21.02.2010, 16:27 Uhr | apn
Die Arbeitsbereitschaft unter Hartz-IV-Empfängern ist laut einer Studie höher als vielfach gedacht (Quelle: AP)Fast alle Hartz-IV-Empfänger bemühen sich einer Studie zufolge ernsthaft um Arbeit. Von den Langzeitarbeitslosen unter 56 Jahre stünden 90 Prozent für eine Beschäftigung zur Verfügung, berichtet die "Frankfurter Rundschau" unter Berufung auf eine noch unveröffentlichte Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).
"Das Problem ist nicht die Arbeitsmoral", fassen die Ökonomen demnach ihre Bilanz zusammen. Wie die Zeitung unter Bezug auf die DIW-Studie schreibt, haben die Hartz-Reformen, anders als von der Politik erhofft, nicht zu einer höheren Arbeitsbereitschaft geführt. Dies liege laut DIW daran, dass die Motivation schon vor der Reform "offenkundig kaum steigerungsfähig" gewesen sei. Dies gelte insbesondere für die neuen Bundesländer, wo noch weniger Erwerbslose auf einen Job verzichteten als im Westen.
Nur bei den Älteren sinkt die Bereitschaft zur Arbeitssuche dramatisch, offenbar weil sie keine berufliche Perspektive mehr für sich sehen. Von den 56-Jährigen und Älteren erklärten demnach 42 Prozent, keine Stelle mehr antreten zu wollen. Die Daten beruhten auf Auswertungen einer repräsentativen Wiederholungsbefragung von über 12.000 Privathaushalten.
Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe verkündet derweil am Dienstag (9. Februar) sein Urteil zu den Hartz-IV-Regelsätzen für Kinder. Die Karlsruher Richter wollen zugleich erstmals grundsätzlich Stellung beziehen zum sogenannten Grundrecht auf ein menschenwürdiges Existenzminimum. Damit könnte das Urteil sogar die größte Sozialreform in der deutschen Nachkriegsgeschichte kippen - und den hoch verschuldeten Staat weitere Milliarden kosten.
Der Paritätische Wohlfahrtsverband rechnet fest damit, dass sich das Bundesverfassungsgericht für höhere Hartz-IV-Sätze bei Kindern aussprechen wird. Er gehe davon aus, dass Karlsruhe die Bundesregierung auffordere, den Mindestbedarf von Kindern für ein menschenwürdiges Leben innerhalb einer bestimmten Frist und in einem transparenten Verfahren zu ermitteln, sagte Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider der "Rheinpfalz am Sonntag". Der Wirtschaftsweise Wolfgang Franz fordert dagegen eine Absenkung der Hartz-IV-Sätze um 30 Prozent - bei gleichzeitiger Umstellung der Zuschüsse für Kinder auf Sachleistungen.
Weil die Kinder-Sätze lediglich durch einen pauschalen Abschlag auf die Hartz-IV-Beträge für Erwachsene festgelegt wurden, halten das Bundessozialgericht in Kassel und das hessische Sozialgericht die Regeln für verfassungswidrig. Sie haben den Karlsruher Richtern die Klagen von drei Familien aus Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen vorgelegt. Der Hartz-IV-Regelsatz für Erwachsene liegt bei 359 Euro monatlich - anfangs waren es 345 Euro. Rund sieben Millionen Menschen beziehen derzeit die staatliche Unterstützung. Kinder erhalten - gestaffelt nach dem Alter - weniger: 215 Euro gibt es für Kinder unter 6 Jahren (60 Prozent des Regelsatzes), 251 Euro für Kinder unter 14 Jahren (70 Prozent). Diese Beträge erhalten insgesamt rund 1,7 Millionen Kinder in Deutschland.
Quelle: t-online.de , dapd
Dr.Ernsbach schrieb:
am 11. Februar 2010 um 21:16:28
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Joker
Sie gestatten, dass ich hier das letzte Wort übernehme? Ich muss Ihnen widersprechen.Die meissten Hartz4 Empfänger würden sich ohne
Druck durch den Arbeitsberater keine Arbeit suchen. Nicht umsonst müssen die Arbeitsberater ständig nachharken und Druck ausüben und Leute in die Zeitarbeit oder auf 1Euro schicken.Und Mario.Teilzeit zählt hier nicht, sondern nur Vollzeit.
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Joker schrieb:
am 11. Februar 2010 um 14:38:07
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keine Märchenstunde
sondern Realität, die meisten ALG II Empfänger suchen händeringend nach einer bezahlten Arbeit, schon alleine
wegen
der Rente.Natürlich gibt es auch Leute die nicht arbeiten wollen,aber die gab es immer schon. Wer das Gegenteil behauptet hat keine Ahnung.
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blinker schrieb:
am 10. Februar 2010 um 20:42:18
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Märchenstunde
Die Studie, daß die meisten Hartz-4 Empfänger gerne arbeiten wollen, entspringt möglicher Weise einer Märchenstunde.
Keiner der Befragten wird natürlich sagen, daß er bei den guten Hartz-4 Konditionen lieber arbeiten würde. Erzählen kann man viel, denken aber auch. Alles Pharisäer.
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