05.11.2009, 15:19 Uhr | dpa-AFX
Viele Mitarbeiter erscheinen trotz Krankheit am Arbeitsplatz. (Foto: Imago)
Von wegen blaumachen: Die Mehrheit der Deutschen schleppt sich auch gesundheitlich angeschlagen zur Arbeit. Zugleich sind die Fehlzeiten wegen Krankheit leicht gestiegen. Grund dafür sind oft langwierige psychische Erkrankungen. Zu dem Ergebnis kommt der Fehlzeiten-Report 2009 des wissenschaftlichen Instituts der AOK.
Mehr als 71 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland sind demnach binnen eines Jahres mindestens einmal krank zur Arbeit gegangen. Rund 30 Prozent erschienen sogar gegen den ausdrücklichen Rat ihres Arztes am Arbeitsplatz. Personalabbau, stärkerer Druck im Betrieb, die Wirtschaftskrise aber auch steigende Verantwortung in kleineren Teams sind laut dem Vize-Geschäftsführer des Instituts, Helmut Schröder, die Hauptgründe für diese Entwicklung.
Vor allem die Beschäftigten, die sich zum Job schleppen, obwohl ihr Arzt sie krankschreiben will, machen Schröder Sorgen. "Ein Arzt schreibt niemanden leichtfertig krank", sagte er gegenüber der Deutschen Presse-Agentur dpa. Wer trotz akutem Leiden arbeiten gehe, werde statistisch gesehen längerfristig häufiger krank und müsse früher in Rente. Doch nicht alle Krankheiten sind Schröder zufolge riskant. Erscheine man etwa mit verstauchtem Fuß im Büro, sei dies weniger problematisch. Rund 13 Prozent nahmen zur Genesung extra Urlaub.
Zentrale Motive für krank zur Arbeit gehende Beschäftigte sind der Studie zufolge bei rund 30 Prozent, dass andernfalls zuviel Arbeit liegen bleibt. Rund 20 Prozent gaben an, Angst vor dem Verlust ihres Arbeitsplatzes zu haben. Jeder Zehnte wollte Ärger mit Kollegen vermeiden. Repräsentativ befragt wurden von einem Umfragezentrum der Universität Duisburg/Essen rund 2000 gesetzlich versicherte Arbeitnehmer.
Spürbare Belastungen gibt es laut Studie für die Beschäftigten, wenn sie ihren Arbeitsplatz als unsicher empfinden. Dann sind der Studie zufolge 25,5 Prozent von "täglicher Traurigkeit" betroffen, aber nur 18,5 Prozent bei Menschen, die nicht um ihren Job fürchten.
Zugleich nahmen aber auch die krankheitsbedingten Fehlzeiten bei der AOK zu. Die 9,7 Millionen AOK-Versicherten waren im vorigen Jahr im Schnitt 17 Tage krankgeschrieben - nach 16,3 Tagen im Jahr davor. Die längsten Ausfallzeiten gingen mit im Schnitt 22,5 Tagen auf psychische Erkrankungen zurück. Die Zahl der Krankschreibungen wegen Depressionen, Alkoholismus und ähnlichen Krankheiten nahm seit 1995 um 80 Prozent zu. Mit 42,5 Prozent entfielen 2008 die meisten Krankschreibungen aber auf Atemwegserkrankungen, bei denen pro Fall im Schnitt aber nur 6,4 Tage anfallen.
dpa-AFX
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