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Armutsrisiko in Deutschland steigt laut DIW-Studie dramatisch

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Armutsrisiko in Deutschland steigt dramatisch

19.02.2010, 19:42 Uhr | t-online.de

Jugendlicher in einer Schlafstelle für obdachlose Jugendliche (Foto: ddp)

Immer mehr Deutsche leben in Armut. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Danach lebten 2008 hierzulande rund 14 Prozent der Bevölkerung unter der Armutsschwelle. Das sind rund ein Drittel mehr als noch vor zehn Jahren. Dabei sind Kinder und junge Erwachsene besonders betroffen.

EU legt Armuts-Kriterien fest

Als armutsgefährdet gilt dabei laut DIW wer weniger als 60 Prozent des mittleren Haushaltsnetto-Einkommens seines Landes zur Verfügung hat. So hat es die Europäische Kommission festgelegt, die 2010 auch zum Europäischen Jahr gegen Armut und soziale Ausgrenzung ausgerufen hat.

Armut beginnt für Singles bei 925 Euro Netto

Die Armutsschwelle lag damit für einen Single-Haushalt 2008 bei 925 Euro. Ein Haushalt mit zwei Erwachsenen und zwei Kinder sollte nach den Zahlen des DIW über ein höheres Einkommen als 1943 Euro verfügen, um nicht unter die Armutsschwelle zu rutschen. In das statistische Einkommen fließen vor Abzug von Steuern und Sozialabgaben Einkünfte aus gewerblicher Arbeit und Sozialtransfers wie das Kindergeld ein.

Einstieg über schlechtbezahlte Jobs ins Berufsleben

Insgesamt sind in Deutschland derzeit 11,5 Millionen Menschen armutsgefährdet. Unter den 19- bis 25-Jährigen lebte 2008 knapp ein Viertel unterhalb der Armutsschwelle, so die Studie. Die Forscher machen für diese Entwicklung drei Gründe aus: So hätten die Dauer der Ausbildung sowie der Anteil der Hochschulabsolventen zugenommen – was den Einstieg ins Berufsleben verzögert. Zudem würden viele Berufsanfänger über schlecht bezahlte Praktika und prekäre Arbeitsverhältnisse ins Arbeitsleben einsteigen, und es gebe den Trend, das Elternhaus früher zu verlassen.

Armutsrisiko steigt mit Kinderzahl

"Insbesondere Familienhaushalte mit mehr als zwei Kindern sind stärker von Armut betroffen", sagt Joachim Frick, Co-Autor der Studie. Für Familien mit drei Kindern liegt das Risiko bereits bei knapp 22 Prozent, bei vier und mehr Kindern erreicht es 36 Prozent. "Gegenüber 1998 ist das Armutsrisiko kinderreicher Haushalte beträchtlich gestiegen", so Frick, "und das, obwohl der Ausbau der Kinderbetreuungsplätze und das Elterngeld diese Entwicklung bereits entlastet haben." Mit über 40 Prozent weisen Alleinerziehende mit minderjährigen Kindern ebenfalls weit überdurchschnittliche Armutsraten auf.

Altersarmut kein großes Problem

Relativ gut stellen sich dagegen die aktuell 46- bis 55-Jährigen. "Diese Gruppe hat die Bildungskarriere in der Regel abgeschlossen und ist überwiegend berufstätig", so Joachim Frick. Personen am Ende ihres Berufslebens oder zu Beginn des Ruhestands weisen ebenfalls ein unterdurchschnittliches Armutsrisiko auf. Erst nach dem 75. Lebensjahr steigt das Armutsrisiko wieder auf das Durchschnittsniveau, was die Forscher unter anderem auf den höheren Anteil von Witwen mit geringeren Alterseinkünften zurückführen. "Für Ältere, die in einer Partnerschaft leben, stellt Armut derzeit aber kein großes Problem dar."

Forscher kritisieren Hilfen nach Gießkannenprinzip

Die Autoren machen in ihrer Studie auch Vorschläge, wie das Armutsrisiko zu verringern sei. Dabei nehmen die Forscher auch zu aktuellen Debatte um Hartz IV Stellung: Eine Anhebung der Hartz-IV-Sätze kann zwar den akuten Einkommensbedarf der Betroffenen decken, trifft aber nach Auffassung der Wissenschaftler nicht den Kern des Problems. Das gelte auch für die jüngste Anhebung des Kindergelds nach dem Gießkannenprinzip. "Hier mangelt es an Zielgenauigkeit", so Grabka.

Mehr Investitionen in Betreuungseinrichtungen

Vielmehr empfehlen die Autoren einen auf die Zielgruppe zugeschnittenen Mix aus finanzieller und nicht-finanzieller Unterstützung. Dazu zählen auch Investitionen in Betreuungseinrichtungen und die Verbesserung der Erwerbschancen für Alleinerziehende und Eltern junger Kinder.

Briten konnten Kinderarmut reduzieren

Der DIW verweist auf das Beispiel Großbritannien, wo in den letzten zehn Jahren der Anteil der von Armut betroffenen Kindern reduziert werden konnte. Das erreichten die Briten durch Mindestlöhne, negative Einkommensteuer, reduzierten Sozialversicherungsbeiträgen für Niedrigeinkommensbezieher sowie direkter Einkommenstransfers an die Kinder.





Quelle: t-online.de

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Kommentare (144)

zum Forum

Thema: "Armutsrisiko in Deutschland steigt laut DIW-Studie dramatisch "

Philosoph schrieb: am 26. Februar 2010 um 13:47:26
(0) (0) der geölte
Nun, in der Zwischenzeit seit Erscheinen dieses Artikels hat sich ja nun viel verändert und ich denke, dieser uhidi hat Unrecht
und Guido W. wird auch in NRW die Fahne schwingen können. Es hat sich ja herausgestellt, das der Arbeitnehmer , als H4- Kritiker, Recht hatte in vielen Fällen. Da gibt es kein Drumrumreden. WW hat schon Recht, da merken jetzt immer mehr der Politiker. Ich finde schon den Mut von WW klasse, sich als einziger doch damit öffentlich auseinanderzusetzen.
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Der Geölte schrieb: am 22. Februar 2010 um 19:12:02
(0) (0) @uhidi
Das ist es gerade. Was im Grundfessetz steht, gehört geändert. Es ist doch auch kein Geld da für so viele Arbeitslose abgesehen
davon, dass der Arbeiter für die mitbuckeln muss. Sie werden es erleben, wie gut die FDP abschneiden wird und wie die Arbeiter die Idee der FDP begrüssen werden.
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uhidi schrieb: am 21. Februar 2010 um 23:18:58
(0) (0) der geölte
sie sollten wissen,das im grundgesetz steht,das die brd ein sozialstaat ist,da kann gerade westerwelle nichts daran
ändern,kürzungen sind also,wenn überhaupt nur begrenzt möglich. westerwelle macht diese hetzerei auch nur um noch hier und da noch eine wählerstimme zu bekommen und seine unpopoläre umfragewerte zu überdecken.gelogen hat er vor der wahl genug aber es ist ja bald nrw -wahl. gut für ihn ?,wäre fatal.
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