26.04.2011, 09:35 Uhr | FTD, Sabine Meinert
Work-Life-Balance ist für weibliche Nachwuchskräfte besonders wichtig. (Foto: imago)
Der Mangel an Spezialisten bringt Unternehmenschefs dazu, stärker auf Eigengewächse zu setzen und Nachwuchskräfte zu ködern. Wer Frauen in seiner Belegschaft fördern will, sollte wissen, was ihnen wichtig ist.
Frauenquote hin, Gleichstellung her - weibliche Führungskräfte sind in den Chefetagen noch immer nicht so stark vertreten wie männliche Kollegen. Wer das angesichts des Fachkräftemangels ändern will, sollte Jobs offerieren, die genügend Work-Life-Balance und jede Menge Stabilität bieten. Das ist das Ergebnis einer Studie des Personaldienstleisters Universum, in der mehr als 20.000 Studierende nach Karrierezielen befragt wurden.
Viele Unternehmen erkennen zudem: Mehr Frauen an der Spitze zu installieren, ist nicht nur eine Notwendigkeit, um den veränderten Arbeitsmarktbedingungen Rechnung zu tragen. Auch wissenschaftliche Erkenntnisse treiben den Trend zu weiblichen Führungskräften voran. So attestierte unter anderem das Beratungsunternehmen McKinsey den Unternehmen, in denen mehr Frauen in Führungspositionen tätig sind als üblich, bessere Organisation und mehr Rentabilität. (Georges Desvaux, Sandrine Devillard-Hoellinger, Mary C. Meaney: A business case for women, McKinsey Quarterly, September 2008)
Recruting-Experten raten deshalb Jobs zu schaffen, die attraktiv für weibliche Nachwuchskräfte sind - oder zumindest solche, die weiblichen und männlichen Kandidaten gleichermaßen lukrativ erscheinen. Die Karriereziele weiblicher und männlicher Bewerber unterscheiden sich allerdings, vor allem in der Gewichtung einzelner Faktoren.
So ist Work-Life-Balance zwar beiden Geschlechtern wichtig. Frauen legen jedoch deutlich mehr Wert darauf. Fast 60 Prozent nennen das als Top-Priorität, bei den männlichen Studenten sind es nur 46 Prozent. Während er eine Führungsposition und Aufstiegschancen als oberste Kriterien für einen Job ansetzt, stehen diese Ziele auf ihrer Prioritätenliste weiter unten. Für Frauen zählt dagegen ein sicherer Job deutlich mehr als für männliche Kandidaten. Außerdem visieren weibliche Nachwuchskräfte stärker eine intellektuelle Herausforderung an als Männer, so die Umfrage. Eine internationale Laufbahn scheint dagegen beiden Geschlechtern wichtig. Auch bei Selbständigkeit als Karriereziel gibt es nur wenig Unterschiede.
Für Unternehmer ist es deswegen wichtig, ihr Marke stärker darauf auszurichten, sowohl bei Männern als auch bei Frauen punkten zu können. Denn die Wahrnehmung durch beiderlei Geschlechter wird künftig wichtiger. Dabei gilt, so die Universum-Spezialisten: Wer die geschlechterspezifischen Unterschiede nicht berücksichtigt und nicht auf Faktoren achtet, die Frauen wichtig sind, dem erwachsen Wettbewerbsnachteile.
Deutlich wird das zum Beispiel im Top-Arbeitgeber-Ranking, wenn es nach Geschlechtern aufgeschlüsselt wird. Während ein Job bei der Lufthansa oder Ikea unter Wirtschaftswissenschaftlerinnen als absolut erstrebenswert gilt (Rang 1 und 5), haben diese Arbeitgeber bei Männern weniger Image (Rang 7 und 49). Auch das Auswärtige Amt (7) kommt bei männlichen Studierenden deutlich schlechter weg (14). Ebenso ist ein Job bei ProSiebenSat.1 für Frauen deutlich attraktiver (10) als für Männer (43). Das gute Abschneiden von Kosmetik- oder Konsumgüterherstellern bei Frauen scheint indes interessenbedingt.
Unter Ingenieuren, IT-Spezialisten und Naturwissenschaftlern ist die Top-Position der beliebtesten Arbeitgeber bei Männern und Frauen jeweils klar vergeben - Audi, Google und die Max-Planck-Gesellschaft konnten geschlechterübergreifend punkten. Auf den Plätzen dahinter scheiden sich oft die Geister. Die Unternehmen mit starken Wertungsunterschieden müssen demnach an ihrer Attraktivität arbeiten, um für beide Geschlechter gleichermaßen interessant zu sein. Gut im Rennen liegen bei Frauen und Männern sowie über alle Studienfächer hinweg Autohersteller.
Welche Karrierziele sind für Sie besonders wichtig?
Ziele | Frauen | Männer |
ausgewogene Work-Life-Balance | 58 | 46 |
intellektuell herausgefordert sein | 44 | 37 |
sicherer und beständiger Job | 43 | 33 |
internationale Laufbahn | 29 | 24 |
unternehmerisch oder kreativ/innovativ sein | 24 | 27 |
Führungskraft mit leitender Funktion | 24 | 37 |
selbständig oder unabhängig sein | 18 | 21 |
für das Gemeinwohl arbeiten oder dem öffentlichen Wohl dienen | 14 | 12 |
technischer oder Fachexperte sein | 11 | 24 |
Quelle: Universum Student Survey Deutschland
Quelle: Financial Times Deutschland
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