Krankenstand bleibt auch im laufenden Jahr niedrig
12.10.2009, 08:33 Uhr | bab mit Material von dpa, AFP, AP
Aus Angst vor dem Verlust der Arbeit schleppen sich viele krank zur Arbeit (Quelle: imago)Die Krankenstände in den deutschen Betrieben bleiben weiterhin niedrig. In den ersten neun Monaten dieses Jahres haben sie nach einem Zeitungsbericht den drittniedrigsten Stand seit Einführung der Statistik 1970 erreicht. Laut neuen Statistiken des Bundesgesundheitsministeriums, die der Zeitung "Die Welt" vorliegen, fehlten die Arbeitnehmer zwischen Januar und September 2009 durchschnittlich 3,25 Prozent der Soll-Arbeitszeit (Vorjahr: 3,32 Prozent). Dies entspreche 7,2 Arbeitstagen, schreibt das Blatt.
Die Unternehmen profitierten von dieser Entwicklung, müssten im Jahr aber immer noch rund 30 Milliarden Euro für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ausgeben, schreibt die Zeitung. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) fordert daher von der Bundesregierung, die Lohnfortzahlung in den ersten Tagen der Krankheit einzuschränken.
Höchster Krankenstand im April
Am häufigsten waren die Arbeitnehmer laut Statistik im April mit 3,94 Prozent der Soll-Arbeitszeit wegen Krankheit abwesend, am wenigsten im Januar mit 2,72 Prozent. Frauen fehlten mit 3,42 Prozent der Soll-Arbeitszeit häufiger als Männer (3,1 Prozent). Die Statistik des Ministeriums erfasst die Krankenstände aller gesetzlich versicherten Arbeitnehmer. Arbeitsmarktexperten machen vor allem die wachsende Angst vor Jobverlust in wirtschaftlich unsicheren Zeiten für die sinkenden Krankenstände in den ersten drei Quartalen verantwortlich.
Krank zur Arbeit
Bestätigt werden die Experten immer wieder durch Umfragen. Zuletzt durch eine Erhebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) aus dem Juni dieses Jahres, nach der acht von zehn Beschäftigten in Deutschland auch krank zur Arbeit gehen. Demnach sagten 78 Prozent der Befragten, dass sie innerhalb von zwölf Monaten mindestens einmal im Job erschienen sind, obwohl sie erkrankt waren. Jeder Zweite ist nach eigenen Angaben sogar mehrmals zur Arbeit gekommen, obwohl er sich "richtig krank" fühlte. Als Hauptbeweggrund für ihr Verhalten gaben die Arbeitnehmer Angst vor dem Jobverlust an.