Startseite Jetzt online bestellen und 10% Rabatt sichern

Sie sind hier: Home > Wirtschaft > Jobs >

Assessment Center: Bewerber auf dem Präsentierteller

...

Bewerber auf dem Präsentierteller

13.10.2009, 15:51 Uhr | dpa-tmn / t-online.de/business

Immer mehr Firmen stellen Bewerber im Assessment Center auf die Probe.  (Foto: Imago)

Immer mehr Firmen stellen Bewerber im Assessment Center auf die Probe. (Foto: Imago)

Showdown der Jobkandidaten im Assessment Center: Viele Personalchefs setzen inzwischen auf das kurz AC genannte Auswahlverfahren, bei dem es nicht nur auf ein halbstündiges Vorstellungsgespräch ankommt. Aber die Methode hat ihre Tücken. Und mancher Skeptiker behauptet, ACs hätten ihren guten Ruf gar nicht verdient. Experten erklären, was Unternehmen und Bewerber erwarten können.

Populär seit den 80er Jahren

Fest steht: Das AC hat eine eindrucksvolle Karriere hingelegt. Es ist oft das Nadelöhr, durch das Bewerber vom Azubi bis zum Top-Manager hindurch müssen, wenn sie eine Stelle haben wollen. "Populär sind Assessment Center in Deutschland seit den 80er Jahren", sagt Alexander Böhne von der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA) in Berlin. Dabei werden die Kandidaten entweder in der Gruppe beobachtet oder einzeln getestet. "Das Gruppen-AC ist immer noch viel häufiger", so Böhne. Schließlich sei die Organisation mit einigem Aufwand verbunden. Weil ein AC in der Regel einen Tag, manchmal sogar zwei dauere, komme es für einen Zehn-Mann-Betrieb meist eher nicht infrage.

Mini-ACs für Putzfrauen

Allerdings werden längst nicht mehr nur Top-Führungskräfte auf diesem Weg ausgewählt. "Das AC ist inzwischen überall anzutreffen. Es gibt sogar Mini-ACs für Azubis, Putzfrauen und Zimmermädchen", erzählt Jürgen Hesse, Karriereberater in Berlin. In dem Fall nehme das ganze Prozedere dann vielleicht eine halbe Stunde in Anspruch. Ein gutes Assessment Center zeichnet sich laut Alexander Böhne vor allem durch praxisnahe Aufgaben aus. Beispielsweise muss der Bewerber ein Kunden- oder ein Personalgespräch führen. Das sei aussagekräftiger, als Bewerber nur Testbögen ausfüllen und sich in einem kurzen Bewerbungsgespräch präsentieren zu lassen.

Zuerst in US-Army im Einsatz

Das Assessment Center kam zunächst in der US-Army zum Einsatz. Weil dort die Personalauswahl verbessert werden sollten, mussten Rekruten von 1917 an einen Intelligenztest machen. In Deutschland gab es dagegen bereits eine längere Tradition der Arbeitsprobendiagnostik. "Das AC verknüpft beide Methoden", erläutert Professor Heinz Schuler, Personalpsychologe an der Universität Hohenheim. Die Kombination aus Tests, Arbeitsproben und Auswertung des biografischen Hintergrunds setzten später sowohl die Deutsche Wehrmacht als auch der amerikanische Geheimdienst OSS ein.

Personalberatungen als Organisatoren

Häufig beauftragen Unternehmen eine Personalberatung damit, das AC zu organisieren. "Zu den Beobachtern, die den Bewerber bewerten, gehört aber in der Regel auch jemand aus der eigenen Personalabteilung", erklärt Böhne. Bei der anschließenden "Beobachterkonferenz" tauscht sich die Jury über ihre Eindrücke aus und bespricht ihre Bewertungen. Das hat den Vorteil, dass nicht eine Einzelmeinung entscheidet - und nicht einfach Sympathie den Ausschlag gibt.

Experte: Regeln heute oft verwässert

Damit ein AC aussagekräftige Ergebnisse liefert, müssten allerdings verschiedene Datenquellen genutzt und verknüpft werden, betont Schuler. Und das sei oft nicht der Fall, kritisiert er. "Viele Einzelstudien zeigen, dass AC-Prognosen in den vergangenen 20 Jahren schlechter geworden sind", meint Schuler. Mit der Popularisierung des Verfahrens seien die dafür geltenden Regeln häufig verwässert worden. "Oft gibt es gar keine echten Arbeitsproben mehr, sondern nur noch arbeitsprobenartige Simulationen", klagt der Experte.

Firmen machen aus Spargründen belanglose Tests

Denn ein AC sei eine aufwendige Angelegenheit. Oft sparten die Auftraggeber daran. "Da kann sich dann jeder Praktikant ein Rollenspielchen ausdenken", sagt Schuler. Häufig würden belanglose Tests durchgeführt, die mit wissenschaftlichem Anspruch nichts zu tun haben. Und auch als Beobachter würden oft diagnostische Laien eingesetzt. "Ein gutes AC liefert eine gute Entscheidungsgrundlage", meint der Personalpsychologe. Aber gute Bewerberinterviews sind besser als durchschnittliche Assessment Center.

Verzerrtes Bild von den Kandidaten

Schuler hat aber auch prinzipielle Bedenken: Beim AC werde die Entscheidung für oder gegen einen Bewerber stark von punktuellen Eindrücken beeinflusst, die Beobachter von ihm bekommen: "Menschen finden das, was sie selbst gesehen haben, wichtiger als objektive Daten. Einzelne Beobachtungen werden zu wichtig genommen", warnt Schuler. Das könne das Bild verzerren, das sich beim AC ergibt.

Keine Allzweckwaffe

Die anfängliche Begeisterung für das Assessment Center als Allzweckwaffe der Personalauswahl gebe es heute deshalb so nicht mehr, bestätigt Alexander Böhne von der BDA. Hinzu kommt nach der Beobachtung von Jürgen Hesse noch etwas anderes. "Viele Bewerber bereiten sich heute auf das AC vor", so Hesse. Das heißt, die Beobachter sehen sie gar nicht mehr so, wie sie tatsächlich sind, sondern so, wie sie sich geben, weil ihnen bewusst ist, in einem AC zu sein. Darauf haben die Psychologen wiederum längst reagiert. "Beide Seiten rüsten auf", so Hesse.

Vorbereitung ist sinnvoll

"Manche Bewerber tauschen sich sogar vorher über Twitter oder Facebook aus, was sie bei den Unternehmen erwartet", erzählt Alexander Böhne. Eine Vorbereitung aufs AC sei generell auch zu empfehlen. In jedem Fall lohne es sich zu fragen, was dabei geplant ist. Einige Unternehmen hielten sich da bedeckt, andere kommunizierten das ganz offen.

Keine exakte Entscheidungshilfe

Trotz allen ausgeklügelten psychologischen Methoden liefert das AC also nicht automatisch hieb- und stichfeste Entscheidungshilfen. "Manchmal entscheiden sich die Beobachter schlicht für den Falschen", räumt Hesse ein. Kein Grund also für abgelehnte Bewerber, den Kopf hängen zu lassen. Es komme immer wieder vor, dass jemand beim ersten AC durchfalle, beim zweiten schon weit vorne lande und beim nächsten Mal die Stelle kriege. Und auch das sollten sich diejenigen klarmachen, die die Stelle nicht bekommen haben: Das AC ist fast nie die erste Hürde. "Nur der kleinste Teil der Bewerber kommt so weit", sagt Alexander Böhne. Wer auf den letzten Metern scheitert, war also vorher schon ziemlich erfolgreich.


dpa-tmn / t-online.de/business  

Inhalt versenden Versenden
Leserbrief An die Redaktion
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus.
Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Diese Mail an
mailing-ifrarr
Artikel versenden
Empfänger
Absender
Name
Name
E-Mail
E-Mail
Nachricht
 

"Assessment Center: Bewerber auf dem Präsentierteller" verlinken

Verlinken Sie uns, wenn Ihnen der Artikel "Assessment Center: Bewerber auf dem Präsentierteller" gefallen hat.

 
schließen

Kommentare (0)

zum Forum

Thema: "Assessment Center: Bewerber auf dem Präsentierteller"

Seite:

Kommentar schreiben

Name
Betreff
Kommentar: (Maximal 500 Zeichen)

Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Haken

Vielen Dank. Ihr Kommentar wurde versendet!

Kommentar schreiben



Zu diesem Artikel/Thema können keine weiteren Kommentare mehr abgegeben werden.

Kommentar melden

Sie sind der Meinung, dass dieser Kommentar anstößige Inhalte enthält.

 

Haken

Vielen Dank! Ihr Hinweis wurde von der Redaktion entgegengenommen.
mailing-ifrarr

Shopping

Einkaufswelt
Passform-Mode für Herren
Premium-Mode mit perfekter Passform - von RAPHAELA by BRAX

Die Spezialkollektion für jede Kör-
perform: perfekt für Business und Freizeit. zum XXL-Special

Einkaufswelt
Mode von Laura Kent
Neue Frühlings-Trends von Laura Kent - bei WENZ

Extravagante und schicke Damen-
mode für die neue Saison: jetzt online bestellen. von WENZ

Einkaufswelt
Grills und Gartenkamine
Grills & Gartenkamine von plus.de

Jetzt aus über 150 Marken-Grills den passenden auswählen!
bei plus.de

Einkaufswelt
Alles gut verstaut
Möbel, die viel Stauraum bieten - jetzt bei FASHION FOR HOME

Edle Design-Möbel, die Platz sparen und Stauraum bieten - jetzt günstig!
von FASHION FOR HOME


Downloads & Shops

Minus 29%: CutOut PRO
CutOut PRO (Quelle: Softwareload)

Der Meister für feinste Freistellungen und präzise Montagen. mehr

THW Simulator 2012
THW Simulator 2012 (Quelle: rondomedia)

Fahrzeuge bergen, Brücken bauen und mehr. Jetzt kaufen

Badeurlaub in Kroatien ab 572,- €/P.
Last Minute bei t-online.de Reisen (Quelle: t-online.de)

1 Woche im 4-Sterne- Hotel mit AI und Flug.


Aus anderen Bereichen

Massenansturm wird zur tödlichen Falle
Massenanstrum auf den Mount Everest: Wenn zu viele Menschen bei gutem Wetter den Aufstieg versuchen, kann es an einigen Stellen zum Stau kommen - eine potentiell tödliche Falle bei Wetterumschwung

Mount Everest: weitere Leiche entdeckt. mehr

Explosionsgefahr bei Hertha BSC
Michael Preetz hat in Berlin zwei Abstiege erlebt. (Quelle: imago)

Medien: Manager Preetz soll weg. mehr


Anzeigen

Anzeige
Wirtschaft
New York: Appartement für Rekordpreis verkauft

Neuer Besitzer blätterte mehr als 70 Millionen Euro hin. zum Video

Einkaufswelt
Unglaubliche Ersparnis
Tiefpreise: Patronen für Canon-Drucker bei druckerzubehoer.de

Bis zu 92% auf Patronen für Marken-
drucker. von druckerzubehoer.de

Anzeige
Konto mit Kick

Jetzt mit dem Postbank Giro plus bis zu 200 € sichern!* mehr

Anzeige
Silber-Sonderangebot
Silbermünzen: 25 x Silber Unze Maple Leaf zum Sonderspreis. (Quelle: ophirum.de)

Exklusiv für Nutzer von t-online.de. zum Angebot

Anzeige

Anzeige
iPad gewinnen
 (Quelle: fxDirekt Bank)

Am Börsenspiel teilnehmen und gewinnen. Jetzt mitmachen

Partner-Angebot
Gehaltsvergleich
Gratis-Check mit über 280 Tätigkeitsbereichen

Nutzen Sie jetzt unseren Gratis- Check für über 300 Berufe. mehr

Börsen-Gezwitscher
Börsenradar auf Twitter

Das Börsenradar-Team zwitschert auch auf Twitter. Folgen Sie uns!

Geld-Newsletter
Werktags die wichtigsten Neuigkeiten rund um Wirtschaft und Finanzen per E-Mail in Ihr Postfach  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Aktuelle Wirtschafts- Themen täglich ins Postfach. mehr

Anzeige
Urlaub in Madeira
Pauschalreisen bei t-online.de Reisen (Quelle: t-online.de)

1 Woche im 4*-Hotel mit AI, sowie Hin- und Rückflug ab 573,- Euro/P.


Zur breiten Ansicht
© Deutsche Telekom AG 2012

Anzeige