Ausgeknipst - Das langsame Verschwinden der Glühbirne
20.01.2009, 14:26 Uhr | bv
Aus für die Glühbirne zugunsten der Energiesparlampe (Foto: dpa)Rund 130 Jahre dauerte bisher die Karriere der Glühbirne. Damals hatte Thomas Alva Edison das neue Leuchtmittel zur Marktreife gebracht. Jetzt wird die Glühbirne in Europa allmählich ausgeknipst. Als Ersatz stehen Energiesparlampen bereit. Viele Verbraucher sind deswegen verunsichert, manch einer mag über Glühbirnen-Hamsterkäufe nachdenken. Denn vor allem in Kronleuchtern könnten die teils klobigen Energiesparlampen wie Fremdkörper wirken. Dazu kommt ein Streit unter Experten, ob die Sparleuchten wirklich ein Gewinn für Umwelt und Geldbeutel sind.
Grundsätzlich ist es nicht notwendig, Glühbirnen zu hamstern. Als Ersatz gibt es Spar- und Halogenleuchten mit den gleichen Schraubsockeln: die etwas dickere E27-Größe für Glühlampen und das kleinere E14-Maß beispielsweise für Kerzenbirnen. Die Energiesparlampen, bei denen es sich um gefaltete und gedrehte Leuchtstoffröhren handelt, werden längst auch in Glühbirnenform angeboten. Die Leuchtstoffröhre umhüllt dann ein Glaskolben.
Energiesparlampen leuchten länger
Als ein Vorteil der Energiesparlampen gilt ihre längere Lebensdauer. Während Glühbirnen schon nach rund 1000 Stunden für immer in Dunkelheit verharren, halten die Sparleuchten 5000 bis 15000 Stunden durch. Die Lebensdauer sei meist auf der Packung angegeben, sagt Lothar Beckmann von der Stiftung Warentest.
Sofort mit dem Sparen beginnen
Dazu kommt, dass die Sparleuchten bis zu 80 Prozent weniger Strom verbrauchen. Wer deshalb Geld sparen will, sollte sofort umrüsten, rät die Deutsche Energie-Agentur (dena). Eine 11-Watt-Energiesparleuchte, die etwa ebenso hell ist wie eine 60-Watt-Glühlampe, spart so im Lauf ihres Lebens rund 100 Euro Stromkosten. Diese Rechnung geht von 20 Cent pro Kilowattstunde und 10.000 Stunden Lebensdauer aus.
Lampen angeblich weniger hell
Genau diese Rechnung wird jedoch von einigen Experten angezweifelt. "Von Energiesparlampen als Ersatz für Glühlampen ist abzuraten, weil sie nicht soviel Energie sparen wie Hersteller und Politiker anführen", sagt Gabriele Achstetter von der Zeitschrift "Öko-Test". In einem Test des Magazins (Ausgabe 10/2008) seien getestete Sparlampen deutlich weniger hell gewesen als die Glühlampen, die sie ersetzen sollten. Zudem seien die Sparlampen im Laufe der Zeit immer dunkler geworden, und etliche Sparlampen fielen frühzeitig aus, vor allem wenn sie häufig an- und ausgeschaltet wurden.
Energiesparlampen steigern Heizkosten?
"Ein bisher wenig beachteter Aspekt ist, dass die Bewohner laut einer britischen Untersuchung ihre Räume mit Sparlampen um zwei bis drei Grad stärker beheizen als wenn sie Glühlampen einsetzen", sagt Achstetter. Das Licht der Energiesparlampen wirke sich direkt auf die gefühlte Temperatur aus. Nicht außer acht gelassen werden sollte, dass Sparleuchten die Umwelt durch Quecksilber belasteten, weil nur zehn Prozent der Haushalte die Energiesparlampen korrekt als Sondermüll entsorgten.
Gesamtbilanz immer positiv
Als "unverantwortlich" bezeichnet Jürgen Waldorf, Geschäftsführer des ZVEI-Fachverbands Elektrische Lampen in Frankfurt/Main, diese Aussagen. Denn trotz der vom ZVEI als methodisch unzureichend kritisierten "Öko-Test"-Messungen falle die energetische Gesamtbilanz zu Ungunsten herkömmlicher Glühlampen aus. Mit Ausnahme einer "Billiglampe" reiche dafür schon die längere Lebensdauer. Eingesparte Stromkosten kämen noch hinzu.
Sparlampen werden immer besser
Die Qualität von Energiesparlampen wurde von der Stiftung Warentest seit 1983 ständig überprüft, zuletzt in Februar 2008. "Es gibt keinen Grund, die technisch überholten Glühbirnen weiter brennen zu lassen", sagt Warentester Beckmann. Denn heutige Energiesparlampen seien deutlich besser geworden.
Häufiges Schalten schadet kaum noch
Auch häufiges Ein- und Ausschalten mache den neuen Produkten mit Vorheizung wenig aus. Vorheizung bedeutet, dass die Elektroden der Energiesparlampe für ein paar Sekundenbruchteile vorgewärmt werden. Dadurch halten sie wesentlich länger. Es gebe inzwischen auch spezielle Energiesparlampen, die sogar gedimmt werden können.
Halogenlampen können bei Kronleuchtern helfen
"Beim Austausch von Lampen sollte immer beachtet werden, dass das Design der Leuchte erhalten bleibt", rät Bernd Glaser von Philips Licht in Hamburg. Ersetzt werden könnten sichtbare Glühbirnen in Kronleuchtern oder Lüstern durch Halogenlampen, deren Form der der Glühbirne entspricht. Neben einer besseren Energieausbeute - diese liegt nach Angaben von Stühlen je nach Fabrikat und Modell zwischen 30 und 50 Prozent - ist auch ihre Lebensdauer mit etwa 2000 Betriebsstunden rund doppelt so hoch wie die von Glühlampen.
100-Watt-Lampen verschwinden als erste
Klassische Glühlampen haben die schlechten Energie-Effizienzklassen E, F und G. Um Energie zu sparen und die Umwelt zu schonen, wird ab September 2009 zunächst der Verkauf aller matten Birnen sowie der von klaren Birnen mit 100 Watt Leistung untersagt. Im September 2010 folgen 75-Watt-Birnen, ein Jahr darauf die 60-Watt-Leuchten. Ab September 2012 werden dann die letzten 40- und 25-Watt-Birnen vom Markt genommen. Ab September 2016 müssen der entsprechenden EU-Richtlinie zufolge alle Leuchtmittel mindestens die Energie-Effizienzklasse B besitzen.