20.11.2007, 16:18 Uhr | Financial Times Deutschland
Halloren-Schokolade (Foto: dpa) Mitten auf dem Tisch, in einer schwarzen Schale, liegt die Kugel des Anstoßes. Feinste Sahnecreme mit aromatischer Kakaocreme, umhüllt von zarter Schokolade, eingepackt in Silberfolie: die original Halloren-Kugel. "Mit ihr hat irgendwie alles angefangen", sagt Wolfgang Niemeyer, Geschäftsführer der Halleschen Finanzdienstleistungs- gesellschaft, und greift zu.
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Vor drei Jahren wollte die Schokoladenfabrik Halloren expandieren. Doch von den Banken bekamen die Hallenser dafür so leicht keinen Kredit. Wie kommen wir an Geld, fragten sich die Verantwortlichen und schauten sich bei anderen Mittelständlern um, die alternative Quellen erschlossen hatten - zum Beispiel bei Zimbo. Der Wurstfabrikant hatte ein Jahr zuvor eine Anleihe platziert und erzählte gern, wie das geht. Bei Hallorens damaligem Mehrheitsgesellschafter Paul Morzynski schlich sich das Gefühl ein, "dass wir alles, was man dafür braucht, eigentlich schon im Haus haben". Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Rechtsanwälte.
Kleiner Aufwand, große Nachfrage
Also haben sie einen Emissionsprospekt erstellt, ihn an die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) geschickt und wenig später ihre eigene Anleihe ausgegeben. "Wir konnten das mit kleinstem Aufwand machen", sagt Morzynski. 10 Mio. Euro Fremdkapital spülte die Aktion in das Unternehmen, wegen der großen Nachfrage wurde die Anleihe auf 12 Mio. Euro aufgestockt.
Unruhige Zeiten für Halloren
Danach begannen für Klaus Lellé unruhige Zeiten. Ständig wollten Neugierige vom Vorstandsvorsitzenden des Süßwarenherstellers wissen, wie seine Firma das nun angestellt hat. Das brachte die Hallenser irgendwann auf eine Idee: Warum machen wir daraus kein Geschäft? So entstand 2005 die Halloren Finanzdienstleistungs-GmbH. Zu Beginn dieses Jahres wurde sie komplett ausgegliedert, firmiert unter dem Namen Hallesche Finanzdienstleistungsgesellschaft und berät weiterhin mittelständische Unternehmen bei der Kapitalbeschaffung.
Mittelständler bekommen nur schwer Kredite
Der Andrang ist groß, weil es für Mittelständler immer schwerer wird, größere Kredite bei der Bank zu bekommen. Aber Geschäftsführer Niemeyer schickt trotzdem neun von zehn potenziellen Kunden wieder weg. Denn "eine Anleihe eignet sich niemals für einen Sanierungszweck", sagt er.
Unternehmen wird genau durchleuchtet
Das Unternehmen muss gesund sein, eine realistische Wachstumsstrategie haben, mindestens 10 Mio. Euro umsetzen. Und ziemlich offen sein. "Wir zeigen das Unternehmen bis in die letzte Halskrause", sagt Niemeyer. Nicht jeder Mittelständler ist davon begeistert, wenn die Konkurrenz oder der Nachbar ganz genau nachlesen kann, wie das Geschäft so läuft.
Zeit muss man mitbringen
Es gibt keinen festen Betrag, den man bei der Kapitalbeschaffung auf diese Art auf jeden Fall anpeilen sollte. Aber je kleiner die Anleihe, desto teurer wird die Angelegenheit. "Der Papierkram ist der gleiche", sagt Niemeyer, "egal ob sie am Ende zwei oder zehn Millionen platzieren." Wer sich traut, muss Zeit mitbringen. Zwei bis drei Wochen dauert die erste Phase, in der eine Ertragsvorschau erstellt wird, die Bilanzen der vergangenen drei Jahre durchleuchtet werden und die Position im Markt überprüft wird, um einschätzen zu können, ob die Voraussetzungen für eine Anleihe gegeben sind. Die folgenden drei Monate werden genutzt, um ein Konzept für die Anleihe zu entwerfen. Es werden die Eckdaten festgelegt, also zum Beispiel die Laufzeit und die Verzinsung, der Gesellschafterbeschluss gefasst, der Prospekt gestaltet.
Gewisses Risiko bleibt
Wenn die BaFin ihre Zustimmung gegeben hat, müssen die Unternehmen etwa noch einmal zwölf Wochen für die Durchführung einrechnen. Das Unternehmen entscheidet, ob es die Anleihe selbst vertreibt oder beispielsweise über eine Bank. Durch Anzeigenkampagnen, Öffentlichkeitsarbeit oder eine Road-Show werden potenzielle Zeichner auf das Produkt aufmerksam gemacht. Dann geht es los. Ein gewisses Risiko bleibt, für die Firmen und für die Zeichner. Allzu oft dürfen die Hallenser nicht die falschen Kandidaten aussuchen. "Denn sonst", sagt Niemeyer, "müssen wir uns ganz schnell einen fantasievollen neuen Namen ausdenken."
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Quelle: Financial Times Deutschland
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