahr für Jahr rund 10.000 Volljuristen in die Welt der messingfarbenen Türschilder. Die wenigsten haben in beiden Staatsexamen eine Prädikatsnote, also mindestens neun Punkte, erreicht. Doch weil den Großkanzleien die Besten gerade gut genug sind, und die Konjunktur für lukrative Mandate sorgt, herrscht trotzdem Personalnot in den oberen Sphären der deutschen Kanzleilandschaft. Diese Not sorgt bei den Einstiegsgehältern für eine erkleckliche Anzahl von Nullen. Freshfields hat angekündigt, den Berufseinsteigern ab November noch einmal mehr zu zahlen. Lag das Einstiegsgehalt 2006 zwischen 80.000 und 95.000 Euro, sollen es jetzt bis zu 100.000 Euro sein. Hinzu kommen noch je nach Leistung Bonuszahlungen.
Wettbewerber sind im Zugzwang
"Freshfields ist in Deutschland Marktführer. Wir sind der Meinung, dass wir dann auch bei den Gehältern in der Spitzengruppe sein sollten", sagt Partnerin Stephanie Hundertmark. Auch Linklaters zahlt seinen Anwälten im ersten Berufsjahr ab November 10.000 Euro mehr. Das Grundgehalt summiert sich dann auf 95.000 Euro. Hinzu kommt ein Bonus, der sich in den ersten drei Jahren am Gesamterfolg der Kanzlei orientiert. Er steigt ab dem vierten Berufsjahr mit dem Grundgehalt ebenfalls an. Bei Hengeler Mueller beraten die Partner demnächst über eine weitere Erhöhung. Derzeit bekommt ein Associate, der auch noch den Master vorweisen kann, 90.000 Euro. "Kanzleien, die ihren Anfängern 70.000 Euro zahlen, müssen sich jetzt etwas einfallen lassen oder ihre Anforderungen herunterschrauben", sagt Recruiting-Expertin Brünjes.
Die Kleinen haben es schwer
Doch mit Geld allein ist es im Kampf um die Besten nicht getan. Vor allem kleine, hoch spezialisierte Kanzleien können sich im hektischen Gefeilsche um die Talente nur schwer hervortun. "Wir verlangen bei unseren Bewerbern das gleiche Profil. Aber die Großkanzleien sind bei diesem Wettkampf im Vorteil. Sie haben ihr Recruiting institutionalisiert, sind überall präsent", sagt Andreas Rittstieg, Namenspartner von Rittstieg Rechtsanwälte. "Das können wir als kleine Boutique so nicht leisten." Vier Partner und zwei Mitarbeiter beschäftigt Rittstieg. Er bietet für seine Kanzleigröße ungeheure 95.000 Euro und "unmittelbaren Mandantenkontakt vom ersten Tag an". Und ist trotzdem in Personalnöten.
Früher ansetzen als die Großen
Deswegen muss er früher ansetzen als die Großen. "Vielversprechende Referendare versuchen wir schon während der Ausbildung für uns zu gewinnen", sagt Rittstieg. Doch selbst da ist er nicht der Erste, das haben auch die Großkanzleien schon bemerkt. "Gute Leute schon während der Referendarzeit zu rekrutieren, wird für uns immer wichtiger", sagt Fabian Ehlers, Partner bei Linklaters. "Macht sich der Kandidat dann während seiner sechs bis neun Monate langen Anwaltsstation besonders gut, stellen ihn die Partner auch dann ein, wenn es beim zweiten Staatsexamen nicht so gut geklappt hat wie beim ersten."
Quelle: t-online.de
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