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Ausbeutung auf Kreuzfahrten und bei der Weinlese

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Ausbeutung auf Kreuzfahrten und bei der Weinlese

30.04.2008, 08:29 Uhr | dpa / T-Online / fre

Bis heute werden Menschen versklavt (Bild: Archiv) Bis heute werden Menschen versklavt (Bild: Archiv) Dutzende junge Arbeitslose sind einem Magazinbericht zufolge von Jobcentern auf Flusskreuzfahrtschiffe vermittelt worden, auf denen Stundenlöhne von weniger als drei Euro gezahlt wurden. Die Arbeitsverträge seien mit Hilfe von mindestens sechs verschiedenen Vermittlungsstellen in Nordrhein-Westfalen abgeschlossen worden, berichtet die ZDF-Sendung "Frontal21". Die Bundesagentur für Arbeit (BA) habe Fehler eingeräumt und das mit mehreren hunderttausend Euro geförderte Arbeitslosenprojekt "Crewing - für Kreuzfahrtschiffe" vorläufig gestoppt. In Spanien sollen zudem seit 2005 tausende Portugiesen wie Sklaven ausgebeutet worden sein.

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70 Stunden, 850 Euro
"Frontal21" schilderte den Fall eines jungen Arbeitslosen, der genötigt worden sei, einen rumänischen Arbeitsvertrag zu unterschreiben. Der Vertrag sah demnach eine 70-Stunden-Woche zu einem Nettolohn von 850 Euro vor. Der Mann habe Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Wuppertal gegen Mitarbeiter der Arbeitsagentur Remscheid erstattet. Ein Vertreter der NRW-Regionaldirektion der BA in Düsseldorf kündigte an, die Zusammenarbeit mit einem privaten Bildungsträger in Hamm intensiv zu überprüfen. "Wenn sich herausstellen sollte, dass die Vorwürfe zutreffen, werden wir das Projekt sofort beenden", sagte er. Die Gewerkschaft Ver.di wertete die Fälle als "Paradebeispiel für die Ausbreitung unzumutbarer Niedriglöhne". Der Ver.di-Fachgruppenleiter Karl-Heinz Biesold bezeichnete die Arbeitsbedingungen auf Flusskreuzfahrtschiffen als "sklavenähnlich".



Menschenhändler-Ring in Spanien zerschlagen
Zeitgleich haben spanische und portugiesische Ermittler in einer Großaktion einen Ring moderner Sklavenhändler zerschlagen, der seit 2005 etwa 3000 Portugiesen zur Weinlese nach Nordspanien verschleppt hatte. Im Rahmen der "Operación Libertad" (Operation Freiheit) nahmen die Ermittler bisher 28 Portugiesen und Spanier fest, zwei weitere konnten in die Schweiz flüchten. Die europäische Justizbehörde Eurojust koordinierte die Ermittlungen, die schon seit 2005 andauern. Nach ersten Verhaftungen in den Jahren 2005 und 2006 wurde nun das ganze Ausmaß des Menschenhandels ersichtlich, wie spanische und portugiesische Medien berichten.

Mafiaähnliche Organisation
Eine straff organisierte Organisation verschleppte köderte demnach bevorzugt schutzlose Menschen – Arme, Drogenabhängige, geistig Behinderte – im Norden Portugals mit dem Versprechen, ihnen 700 Euro monatlich für eine Arbeit in Spanien zu zahlen. Über die spanische Grenzregion Galizien brachten sie ihre Opfer dann in mehrere nordspanische Regionen, vor allem in das berühmte Weinanbaugebiet Rioja.

Arbeit bis zum Umfallen
In Gruppen von zehn bis 20 Personen wurden sie dort in Baracken gesperrt und vom Morgengrauen bis zum Sonnenuntergang zur Arbeit gezwungen. In den Verstecken hätten die Verschleppten Nahrung, Drogen und teils auch sexuelle Dienste durch Prostituierte erhalten. Von dem versprochenen Geld, berichten spanische Zeitungen weiter, hätten sie dagegen nichts oder nur einen sehr kleinen Anteil gesehen.

Villen in Portugal
Den Berichten zufolge eröffneten die Täter Konten im Namen der Verschleppten, die sie jedoch für eigene Zwecke nutzten. Während ihre Opfer auf den Feldern ihre Gesundheit und Würde verloren, hätten die Anführer der Bande in Portugal luxuriöse Villen bewohnt und mit ihrem Wohlstand geprahlt, sagte der spanische Staatsanwalt Juan Calparsoro.

"Nichts geahnt"
Trotz dieser Verhältnisse will keiner der spanischen Auftraggeber etwas von diesen Verhältnissen geahnt haben – was spanische Ermittler in einer ersten Pressekonferenz bestätigten: Im Rahmen der "Operation Freiheit" hätten sie gegen mehrere Unternehmer aus der Rioja ermittelt. Diese nur die hätten die vereinbarten Summen bezahlt und seien davon ausgegangen, dass alles mit rechten Dingen zugehe. Auch die Bewohner der betroffenen Orte schienen nicht besorgt: Niemand alarmierte die Polizei.

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dpa / T-Online / fre  

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