Ludwig Erhard: Vater der Sozialen Marktwirtschaft. (Foto: dpa)In diesen Tagen begehen Politiker den 60. Jahrestag der Währungsreform. Als am 20. Juni 1948 mit der Währungsreform die D-Mark eingeführt wurde, waren über Nacht die leeren Auslagen der Geschäfte prall gefüllt. Gute Butter und echter Bohnenkaffee waren auf einmal wieder in den Läden verfügbar. Die Händler im zerstörten Nachkriegs-Deutschland hatten Waren gehortet, weil sie der nutzlos gewordenen alten Währung Reichsmark nicht mehr trauten. Auch wenn sich die meisten Kunden die teuren Produkte nicht leisten konnten, so stand doch die neue Währung wie kein zweites Symbol für den Beginn der Sozialen Marktwirtschaft in Deutschland.
Doch die Währungsreform 1948 war eine Schocktherapie: Jeder Bürger erhielt 40 Mark "Kopfgeld" und einen Monat später noch mal 20 Mark. Private Bankguthaben wurden auf ein Zehntel zusammengestrichen. Damit wurden viele Kleinsparer die Verlierer der Reform, weil ihre Guthaben aufgezehrt wurden. Die neue Währung konnte aber nur erfolgreich sein, weil sie von einer umfassenden Wirtschaftsreform - der Rückkehr zur offenen Marktwirtschaft - und vom Marshallplan (Wiederaufbauprogramm der USA) begleitet wurde.
Ludwig Ehrhard gilt als Vater der Währungsreform
Als Vater des Wirtschaftswunders gilt Ludwig Erhard. Der spätere Wirtschaftsminister und CDU-Kanzler verkündete am Tag vor der Währungsreform eigenmächtig gegen den Willen der Amerikaner die Aufhebung von Zwangsbewirtschaftung und Preisbindung für viele Güter. Als der amerikanische Militärgouverneur Lucius D. Clay ihn empört zur Rede stellte mit den Worten: "Meine Berater sagten mir, Sie hätten einen schrecklichen Fehler gemacht", antwortete Erhard kühn: "Meine sagen mir das gleiche." Doch der rasante Aufschwung gab ihm recht und machte den Franken zu einem politischen Mythos.
Stabilität der D-Mark weltberühmt
Vom Wirtschaftsboom profitierten breite Schichten, die Kaufkraft stieg. Musste ein Arbeiter 1950 im Schnitt für ein Kilo Kaffee 22 Stunden schuften, waren es zehn Jahre später nur noch sechs Stunden. Für einen VW-Käfer schrumpfte der Gegenwert von 500 auf gut 170 Arbeitstage. Die Stabilität der Währung war weltberühmt. Dennoch verlor sie in den 54 Jahren ihrer Geltung bei einer Inflationsrate von im Schnitt knapp drei Prozent fast drei Viertel ihres Wertes.
Unterbrecher 70-Tage
DM war ein nationales Identifikationssymbol
Der Nachfolger Euro schneidet bislang besser ab: In den zehn Jahren seit Einführung ist die Gemeinschaftswährung mit einer durchschnittlichen Inflationsrate von 2,1 Prozent stabiler als die Mark - und wird dennoch als "Teuro" verschrien. "Die D-Mark war für die Deutschen schlichtweg ein nationales Identifikationssymbol", sagt Bundesbank-Präsident Axel Weber.
Zweifel an der Marktwirtschaft
Das große Wirtschaftswunder dauerte bis zur ersten Rezession im Jahr 1967. Da war Erhard als Politiker schon entzaubert - als Kanzler blieb er von 1963 bis 1966 ohne Fortune. Seine historische Leistung ist aber unbestritten. Sechs Jahrzehnte nach der Währungsreform weckt nun die Globalisierung Zweifel am Mythos der Marktwirtschaft. Jüngst sagten 38 Prozent der Bevölkerung in einer Umfrage, sie hätten keine gute Meinung von dem Modell der Sozialen Marktwirtschaft.