06.09.2010, 10:43 Uhr | FTD, Sabine Meinert
Teamfähigkeit wird von vielen Personalern erwartet. (Foto: Imago)
In Stellenanzeigen wird sie stets eingefordert, im Unternehmensalltag ständig angemahnt - die Teamfähigkeit. Doch, wie Beratungsexperten jetzt herausfanden, sagen viele Beschäftigte ganz klar: Ich hasse Teams!
Wenn Führungskräfte mit der Integration von Angestellten ins Team nicht wirklich zurande kommen, dann liegt das nicht unbedingt an mangelnden Soft Skills. Viel eher ist der Grund darin zu suchen: Teamarbeit ist in Deutschland unbeliebt. Zu diesem Ergebnis kommen zumindest die Hamburger Unternehmensberater Svenja Hofert und Thorsten Visbal in ihrer jüngsten Studie, für die sie Interviews mit Berufstätigen aller Branchen aus ganz Deutschland führten.
Basierend auf früheren Beobachtungen wollten die Karriere- und Organisationsberater herausfinden, wie stark die Abneigung gegen die Kollegen und die Abkehr vom Gruppenzwang ist. Dazu ließen sie die Teilnehmer Bewertungen zu verschiedenen Aspekten des Teamverhaltens im Arbeitsleben abgeben - von 0 (Einzelkämpfer) bis 10 (Teamliebhaber).
Erstaunliches Ergebnis: Knapp die Hälfte der Befragten gab an, alleine effizienter zu arbeiten als im Team (Durchschnittswert 5,4). Am positivsten bewerteten Angestellte ohne Personalverantwortung die Teamarbeit (5,8). Sie sehen vor allem den Zuwachs an Kreativität als Vorteil, ebenso die Ideenvielfalt und die Möglichkeiten, Gedanken hin- und herzuspielen oder Lösungen überprüfen zu können. Doch obwohl die Angestellten ohne Führungsaufgabe gern mit Kollegen arbeiten, stoßen sie sich an "Nebenwirkungen", wie Geräuschkulisse, unproduktiven Phasen oder Zeitaufwand für Kontaktpflege.
Jeder Dritte ist extrem genervt durch ineffizientes Arbeiten - so zum Beispiel die ineffiziente Umsetzung eines Projekts oder schlechte Kommunikation. An unproduktive Meetings sind die meisten inzwischen wohl schon gewöhnt, denn nur sieben Prozent sehen darin ein weiteres Team-Hemmnis. Als größte Hindernisse für erfolgreiche Teamarbeit sehen die meisten mangelndes Verantwortungsbewusstsein und versteckte Eigeninteressen. Die Teilnehmer nannten hier vor allem Egospiele, das Festhalten an Meinungen, Profilierungssucht und fehlende Kompromissbereitschaft.
"Das Ergebnis zeigt, dass Teamarbeit in der Praxis meist nicht funktioniert", sagt Svenja Hofert. "Schuld daran hat auch die in Deutschland vorherrschende Überzeugung, dass Teamarbeiter zwar in den Stelleninseraten gesucht würden, in Wahrheit aber Einzelkämpfer Karriere machten." Die Ursache dafür liegt laut Hofert darin, dass immer noch vor allem die Leistung des Einzelnen bewertet würde, nicht die des Teams. "Hier muss vor allem eine Veränderung in den Köpfen stattfinden", so Thorsten Visbal. "Ein wichtiger Schritt in Richtung mehr Teamzufriedenheit liegt darin, dass Kollegen die Kompetenzen der anderen Teammitglieder erkennen und schätzen lernen."
Die Herausforderung bestehe daher darin, den Nutzen von Teamarbeit aufzuzeigen. Denn obwohl viele die Zusammenarbeit mit Kollegen zu vermeiden suchten, sei für jeden Dritten die Erinnerung an einen besonderen Erfolg mit einem positiven Erlebnis im Team verknüpft. Wenn Führungskräfte also die Zusammenarbeit im Team verbessern wollen, sollten sie an solche Ereignisse öfter erinnern, so die Autoren der Studie. Außerdem raten sie dazu, die Wertschätzung im Team zu fördern. Ein respektvoller und vertrauensvoller Umgang miteinander helfe mehr als manches angeordnete Projekt. Genauso wichtig seien Ehrlichkeit und Anerkennung, ein Miteinander auf Augenhöhe.
Wie das genau aussehen kann, ist - abhängig von Unternehmen und Team sehr unterschiedlich. Die Top 5 der Studienteilnehmer:
Was sind Ihre Geheimrezepte für erfolgreiche Arbeit im Team? | |
Akzeptanz, Vertrauen und Anerkennung | 14 Prozent |
regelmäßiger Austausch | 14 Prozent |
wertschätzende Kommunikation | 9 Prozent |
Auftragsklärung (Rollen, Aufgaben und Ressourcen) | 9 Prozent |
Kenntnis von Stärken und deren optimale Nutzung | 7 Prozent |
Wo jedoch weiterhin auf Egoismus und Machtspielchen gesetzt wird, wo die Faulheit und Bequemlichkeit Einzelner überwiegt, ist den Studienergebnissen zufolge kein Teamerfolg zu ernten. Und selbst, wenn in der nächsten Stellenanzeige erneut ein guter Teamarbeiter gesucht wird, sobald er den Egoismus und die Machtbedürfnisse der anderen spürt, sobald er merkt, dass nur einzelne Verantwortung übernehmen, wird auch er sich aus dem "Team" zurückziehen und seinen eigenen Weg verfolgen, zeigt die Erfahrung der beiden Unternehmensberater.
Für alle, die nicht sicher sind, ob ihnen die Teamfähigkeit in der täglichen Routine vielleicht abhanden gekommen ist, haben Hofert und Visbal einen Fragebogen zum Thema entworfen. Eine "Teamhasser-Kurve" zeigt, ob die Temperatur beim Gedanken an die lieben Kollegen bereits auf Einzelkämpfer-Level steigt oder sich nur leicht erhöht auf der Stufe "frustrierter Teamplayer" zeigt.
Für die nichtrepräsentative Studie befragten die Autoren Svenja Hofert und Thorsten Visbal im Frühjahr 104 Berufstätige unterschiedlicher hierarchischer Ebenen und Berufsgruppen. Mehr Informationen: www.ichhasseteams.de
Quelle: Financial Times Deutschland
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