22.02.2010, 16:32 Uhr | mfu
Arcandor-Konzernchef Karl-Gerhard Eick (Quelle: dpa)Der Konkurrent Metro ist für die insolvente Karstadt-Mutter Arcandor nicht der einzige mögliche Partner für eine Warenhaus AG. Arcandor-Konzernchef Karl-Gerhard Eick will auch mit anderen Interessenten über die Zukunft von Karstadt verhandeln. Neben Kaufhof und Metro bekräftigen auch andere Unternehmen ihr Interesse an Konzernteilen. Bei der Otto-Gruppe geht es um die Spezialversender und die Karstadt-Sporthäuser, die mit der Tochter Sport-Scheck verschmolzen werden könnten. REWE zeigt Interesse an Thomas Cook.
"Wir werden die Gespräche nicht nur mit der Metro suchen, und wir werden dann die Lösung finden, die für die Mitarbeiter und das Unternehmen die interessanteste ist", sagte Eick am Donnerstag bei der Aufzeichnung der ZDF-Sendung "Johannes B. Kerner" in Hamburg. Damit könnte er für die Karstadt-Häuser einen besseren Preis erzielen. Arcandor-Sprecher Gerd Koslowski erteilte aber schnellen Gesprächen eine Absage. Im laufenden Insolvenzverfahren werde sich zunächst der vorläufige Insolvenzverwalter ein Bild machen. Nach Koslowskis Angaben will Arcandor auch nicht die Mehrheit an Karstadt abgeben, wie Medien berichtet hatten.
Für den Fall eines Zusammengehens von Karstadt mit der zur Metro gehörenden Kaufhauskette Kaufhof würde das Bundeskartellamt diese Fusion genau unter die Lupe nehmen, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Kartellamtspräsident Bernhard Heitzer sagte der Zeitung, ein solcher Fall würde sehr genau geprüft. Das Ergebnis ist noch völlig offen. Das "Handelsblatt" schreibt, für die Prüfung einer Karstadt-Kaufhof-Fusion würden die Kartellbehörden Monate brauchen. Auch die Brüsseler EU-Kommission müsse sich mit dem Fall befassen, da es um ein Umsatzvolumen von mehr als fünf Milliarden Euro gehe.
Arcandor hatte diese Woche nach dem gescheiterten Antrag auf Staatshilfe einen Insolvenzantrag für die Arcandor AG sowie die Töchter Karstadt Warenhaus, Primondo und Quelle gestellt. Insgesamt müssen 43.000 Beschäftigte um ihre Arbeit bangen. Lediglich die an der Börse in London notierte Touristiktochter Thomas Cook und einige Spezialversender wie Baby-Walz oder hess natur sind von der Insolvenz ausgenommen.
Vom Staat könnte aber doch noch Hilfe kommen. Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hält es für möglich, dass auch im laufenden Insolvenzverfahren erneut über Staatshilfen verhandelt wird. "Es ist nicht ausgeschlossen, dass auch im weiteren Verfahren noch der Ruf nach Staatshilfe kommt. Das wäre nicht außergewöhnlich und war bei anderen größeren Insolvenzen schon der Fall", sagte zu Guttenberg dem "Handelsblatt". Deshalb bleibe die Regierung in engem Kontakt mit allen Verantwortlichen, "mit dem nötigen Fingerspitzengefühl und ohne pauschale Heilsversprechen", sagte er.
Quelle: t-online.de , dpa
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