Dem Arbeitsmarkt drohen stürmische Zeiten (Foto: imago)Der deutscheArbeitsmarkt steht auf der Kippe: Bereits in den kommenden Monaten sei mit einem kräftigen Anstieg der Arbeitslosigkeit zu rechnen, so Volkswirte deutscher Großbanken in einer dpa-Umfrage. Demnach könnte bis zum Jahresende die Zahl der Erwerbslosen auf bis zu 3,7 Millionen steigen. Einer Umfrage der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) zufolge wollen viele Firmen zudem die Kurzarbeit zurückfahren, was auch Entlassungen bedeuten könnte.
Erste Schleifspuren habe die Wirtschaftskrise bereits im September am Arbeitsmarkt hinterlassen, betonten die Bankenvolkswirte in der dpa-Umfrage. So sei die Zahl der Jobsucher im September nur um rund 80.000 auf knapp 3,39 Millionen gesunken. Im Schnitt der vergangenen drei Jahre war die September-Arbeitslosigkeit um knapp 140.000 zurückgegangen. Damit deute sich bereits an, dass der Herbstaufschwung in diesem Jahr deutlich schwächer ausfallen werde als in den Vorjahren.
Lage auf dem Arbeitsmarkt verschärft sich
Auch die ersten konjunkturellen Lichtblicke können nach Ansicht der Bankenvolkswirte nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt verschärfen werde. "Wir haben zwar wieder ein ganz leichtes Wirtschaftswachstum, aber das reicht in den kommenden Monaten nicht für einen Arbeitsmarkt-Aufschwung aus", so Philipp Jäger von der genossenschaftlichen DZ-Bank. Ähnlich sieht das Stephan Bielmeier von der Deutschen Bank: "Viele Firmen sind derzeit unterausgelastet; sie werden um Anpassungen ihrer Belegschaften nicht herumkommen."
2010 über vier Millionen Arbeitslose
Noch weiter verschärfen werde sich die Lage im kommenden Jahr. "Im Februar und März 2010 könnte dann die Vier-Millionen-Marke überschritten werden", schätzt Allianz-Volkswirt Rolf Schneider. Für das Jahr 2010 rechnet er mit einer durchschnittlichen Arbeitslosigkeit von 3,9 Millionen, Jäger von der DZ-Bank sogar mit 4,1 Millionen Erwerbslosen. Trotzdem werde das Desaster, das manche noch vor einigen Monaten für 2010 auf dem Arbeitsmarkt erwartet hätten, wohl nicht eintreten, so Schneider.
Erste Konzerne fahren Kurzarbeit zurück
Nach Informationen der FAZ wollen einige Konzerne und Familienunternehmen die Kurzarbeit bis zum Jahresende zurückfahren. 38 Prozent wollten die Zahl ihrer Kurzarbeiter im vierten Quartal verringern, ergab eine Umfrage des Blatts bei 24 großen Industrieunternehmen. Mehr als die Hälfte gab hingegen an, den jetzigen Umfang der Kurzarbeit vorerst beibehalten zu wollen.
1,5 Millionen Männer und Frauen in Kurzarbeit
Opel und der Maschinenbauer Gea wollen das Instrument sogar verstärkt in Anspruch nehmen, während Ford und MTU ganz darauf verzichteten. Derzeit befinden sich bundesweit rund 1,5 Millionen Männer und Frauen in Kurzarbeit. Die große Unbekannte bleibt dabei, wie viele von ihnen möglicherweise in die Arbeitslosigkeit entlassen werden.
Sorge vor einer neuen Jobkrise
Auch bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) wächst die Sorge vor einer neuen Jobkrise. "Die derzeit verhaltene Nachfrage nach neuen Mitarbeitern wird sich weiter negativ auf die Beschäftigung auswirken", so die BA bei der Bekanntgabe ihres Beschäftigungsindexes BA-X. Der Wert, der die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen signalisiert, war im September zum ersten Mal seit 15 Monaten leicht gestiegen. Mit dem Wert von 123 lag er um einen Punkt über dem vom August. Vorher war er monatelang auf Talfahrt.