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Anlageratschläge: Wie man 2012 wieder nicht reich wird

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Anlageratschläge: Wie man 2012 wieder nicht reich wird

12.01.2012, 17:40 Uhr | Financial Times Deutschland

Analysten haben es diesmal nicht einfach, einen Blick in die Zukunft zu werfen   (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Analysten haben es nicht einfach, einen Blick in die Zukunft zu werfen (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Die Aktienempfehlungen vieler Banken und Fondsmanager für das neue Jahr offenbaren eine erschreckende Einfältigkeit - zumindest wissen Anleger nun, wovon sie die Finger lassen sollten. Ein Kommentar von Christian Kirchner von der "Financial Times Deutschland".

Wie soll man in einem Umfeld einer drohenden Rezession und einer Schuldenkrise in der Euro-Zone bloß sein Geld anlegen? Glaubt man der überwältigenden Mehrheit der Strategen, die in diesen Tagen ihre Ausblicke und Empfehlungen präsentieren, ist das gar nicht so schwer.

Allein am Mittwoch argumentierten sinngemäß die Fondsgesellschaften Union Investment, Spängler und F&C sowie die Analysten von Goldman Sachs so. Bundesanleihen, so der Tenor, seien mit Renditen von gerade einmal zwei Prozent zu vernachlässigen, ja gar riskant wegen des Zinsänderungsrisikos.

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Satte Dividendenrenditen locken

Im Aktienmarkt hingegen gibt es glatt das Doppelte über Dividendenrenditen zu verdienen - und das selbst mit konservativen Konsumgüter-Herstellern wie Nestlé, Danone oder Unilever, denen die Rezession egal sein kann. Und wichtig sei natürlich 2012 vor allem, auf Unternehmen mit blitzsauberer Bilanz und hohen Umsatzanteilen in Schwellenländern zu setzen - denn deren Beitrag zum Wachstum der Weltwirtschaft wird im kommenden Jahr wohl auf 100 Prozent steigen.

Dummerweise haben Anleger in der Vergangenheit aber auch eines gelernt: Wenn sich besonders viele Strategen einer Sache sicher sind, ist vor allem sicher, dass es am Ende doch ganz anders laufen wird - gerade was vermeintlich defensive, dividendenstarke Aktien von in Schwellenländern aktiven Unternehmen angeht, sei es direkt oder indirekt.

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Und so wird es auch dieses Mal wieder sein. Denn erstens hat sich die Geschichte von den lukrativen Aktien mit Schwellenländer-Engagement und deren famosem Wirtschaftswachstum schon bis ins letzte Dorf herumgesprochen, kann also allenfalls noch negativ überraschen. Zweitens kann man allenfalls den Konsumgüter-Herstellern auf Basis der letzten zehn Jahre überhaupt noch das Etikett "defensiv" umhängen - Pharmawerte, Telekom-Titel, selbst die einst als bombenfeste Dividendenzahler bekannten Versorger haben in der letzten Dekade Kursverluste hinnehmen müssen, die bei wie RWE und E.ON sogar diabolische Ausmaße angenommen haben nach Fukushima.

Bundesanleihen schlechte Anlage?

Drittens beißt sich die Argumentation mit der relativen Attraktivität defensiver Aktien gegenüber etwa Bundesanleihen in den Schwanz: Wer zehnjährige Bundesanleihen bei zwei Prozent Rendite für eine schlechte Anlage hält und an steigende Zinsen glaubt, muss auch konsequenterweise damit rechnen, dass die relative Attraktivität dividendenstarker Aktien künftig wieder sinken wird.

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Viertens steht über allem natürlich noch die enorm hohe Volatilität und die Erkenntnis, dass am Aktienmarkt angesichts der Dramatik der Ereignisse und der Wahrscheinlichkeit einer Rezession mit offenem Ausgang so viel noch gar nicht passiert ist - auf gerade einmal 20 Prozent summiert sich das Minus im Euro Stoxx 50, seit die Frühindikatoren im Sommer die Grätsche gemacht haben. Im Klartext: Das dicke Ende kommt vielleicht 2012, etwa wenn sich zeigt, dass die Euro-Zone für die Weltwirtschaft doch wichtiger ist als angenommen.

Dickes Ende für Nahrungsmittel-Hersteller

Ein dickes Ende droht vor allem für jene Papiere, deren Nimbus als vermeintlich defensive Titel bislang noch nicht gelitten hat, die üppige Dividenden zahlen, rezessionsfest sind und stark in Schwellenländern aktiv sind - Nahrungsmittel-Hersteller. Sie illustrieren auch perfekt, wo das Problem liegt, wenn zu viele an der Börse einer Meinung sind: Die Aktien dieser Branche haben gemessen am entsprechenden Stoxx-Branchen-Index schon jetzt - geschlagen nur von Chemie-Werten - auf Fünf-Jahres-Sicht mehr zugelegt als alle anderen Branchen in Europa.

Mit einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von annähernd drei sind sie bei dieser Kennziffer ebenso die derzeit teuerste europäische Branche wie auch beim Kurs-Cashflow-Verhältnis, wo sie auf einen Wert von 12,3 kommen. Ein Konzern wie Nestlé wird derzeit mit dem 17-Fachen seiner laufenden Gewinne gehandelt, obwohl die Umsätze seit Jahren nur im niedrigen einstelligen Prozentbereich klettern. Warum? Weil inzwischen nicht weniger als 735 Investmentfonds Nestlé in ihren zehn größten Positionen haben (übrigens nur 250 die Großbank UBS).

Gewiss: Aktien sind und bleiben für Leute mit einem belastbaren Nervenkostüm und einigen Jahren Geduld ein lohnenswerter Grundstock für das Depot - trotz Euro-Krise, trotz Rezession und trotz des ganzen Krisengeschreis, den omnipräsenten "Krisentickern" und Krisengipfeln.

Wagemutig gegen den Trend

Hellhörig sollten Anleger aber immer dann werden, wenn etwas als ausgemachte Sache gilt - etwa dass dividendenstarke Aktien besser seien als dividendenschwache, Schwellenländer-Akteure besser als biedere deutsche Mid Caps, Aktien schuldenfreier Firmen besser als verschuldeter. Die Wahrheit ist wie immer: Kein Analyst (und auch kein Finanzjournalist) weiß wirklich genau, welche Aktien 2012 gut laufen werden und welche nicht. Halten sich aber die Kapitalmärkte an historische Muster, werden jene Titel ganz gewiss nicht laufen, die sowieso schon jeder hat. Eine kleine Anregung für wagemutige Antizykliker: Laut der globalen Fondsmanager-Befragung der Bank of America Merrill Lynch sind Banken, Versicherer und Versorger derzeit die unpopulärsten Branchen, Europa die unpopulärste Anlageregion und der Euro die unpopulärste Währung.


Quelle: Financial Times Deutschland

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Kommentare (37)

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Thema: "Anlageratschläge: Wie man 2012 wieder nicht reich wird "

klappspaten schrieb: am 4. März 2012 um 15:51:57
(2) (0) Anlegerratschläge
wer sein Geld lieber gleich verbrennen möchte, braucht sich von den Banken und Sparkassen nur Fonds aufschwatzen lassen.
Die vermeintlichen Berater kassieren geldgierig Provisionen und verschweigen das auch noch, und das Geld des Anlegers verschwindet von ganz alleine in den dunklen Kanälen der Fondsgesellschaften. In Deutschland anlegen? Besser nicht!
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Mr. Deeds schrieb: am 21. Januar 2012 um 01:45:30
(7) (0) Sichtwechsel
Wir stellen die Besten Waren her, arbeiten effektiv ... trauen uns aber nicht über die Börse am Erfolg dt.Firmen beteiligt zu
sein. Wir wollen Top-Service & Beratung, lassen uns auch beim kl. Händler kompetent beraten, aber die € 20 mehr wollen wir nicht zahlen und regen uns dann über wenig Personal im Großmarkt auf. Manche sind dann sogar stolz über € 20 Ersparnis - Hallo?!? Nicht Banken, Staat oder Hartz4 machen uns Probleme, sondern Ihr mit Eurer immer negativen Einstellung!
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Herb.Auer schrieb: am 20. Dezember 2011 um 16:11:57
(6) (7) 2012 wieder nicht reich werden
Manche hier lernen es einfach nicht. Unfassbar. Sie treten ihr Glück mit Füßen. Das muß ja auch so sein,
weil sie hinterher jammern wollen u sich in Eigenmitleid suhlen; anstatt jetzt (entsprechend den finanz. Möglichkeiten) in solide Substanzwerte einzusteigen. Das ist inflationssicheres Anlagekapital. Nicht arm u reich darf es heißen, sondern clever u (sau)dumm. Was spricht dagegen, sich z.B. an BASF, Daimler, Dt.Bank zu beteiligen ? Es fühlt sich gut an, zu "den bösen Aktionären" zu g
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