
20.09.2010, 14:22 Uhr | Spiegel Online
Der bekannte Ex-Opel-Manager Carl-Peter Forster arbeitet inzwischen für Tata in Indien (Foto: AFP)
Magna-Boss Wolf heuert in Russland an, Ex-Opel-Chef Forster arbeitet für Tata in Indien: Deutsche und österreichische Top-Manager sind in Schwellenländern extrem gefragt. Für gutes Geld bieten sie ihr Know-how an - doch die Rechnung geht nicht immer auf. "Spiegel Online" stellt prominente Auswanderer vor.
Kaum war die Nachricht in der Welt, da sah sich der scheidende Magna-Chef Siegfried Wolf schon zu einer Rechtfertigung genötigt. "Geld ist nicht die einzige Motivation", sagte der Österreicher Anfang der Woche zu seinem Wechsel ins Reich des russischen Milliardärs Oleg Deripaska. Er sehe sich vielmehr als Brückenbauer zwischen Russland und der europäischen Industrie. Gleichwohl sei er mit seinem Salär bei Deripaskas Mischkonzern Basic Elements "zufrieden".
Wie viel Wolf verdient, ist öffentlich nicht bekannt. Doch Geld spielt selbstverständlich eine große Rolle. Und Wolf ist längst kein Einzelfall. Immer häufiger versuchen Konzerne aus Schwellenländern, Top-Manager aus dem Westen abzuwerben. Besonders gefragt sind Führungskräfte aus dem deutschen Sprachraum.
Erst Anfang des Jahres hatte der ehemalige Chef von General Motors in Europa, Carl-Peter Forster, beim indischen Multiindustriellen Ratan Tata angeheuert. Für diesen leitet er nun das gesamte Autogeschäft. Als Chef für die Marken Jaguar und Land Rover brachte er Linde-Mann Ralf Speth mit.
Auch an anderen Schlüsselpositionen vertraut Ratan Tata auf Know-how aus dem Westen. So rückt Karl-Ulrich Köhler, 2009 von ThyssenKrupp im Unfrieden geschieden, im Oktober an die Spitze der Tata-Stahltochter Corus. Gegenwärtig ist er dort bereits für das operative Geschäft zuständig.
"In Branchen wie Auto und Stahl sind die Deutschen Experten. Die Inder holen sich mit ihnen Weltmarktqualität ins Haus, um in der Top-Liga mitzuspielen", sagte der Hauptgeschäftsführer der Deutsch-Indischen Handelskammer in Mumbai, Bernhard Steinrücke, dem "Manager Magazin".
Bei indischen Airlines stehen wiederum Österreicher hoch im Kurs. Gustav Baldauf versucht Air India wieder auf Kurs zu bringen. Zuvor wirkte er bei Jet Airways, der am schnellsten wachsenden Fluggesellschaft Indiens. Dort hieß sein Chef Wolfgang Prock-Schauer, heute Chef der Lufthansa-Tochter British Midlands.
"Diese Entwicklung wird zunehmen", sagt Personalberater Stefan Fischhuber, international tätiger Geschäftsführer bei Kienbaum. "Sobald ein Unternehmen global agiert, benötigt es globale Manager." In Branchen, in denen Firmen aus dem deutschsprachigen Raum stark sind, öffnen sich automatisch viele Türen für Manager aus der Bundesrepublik oder Österreich.
In erster Linie geht es darum, westliche Märkte für die Aufsteiger aus Indien, China, Russland oder Brasilien zu beackern. Oder die Spitzenkräfte sollen übernommene West-Marken pflegen. Dafür steht beispielsweise Ex-Volkswagen-Manager Stefan Jacoby, den der chinesische Autohersteller Geely an die Spitze seiner Neuerwerbung Volvo setzte. Er genießt weitgehende Autonomie in Göteborg, seine Chefs setzen voll auf Jacobys jahrelange Expertise im internationalen Geschäft.
Nach Expertenmeinung werden Deutsche immer häufiger in zentralen Schaltstellen von Schwellenländerkonzernen zu finden sein. So entsteht in der Golfregion derzeit eine große petrochemische Industrie, doch das entsprechende Know-how in vielen arabischen Staaten tendierte in den vergangenen Jahrzehnten gegen null. Nun sollen zunehmend auch Deutsche die Fachkräftelücke füllen.
Dass Manager direkt aus Europa zu einer Firma in ein Schwellenland wechseln, ist bisher noch die Ausnahme. Meist interessieren sich indische Konzerne für Deutsche, die bereits für ihr heimisches Unternehmen im Land gearbeitet haben. Andernfalls wären die interkulturellen Differenzen einfach zu groß. Er fühle sich zwar gut aufgenommen, sagte Ex-Opel-Mann Forster dem "Focus". "Andererseits kann man in Indien bei den Geschäftsprozessen oder der Entwicklung von Zulieferern noch sehr viel verbessern. Alles dauert länger, die ganze Logistik ist aufwendiger."
Auch innerhalb der Firmen kann es Überraschungen geben. "Die Unterschiede in Unternehmenskultur und Managementstil sind teilweise sehr groß", sagt Kienbaum-Mann Fischhuber. "Neulinge empfinden die Methoden oft als ruppig. Häufig fällen Patriarchen einsame Entscheidungen, die Hierarchie ist streng."
Doch die Managementkultur in den Schwellenländern wandelt sich. Dazu tragen nicht zuletzt die Neueinkäufe aus dem Westen bei. Zudem studieren Teile der Elite aus Staaten wie Indien oft in den USA. Wenn sie dort auch noch gearbeitet haben, sind sie die idealen Brückenbauer zwischen den Unternehmenskulturen und könnten noch mehr Westler für einen Jobwechsel gewinnen.
Bis dahin ist Geld oft das wichtigste Lockmittel für deutsche und andere westlich sozialisierte Führungskräfte. "Viele Top-Manager werden gebauchpinselt, damit ihnen der Wechsel zu einem Schwellenland-Unternehmen leichter fällt", sagt Fischhuber. Oft gebe es eine Art Erschwerniszulage. "So kann beispielsweise in Russland ein knapp siebenstelliges Dollar-Jahresgehalt für einen Corporate Strategy Officer gezahlt werden."
Geld allein macht dennoch nicht glücklich. Manche ausgewanderten Chefs leiden letztlich doch an schwellenländerspezifischen Besonderheiten. So kündigte Ex-Infineon-Chef Ulrich Schumacher seinen Abschied vom chinesischen Chiphersteller Grace an. Die große Entfernung zur Familie in Bayern hatte er in Kauf genommen. Doch dass der chinesische Staat seinen Einfluss auf die Branche stark ausdehnt, wollte er nicht mitmachen. Schließlich war er nicht als Leiter eines Volkseigenen Betriebs gen Osten gegangen.
Generell dürfte sich Stehvermögen in den aufstrebenden Unternehmen der Schwellenländer jedoch auszahlen. Die Tata-Gruppe hat bereits angekündigt, auch Ausländer bei der Suche nach einem Nachfolger für Oberboss Ratan Tata einzubeziehen. Die neuen Positionen für Karl-Ulrich Köhler und Carl-Peter Forster müssen also nicht das Ende ihrer Karriere in dem indischen Mega-Konzern darstellen.
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Quelle: Spiegel Online
Auswanderer schrieb:
am 20. September 2010 um 17:14:31
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Ausverkauf
Ja, mit der deutschen Politik da braucht man sich nicht wundern wenn unsere klugen Koepfe abwandern. Ich selber lebe & arbeite im
Ausland und denke im Moment nicht daran nach D zurueckzukehren. Will doch nicht mein halbes Gehalt dem Staat in den Rachen schieben. In D ist kein Geld zu machen als normaler Manager. Man kann es diesen Herren also nicht uebelnehmen dass sie raus gehen wenn ihr Wissen hier nicht mehr gefragt ist. Und dann holen wir fuer vieles Geld Auslaender rein.. tolle Politik.
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Arbeiter schrieb:
am 20. September 2010 um 15:03:11
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Asien buhlt um Top-Manager made in Germany
Wenn die Versager aus den Führungsetagen ins Ausland gehen, sollte das für die deutsche
Wirtschaft von Vorteil sein, sofern fähiges Personal nachrückt. Also eigentlich ganz gut für uns, wenn diese Nichtsnutze verschwinden.
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