Experte: mehr Schwarzarbeit durch Kurzarbeit (Foto: imago)Schwarzarbeit hat in der Wirtschaftskrise offenbar deutlich zugenommen. Das geht laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) aus Berechnungen des Volkswirtschaftsprofessor Friedrich Schneider hervor. "In der Rezession boomt die Schwarzarbeit wie lange nicht", sagte der Forscher der Linzer Universität. Schneider, der sich seit mehr als 20 Jahren mit dem Phänomen der Schattenwirtschaft beschäftigt, begründet dies vor allem mit den Einnahmeverlusten der Menschen in der Wirtschaftskrise.
"Die Arbeitslosigkeit steigt, die Kurzarbeit hat extrem zugenommen, die Überstunden gehen zurück. Diese Verdienstverluste versuchen die Leute auszugleichen, indem sie illegal nebenbei Geld verdienen", so Schneider. Außerdem hätten Menschen, die von den Unternehmen überhaupt nicht mehr oder weniger eingesetzt werden, auch mehr Zeit, an Steuer und Sozialversicherung vorbei zu arbeiten. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren im September gut eine Million Menschen als Kurzarbeiter registriert.
Volumen von bis zu 365 Milliarden Euro
Schneider schätzt, dass das Volumen der Schattenwirtschaft in Deutschland in diesem Jahr um mindestens 15 Milliarden Euro auf bis zu 365 Milliarden Euro gestiegen ist. Für 2008 hat der Professor, der seine Zahlen durch Umfragen und an Hand der Veränderungen der Geldmenge ermittelt, 347 Milliarden Euro veranschlagt. Dabei geht es nicht nur um Schwarzarbeit, dessen Volumen Schneider 2008 mit knapp 160 Milliarden Euro beziffert.
Zur Schattenwirtschaft gehört auch das Beschaffen von Material ohne Rechnung (mehr als 80 Milliarden Euro) und die sogenannte Untergrundwirtschaft (105 Milliarden Euro). Zur Untergrundwirtschaft zählt der Ökonom Betrug, Schmuggel, Menschen- und Drogenhandel, verbotene Glücksspiele und Hehlerei.
Größter Teil des Geldes fließt in Konsum
Schneider gewinnt der Schwarzarbeit auch positive Aspekte ab. Zwar verlören der Staat und die Sozialkassen dadurch jährlich etwa zehn Milliarden Euro. Der größte Batzen des unversteuert erwirtschafteten Geldes fließe aber wieder in den Konsum und dämpfe so den Abschwung.