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Anlagezinsen sinken: Tagesgeld im Schnitt nur noch bei 1,87 Prozent

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Schlechte Zeiten für Zinsjäger

05.06.2009, 14:50 Uhr | bab

Attraktive Sparangebote werden seltener (Quelle: imago) Attraktive Sparangebote werden seltener (Quelle: imago)Attraktive Zinsangebote für Sparer werden immer seltener. Seit die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Zinsen zum vierten Mal in diesem Jahr auf jetzt 1,0 Prozent gesenkt hat, haben viele Banken nachgezogen. Und ein Ende ist nicht in Sicht: "Für Kurzfrist-Sparer sieht es momentan düster aus", sagt Thomas Bieler, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Am besten schneide bislang noch Tagesgeld ab. Hier sind aktuell noch mehr als 3,0 Prozent möglich.

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Eonia-Indexanlagen besonders betroffen

Besonders betroffen sind laut Bieler die Sparer, deren Anlagen sich an der Verzinsung des sogenannten "Eonia-Index" orientieren. Dieser Index steht für "European Over Night Index Average" und gibt den Zinssatz an, zu dem sich Banken untereinander Geld leihen. Populär wurden Eonia-Indexanlagen mit der Tagesanleihe des Bundes, die 2008 als Konkurrenz zu den Tagesgeld-Angeboten der Banken eingeführt und von vielen Sparern genutzt wurde. Allerdings bringt sie derzeit gerade noch 0,77 Prozent und liegt damit deutlich unter den Zinsangeboten der meisten Banken.



Noch gute Angebote am Markt

Der durchschnittliche Zinssatz für Tagesgeld und einjährige Festgeld-Anlagen beträgt nach Berechnungen der Frankfurter Finanzagentur FMH derzeit nur noch 1,87 Prozent. Allerdings bieten einige Banken weiterhin attraktive Angebote. So sind beispielsweise für eine Tagesgeld-Anlage von 10.000 Euro bei voller Einlagensicherung laut FMH derzeit bis zu 3,25 Prozent drin, eine einjährige Festgeldanlage bringt bis zu 3,0 Prozent. Wer sein Geld für fünf Jahre auf einem Festgeldkonto anlegt, erhält bis zu 4,1 Prozent, bei Sparbriefen mit vierjähriger Laufzeit sind es bis zu 2,8 Prozent.

Vorsicht vor Lockangeboten

Gleichzeitig sind weiterhin diverse Lockangebote am Markt erhältlich, bei denen die Institute mit hohen Zinsen werben. Allerdings sind die an unterschiedlichste Bedingungen wie die Eröffnung eines Girokontos oder eines Wertpapierdepots geknüpft, und meist werden die Top-Zinsen auch nur für kurze Zeit oder einen begrenzten Anlagebetrag gezahlt. Die Angebote sind meist sehr intransparent und deshalb kaum empfehlenswert. "Es sei denn, man braucht tatsächlich ein neues Konto oder Depot", sagt Heike Nicodemus vom Magazin "Finanztest" der Stiftung Warentest.



Zinspolitik der Banken in der Kritik

In der Kritik stehen Banken aktuell zudem für ihre Politik im Bereich der Dispo-Zinsen. Während Banken zu immer günstigeren Konditionen Geld leihen, bleibt das Überziehen des Girokontos in den Dispokredit weiterhin teuer, schreibt die "Finanztest" in ihrer Mai-Ausgabe. Auch nachdem die EZB den Leitzins stark abgesenkt hat, sind die Zinsen für den Dispositionskredit seit einem Jahr nahezu unverändert. Manche Banken erhöhten in diesem Zeitraum die Dispozinsen sogar: die Berliner Sparkasse beispielsweise hob den Zins von 13,5 Prozent auf 14,5 Prozent an. Herausgefunden hat "Finanztest" dies durch die Analyse der Zinssätze von rund 70 Kreditinstituten. Dabei blieb der durchschnittliche Zins von Juni 2008 bis April 2009 trotz der Zinsschritte der EZB stets über 12 Prozent.

Spareinlagen werden sicherer


Für Anleger ebenfalls spannend: Künftig werden Spareinlagen noch sicherer. Ab dem 1. Juli 2009 steigt die gesetzliche Mindestabdeckung nach Angaben der Bundesregierung von 20.000 auf 50.000 Euro. Ab 2011 sind sogar bis zu 100.000 Euro gesetzlich geschützt, wenn die Bank Kundeneinlagen nicht zurückzahlen kann. Zudem entfällt die Verlustbeteiligung der Anleger in Höhe von zehn Prozent. Bisher konnten Bankkunden, deren Institut nicht der Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB) angeschlossen ist, nämlich nur 90 Prozent ihrer Entschädigungsansprüche geltend machen. Darüber hinaus verkürzt sich die Auszahlungsfrist der Gelder von bisher drei Monaten auf künftig maximal 30 Arbeitstage.

Mindestsicherung gilt EU-weit

Mit der neuen Einlagensicherung wird eine europäische Regelung umgesetzt, denn die neue Mindestsicherung gilt EU-weit. Sie umfasst Kontoguthaben wie beispielsweise Giroeinlagen und Sparguthaben. Auch Kundenforderungen aus Wertpapiergeschäften wie Dividenden, Ausschüttungen und Verkaufserlöse sind durch die neue Einlagensicherung abgedeckt. In einigen Ländern geht die gesetzliche Einlagensicherung schon jetzt über den Beschluss der EU hinaus. So beträgt sie in Luxemburg 100.000 Euro, in den Niederlanden ist dieser Betrag bis zum Jahresende festgeschrieben. In Österreich sind Einlagen bis zum Jahresende in unbegrenzter Höhe und ab 2010 bis zu 100.000 Euro abgesichert. In Großbritannien sind es pro Person und Bank 50.000 britische Pfund und in Frankreich 70.000 Euro.

Kaupthing-Pleite dürfte sich nicht wiederholen

"Wir empfehlen dennoch, hier nicht mehr als die ursprünglich abgesicherten 20.000 Euro anzulegen", sagt Finanztest-Expertin Nicodemus. Denn weil die Anhebungen in der Finanzkrise erfolgt seien, hätten sich die Sicherungssysteme nicht auf die erhöhten Garantien vorbereiten können. "Dennoch ist das Verlustrisiko gering, denn so etwas wie die Kaupthing-Pleite in Island dürfte sich kaum wiederholen", sagt Nicodemus.

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Quelle: dapd , t-online.de

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