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Armutsrisiko steigt trotz Arbeit
22.08.2009, 17:14 Uhr | oca
Armutsrisiko für Arbeitnehmer deutlich gestiegen (Foto: imago)Immer mehr Beschäftigte in Deutschland sind trotz ihres Jobs von Armut bedroht. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren im vergangenen Jahr 6,2 Prozent der Erwerbstätigen armutsgefährdet, 1998 waren es noch 4,6 Prozent. Vor allen Dingen sind die Menschen im Osten gefährdet. Das Risiko, trotz Job in die Armut abzurutschen, ist im Osten fast doppelt so hoch wie im Westen Deutschlands. Als einkommensarm und damit armutsgefährdet gelten Personen, deren Pro-Kopf-Einkommen weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens der Gesamtbevölkerung in Deutschland beträgt, also 781 Euro netto, so das Bundesministerium für Arbeit und Soziales.
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Immer mehr Teilzeit- und Leiharbeit
Der Grund: Immer mehr Menschen haben einen Teilzeitjob, arbeiten in Zeitarbeit, als Minijobber oder sind nur befristet beschäftigt. Sie verdienen meist deutlich weniger als Normalbeschäftigte und haben ein höheres Armutsrisiko. Dies gilt auch für einige Selbstständige.
Armutsrisiko extrem gestiegen
Den Angaben zufolge ist der Anteil derjenigen mit Teilzeitjob, Zeitarbeit, geringfügig oder befristeter Beschäftigung seit 1998 um sechs Prozentpunkte auf 22,2 Prozent im vergangenen Jahr gestiegen. Von ihnen waren 14,3 Prozent von Armut bedroht, bei Selbstständigen ohne Mitarbeiter waren es 10,4 Prozent. Bei Normalbeschäftigten liege die Quote seit 1998 dagegen weitgehend unverändert bei 3,2 Prozent. Besonders groß war das Risiko in die Armut abzurutschen bei geringfügig Beschäftigten. Knapp ein Viertel war trotz weiterer Einkommen im Haushalt und staatlicher Unterstützung armutsgefährdet.
Atypisch Beschäftigte verdienten 11,98 Euro pro Stunde
Der Vizepräsident des Statistischen Bundesamtes, Peter Weigl, wies zwar darauf hin, dass Niedriglohn nicht zwingend zu einem Armutsrisiko führt. Wichtig sind auch die sozialen Umstände, also alleinstehend oder mehrere Erwerbseinkommen in einem Haushalt. Tatsache ist aber, dass so genannte atypische Beschäftigte 2006 mit durchschnittlich 11,98 Euro deutlich weniger pro Stunde verdienten als voll sozialversicherungspflichtige Normalbeschäftigte. Diese erhielten im Schnitt 18,04 Euro.
Jeder zweite erhält weniger als den Niedriglohn
Jeder zweite der atypischen Beschäftigten bekam sogar einen Bruttostundenlohn unterhalb der Niedriglohngrenze von 9,85 Euro. Am stärksten waren 2006 die Mini-Jobber mit 81,2 Prozent von Niedriglöhnen betroffen, bei Zeitarbeitern waren es 67,2 Prozent, bei befristet Beschäftigten 36,0 Prozent und bei Teilzeitbeschäftigten knapp ein Fünftel.
Niedriglohn trifft Frauen besonders
Deutlich mehr Frauen (27,2 Prozent) als Männer (14,3 Prozent) beziehen Niedriglohn. Ein Grund ist, dass sie häufiger in Teilzeitjobs oder anderen atypischen Beschäftigungen arbeiten.
In Mecklenburg-Vorpommern droht am ehesten Armut
Dabei ist die Gefahr, trotz eines Erwerbseinkommens in die Armut zu rutschen, in den neuen Bundesländern höher als im Westen. Besonders in Mecklenburg-Vorpommern ist das Risiko bundesweit am größten. Wie die "Thüringer Allgemeine" unter Berufung auf eine Länderauswertung des Mikrozensus 2008 durch das Statistische Bundesamt berichtete, galten im vergangenen Jahr 12,3 Prozent der Erwerbstätigen in Mecklenburg-Vorpommern als armutsgefährdet. Wenig besser gestellt seien nach dieser Statistik die Menschen in Sachsen-Anhalt mit einem Armutsrisiko von 11,6 Prozent oder in Sachsen (10,4).
Armutsrisiko im Osten doppelt so hoch
Der durchschnittliche Anteil der armutsgefährdeten Erwerbstätigen lag in den neuen Bundesländern bei zehn Prozent und damit beinahe doppelt so hoch wie in den alten Ländern mit 5,3 Prozent, wie die Zeitung weiter berichtete. Am wenigsten sind demnach Erwerbstätige in Bayern (4,0), Baden-Württemberg (4,1) und Hessen (5,0) von Armut bedroht. Zudem habe sich das Armutsrisiko für Erwerbstätige, die Selbstständige wie abhängig Beschäftigte einschließen, seit 1998 im Osten erheblich gesteigert. Damals galten nur 6,7 Prozent der ostdeutschen Erwerbstätigen als armutsgefährdet, im Westen 4,1 Prozent.
Definition Armut
Für die Berechnung des Armutsrisikos nutzt das Bundesamt eine EU-Definition. Danach gilt als armutsgefährdet, wer weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens zur Verfügung hat. Zum Einkommen zählen auch Sozialtransfers. Bereinigt werden die Werte um die jeweilige Haushaltssituation - etwa bei Familien mit Kindern. Unberücksichtigt bleiben nach dieser Berechnung allerdings die unterschiedlichen Lebenshaltungskosten in den einzelnen Bundesländern oder auch das im Haushalt vorhandene Vermögen. Die Armutsgefährdung nicht erwerbstätiger Personen wurde in der Analyse nicht erfasst.
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Quelle: t-online.de
, AFP
, dapd
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