18.02.2010, 13:17 Uhr | Financial Times Deutschland
Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz: Muss sie erneut Immobilien veräußern? (Foto: dpa)Einst gehörte sie zum edlen Kreis der reichsten Deutschen, dann rutsche Arcandor in die Pleite - und Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz stürzte mit. Rund drei Milliarden Euro verlor die Großaktionärin von Arcandor nach eigenen Angaben bei der Insolvenz des Handelsunternehmens. Nur selten bietet sich die Gelegenheit, der Entstehung einer Legende beizuwohnen. Der Fall Schickedanz bringt alle Zutaten für eine ebensolche mit: ein märchenhafter Aufstieg, ein finanziell bedrohlicher Niedergang - und eine tragische Heldin. Die allerdings kämpfte, wenn auch vergeblich.
Mit immer neuen Rettungsaktionen versuchte sie, eine Insolvenz des Warenhauskonzerns abzuwehren, zu dem auch Quelle gehörte. Sie besorgte sich sogar ein Darlehen von rund 200 Millionen Euro bei der inzwischen wegen eigener Schwierigkeiten in Schieflage geratenen Privatbank Sal.Oppenheim - wohl besichert mit Grundschulden auf mehrere Anwesen und Immobilien. Doch vergebens. Arcandor war nicht mehr zu retten und ihr blieben nur wertlose Aktien.
Um die Schulden von 200 Millionen Euro zurückzuzahlen, muss die 66-Jährige an ihren reichhaltigen Immobilienbesitz. Zwei ihrer Villen in der Schweiz hat sie bereits losgeschlagen. Die beiden Luxusanwesen im noblen Skiort St. Moritz brachten ihr immerhin 47 Millionen Euro. Durch den Verkauf von weiteren Immobilien in diesem Jahr wolle Schickedanz zu einer gütlichen Einigung mit Sal. Oppenheim kommen, sagte jüngst ein Vertrauter.
"Stern"-Bericht listet weitere Immobilien auf
Dem Magazin "Stern" (erscheint am Donnerstag) liegen nach eigenen Angaben Unterlagen vor, die zeigen, welche Häuser, Villen und Bürokomplexe der ehemaligen Milliardärin noch unter den Hammer kommen könnten. Dabei handelt es sich um etwa ein Dutzend Objekte, unter anderem ein Geschäftshaus in der Hamburger City und ein Ferienhaus am Tegernsee. Als besonders wertvoll gelten laut "Stern" Schickedanz' Anteile an der Nürnberger Immobiliengesellschaft ICN Consult, der Bürogebäude wie das Frankfurter Westend Office gehören. Allerdings befinden sich laut "Stern" auch schwer verkäufliche Brachflächen und alte Fabrikgelände in ungünstigen Lagen darunter.
Interview wird belächelt
Aber selbst wenn der Kredit zurückgezahlt werden sollte. Wie geht es dann mit der einstigen Milliardärin weiter? Via "Bild"-Zeitung teilte sie zuletzt mit, sie spare jetzt an allem, "von den Lebensmitteln bis zu Kosmetik und Kleidung". Von nur noch 600 Euro im Monat lebten sie und ihr Ehemann Leo Herl. Gottlob: "Gemüse, Obst und Kräuter haben wir im Garten." Das entlastet den Etat. Das Interview wird von vielen Beobachtern belächelt. Kaum jemand mochte so richtig glauben, dass Schickedanz und ihr Mann tatsächlich von nur 600 Euro im Monat leben müssen. Später fühlte sie sich jedoch missverstanden. Über wie viel Geld die Quelle-Erbin tatsächlich noch verfügt, dürfte wohl nicht an die Öffentlichkeit dringen.
Familiensitz gerettet
Selbstkritisch erzählte sie, wie wenig Macht sie kurz vor der Pleite noch über Arcandor hatte. "Ich habe viel zu spät bemerkt, dass ich die Kontrolle verloren hatte", sagte sie: "Und ich hätte schon viel früher Themen wie Internet im Versandhandel und Veränderung der Kaufhäuser angehen müssen." Aber eines bleibt ihr dann doch. Nach Medienberichten ließ sie rechtzeitig ein großes Anwesen in Fürth, den Familienstammsitz auf ihren Sohn übertragen. Dort genießt sie immerhin lebenslanges Wohnrecht.