25.06.2008, 09:25 Uhr | Financial Times Deutschland
Solar-Stadt Masdar (Computerbild: Foster and Partners) Vielleicht beginnt die globale Energiewende hier: im Container des TÜV Rheinland, im Nirgendwo der arabischen Wüste. Wie eine kleine Plastikgarage sieht Christian Bauerdicks Reich von außen aus, innen ist es vollgestopft mit Sensoren, Schaltschränken, Kabeln und Computern. Der junge TÜV-Techniker sitzt auf einem Campingstuhl, den MP3-Kopfhörer im Ohr, den Bildschirm im Blick. So hockt er seit Anfang Januar da, acht, neun, zehn Stunden, Tag für Tag. Bauerdick kontrolliert die Daten des kleinen Versuchsfelds nebenan. Dort hat die internationale Solar-Industrie ihre neuesten Prototypen aufgebaut: 39 Fotovoltaik-Module treten zum Vergleich an, alle namhaften Hersteller sind dabei. Denn wer sich durchsetzt, dem winkt der große Deal: die Solar-Stadt Masdar.
Fotoshow -Großprojekt Masdar
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Grüne Stadt aus der Retorte
Mehr als 100.000 Module sollen vor den Toren Abu Dhabis in den nächsten beiden Jahren aufgestellt werden, auf einer Fläche von 500 Fußballplätzen. Sie bilden das größte Solarfeld der Erde und speisen Masdar mit ihrer Energie: eine Stadt aus der Retorte, wie es sie noch nie gegeben hat. Eine grüne Stadt, die zur Blaupause für künftige Siedlungen werden und den Umgang des Menschen mit der Umwelt revolutionieren soll.
Ölmultis zahlen, WWF kontrolliert
Eine ökologische Stadt ohne Treibhausgas-Ausstoß, ohne Müllhalden, ohne Autos. Entworfen vom Architekten Sir Norman Foster, erbaut mit Unterstützung von BP, General Electric und dem Massachusetts Institute of Technology (MIT), überwacht vom World Wildlife Fund (WWF). Und Auftraggeber des Ganzen ist ausgerechnet einer der größten Ölproduzenten der Welt, Abu Dhabi.
Technologiezentrum für die Solar-Branche
"Wir wollen hier ein Silicon Valley für alternative Energien schaffen", sagt Sultan Ahmed al-Jaber, Initiator und Leiter des Projekts. "Die Branche ist über die ganze Welt verstreut. Abu Dhabi bietet den Firmen die Chance einer gemeinsamen Plattform für die Entwicklung neuer Technologien." Al-Jaber ist kein klassischer Ökoaktivist. Jahrelang arbeitete der Zwei-Meter-Mann für den staatlichen Ölkonzern Adnoc. Dann ging er zum Staatsfonds Mubadala, der sich an Technologiefirmen in aller Welt beteiligt. Nun managt er für Mubadala Masdar, zu Deutsch: "Quelle".
Es geht ums Geld
Die Motivation ist klar: Auch mit dieser Initiative will Mubadala vor allem Geld verdienen. Und außerdem das akute Energieproblem des Landes beheben - den Emiraten mangelt es derzeit an Strom. "Abu Dhabi hat große Kompetenz in Energiefragen und die nötigen finanziellen Ressourcen", sagt al-Jaber. "Wenn wir jetzt in alternative Energien investieren, werden wir in diesem Sektor Marktführer sein." Masdar soll in diesem Plan zugleich als Hightech-Zentrum und Musterstadt dienen.
Deutsches Großprojekt in Dubai -Von der Sonne gekühlt
Kühlung aus der Tiefe
Transparente Solarzellen überdecken in Fosters Modellen die Plätze und Straßen der Stadt, filtern Energie aus dem Licht der Wüstensonne. Beide Seiten der schmalen Gassen sind dicht bebaut mit flachen Häusern im altarabischen Stil, die sich gegenseitig Schatten spenden. Pumpen befördern die Kühle tiefer Erdschichten an die Oberfläche.
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Quelle: Financial Times Deutschland
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