Die IG Metall ist die größte Einzelgewerkschaft weltweit. (Foto: imago)Die IG Metall will mit einer neuen Runde von Arbeitszeitverkürzungen auf die drohende Beschäftigungskrise in der Metall- und Elektroindustrie reagieren. "Wir müssen dafür sorgen, dass bei einer Stabilisierung der Konjunktur wieder mehr Beschäftigung entsteht", sagte ihr baden-württembergischer Bezirkschef Jörg Hofmann dem "Handelsblatt". Dazu müssten vor allem "die realen Arbeitszeiten künftig besser in Einklang mit den Bedürfnissen der Beschäftigten und den Tarifstandards bleiben." Bereits im September werde die Große Tarifkommission im Schlüsselbezirk Baden-Württemberg eine Strategiedebatte darüber starten, kündigte er an.
Hintergrund sind Sorgen, dass das Arbeitsvolumen in der Industrie infolge der Krise auf Jahre hinaus hinter dem bisherigen Niveau zurückbleiben könnte. Umso mehr müsse eine vorausschauende Arbeitszeitpolitik dafür sorgen, dass Produktivitätsfortschritt nicht zulasten von Arbeitsplätzen gehe, betonte Hofmann. Zwar setze er nicht vorrangig auf eine neue generelle Verkürzung der Wochenarbeitszeit, die im Westen bei 35 Stunden liegt. Vielmehr gehe es auch um Lebensarbeitszeiten und um Gestaltungsmöglichkeiten während des Arbeitslebens.
Geförderte Altersteilzeit für ältere Beschäftigte
Die Ankündigung kommt parallel zu einem Vorstoß von Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD), die geförderte Altersteilzeit über 2009 hinaus um fünf Jahre zu verlängern. Scholz wird heute auf einer beschäftigungspolitischen Konferenz der IG Metall Baden-Württemberg zu Gast sein. Die geförderte Altersteilzeit soll ermöglichen, dass ältere Beschäftigte kürzer arbeiten, um Arbeitsplätze für Ausbildungsabsolventen frei zu machen. Sie flankiert damit aus Sicht der Gewerkschaft ihre tarifpolitische Arbeitszeitstrategie.
Scholz fordert noch weitere Maßnahmen
Hofmann forderte im Vorfeld der Konferenz von Scholz jedoch weitere Maßnahmen, um die akute Krise abzufedern. Zum einen müsse nach dem konjunkturellen Kurzarbeitergeld nun dringend auch das Transfer-Kurzarbeitergeld auf 24 Monate verlängert werden. Fachkräfte zu qualifizieren sei weit sinnvoller, als ihre Qualifikation durch Arbeitslosigkeit zu entwerten, betonte er. Gleichzeitig müsse aber auch die Bezugsdauer des Arbeitslosengelds I dringend verlängert werden, damit nicht "in kürzester Zeit reihenweise langjährig beschäftigte Arbeitnehmer in Hartz IV rutschen", mahnte der IG-Metall-Bezirkschef.