07.04.2010, 12:38 Uhr | Tobias Schormann, dpa / t-online.de/business
Aufgaben auch mal abgeben: Das lässt sich lernen. (Foto: Imago)
Wer im Job immer alles selbst erledigen will, stößt schnell an seine Grenzen - und macht zwangsläufig irgendwann Fehler. Arbeit auch einmal den Kollegen zu überlassen hingegen entlastet. Das ist aber für viele leichter gesagt als getan. Was kann man ganz unbesorgt aus der Hand geben? Und wann ist es unbedingt notwendig, eine Aufgabe persönlich zu übernehmen? Die folgenden Experten-Tipps helfen dabei, richtig zu delegieren.
"Ein typischer Denkfehler ist der Gedanke: Wenn ich's nicht selbst mache, ist es nicht gemacht", erläutert Organisationsberaterin Siglinde Sonnenholzer aus München. Damit täten sich Beschäftigte aber keinen Gefallen. "Man halst sich auf diese Weise ständig zu viel auf", warnt die Expertin. Außerdem bleibe Wichtiges schnell liegen, wenn Mitarbeiter sich in Details verlieren, die sie ebenso gut von anderen erledigen lassen könnten.
Oft stecke übertriebener Perfektionismus dahinter, wenn Führungskräfte lieber alles selbst in die Hand nehmen, als Aufgaben an Mitarbeiter zu übertragen. Effektiver sei es aber, bisweilen Abstriche von den eigenen Ansprüchen zu machen. "Man muss auch mal mit 80 Prozent zufrieden sein. Denn oft ist es so, dass man für die restlichen 20 Prozent unverhältnismäßig lange braucht, um eine Aufgabe 100-prozentig zu erfüllen", betont Sonnenholzer.
Delegieren lohnt sich aber nicht immer: Eine komplizierte Aufgabe, die einmalig anfällt, übernehmen Mitarbeiter laut Sonnenholzer besser selber. In dem Fall könne es möglicherweise längern dauern, einen anderen einzuweisen, als die Arbeit eigenhändig zu erledigen. Auch wenn sich ein wichtiger Kunde beschwert, sei das Sache des Chefs oder Projektleiters. "Das kann ich nicht abschieben, das muss ich selbst machen", meint die Beraterin.
Auch bei wichtigen und anspruchsvollen Aufgaben können Beschäftigte Sonnenholzer zufolge aber versuchen, Teile an Kollegen abzugeben. Müssten sie zum Beispiel ein Vertriebsangebot erstellen, vergeudeten sie ihre Zeit, wenn sie alle nötigen Detailinformationen selbst ermitteln. "Ich kann die Assistentin dann zum Beispiel Preise für Dienstleistungen einholen lassen, die für das Angebot benötigt werden", rät Sonnenholzer. Eine weitere Möglichkeit sei, die Buchhaltung mit der Kostenrecherche bei ähnlichen Aufträgen zu beauftragen.
Wer sich dagegen um all diese Dinge eigenständig kümmert, erledigt die Aufgabe vielleicht perfekt. Unterm Strich liefert er jedoch nicht immer gute Arbeit ab. Er verliert nämlich andere Aufgaben schnell aus dem Blick. "Am Ende bleibt dann die wichtige Kundenbeschwerde unerledigt. Und dann verliere ich womöglich einen Kunden, den ich mit einer sofortigen Reaktion gehalten hätte", gibt Sonnenholzer zu bedenken.
Tobias Schormann, dpa / t-online.de/business
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