22.02.2010, 16:32 Uhr | lgs
Madeleine Schickedanz ist die Tochter der Quelle-Gründer (Foto: dpa)Die Eigner der Karstadt-Mutter Arcandor wollen sich einem Zeitungsbericht zufolge stärker an einer Rettung des angeschlagenen Konzerns beteiligen. Denkbar sei, dass die Familien Oppenheim und Schickedanz ihre Aktienpakete als Sicherheit für einen benötigten Kredit von 650 Millionen Euro bereitstellten, berichtete die "FAZ" unter Berufung auf gut unterrichtete Kreise. Die beiden Familien besitzen jeweils rund 30 Prozent der Arcandor-Anteile. Derzeit verhandelt Arcandor-Aufsichtsratschef Friedrich Carl Janssen dem Bericht zufolge mit Koalitions-Politikern in Berlin aber noch über verschiedene Wege für ein Engagement der beiden Eigner-Familien.
Wenige Tage vor dem Auslaufen eines lebenswichtigen Kredits schießen aber auch die kleineren der Kredit gebenden Konsortialbanken quer. Die Banken hätten klar gemacht, dass sie nicht bereit seien, den auslaufenden Kredit über insgesamt 650 Millionen Euro zu verlängern oder neue Darlehen zu gewähren, erfuhr die Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX aus Finanzkreisen. Auf die betroffenen Banken entfalle ein Rahmen von rund 100 Millionen Euro. Ein Arcandor-Sprecher sagte auf Anfrage: "Wir sind mit den kleineren Banken weiter im Gespräch."
Federführend hinter dem Protest soll die DZ Bank sein, die mit 40 Millionen Euro gerade steht. Auf Anfrage gab die Bank keinen Kommentar ab. Aber auch Société Générale, Credit Suisse und HSBC wollten den Geldhahn zudrehen, hieß es aus Finanzkreisen. Mit dem Querschießen der Banken steht den Kreisen zufolge auch die Gesamtfinanzierung auf der Kippe. "Der Konsortialvertrag sieht vor, dass alle an einem Strang ziehen", sagte die mit den Verhandlungen vertraute Person. Keine der anderen Banken wolle so einfach für die Abweichler einzuspringen. Federführend im Kreditkonsortium sind Commerzbank, BayernLB und Royal Bank of Scotland.
Der Arcandor-Kredit läuft am 12. Juni aus. Derzeit bemüht sich der Konzern um Staatsbürgschaften in Höhe des Darlehens und will zudem von den Eigentümern, Vermietern und Lieferanten Zugeständnisse. Allein für dieses Jahr braucht Arcandor 960 Millionen Euro. Soll die Sanierung des Konzerns gelingen, werden in den kommenden fünf Jahren weitere 900 Millionen Euro fällig. Den Kreisen zufolge glaubten einige der Gläubigerbanken nicht daran, dass die Arcandor-Insolvenz noch abzuwenden ist und versuchten nun für sich noch zu retten, was zu retten sei. "Die wollen einfach nur raus", hieß es.
Indes hat die EU-Kommission Staatshilfen für Arcandor eine Absage erteilt. Die Bundesregierung zeigte sich darüber wenig überrascht. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm in Berlin, bereits im Vorfeld habe es Zweifel gegeben, dass das wichtige Kriterium, wonach ein Unternehmen vor der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise grundsätzlich gesund gewesen sein müsse, im Fall von Arcandor erfüllt sei. Nicht nur die EU-Kommission habe hier Probleme gesehen, sondern auch Wirtschaftsprüfer und die Bundesländer. Die Bundesregierung nehme das Kriterium, wonach ein Unternehmen vor dem 1. Juli 2008 gesund dagestanden haben müsse, sehr ernst. Wilhelm ließ offen, wie die Bundesregierung am Ende zu Arcandor entscheiden werde.
Unterdessen hat Kaufhof das Angebot bekräftigt, mit dem angeschlagenen Konkurrenten Karstadt zu einer Deutschen Warenhaus AG zu fusionieren. "Wir haben eine privatwirtschaftliche Lösung angeboten, dazu stehen wir", sagte Kaufhof-Vorstandschef Lovro Mandac im ZDF-Morgenmagazin. "Wir sind jederzeit zu Gesprächen bereit." Er forderte die Karstadt-Führung auf, zum Telefonhörer zu greifen. Zur Debatte über Staatshilfen sagte Mandac, man solle zunächst andere Lösungen suchen. Bei Karstadt und seinem Mutterkonzern Arcandor sei die Voraussetzung für staatliche Hilfe nicht gegeben, weil die Schieflage bereits vor der Finanzkrise begonnen habe. Warnungen vor massivem Arbeitsplatzverlust bei Karstadt im Falle einer Übernahme durch Kaufhof bezeichnete er als Panikmache.
Quelle: dpa , t-online.de , dapd , AFP
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