11.04.2011, 15:50 Uhr | dapd
Viele Chefs finden derzeit keine guten Lehrlinge. (Foto: ddp)
Jugendliche haben so gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz wie seit mehreren Jahren nicht mehr - wenn ihre Leistungen stimmen. Die Unternehmen wollen laut Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) dieses Jahr rund 40.000 Ausbildungsplätze mehr anbieten, doch sie bemängeln das schlechte Bildungsniveau einiger Bewerber. Wir erläutern, woran es hapert und wie die Firmen Abhilfe schaffen wollen.
Der Verband geht davon aus, dass die Zahl der Lehrlinge um fünf Prozent steigen wird. "Die Chancen der Jugendlichen auf einen Ausbildungsplatz sind glänzend", erklärte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben bei der Vorstellung der Umfrage unter 14.000 Unternehmen. Es müssten aber mehr lernschwächere Jugendliche in die betriebliche Ausbildung einbezogen werden. "Denn zur Realität auf dem Ausbildungsmarkt gehört 2011 auch, dass nach wie vor zu viele Jugendliche nicht ausbildungsreif sind", so Wansleben. Rund zwei Drittel der Betriebe mit offenen Plätzen gaben demnach an, keine geeigneten Bewerber gefunden zu haben.
Die Lage sei sogar schon so ernst, dass 70 Prozent der Betriebe nicht mehr ausschlössen, Ausbildungsstellen notfalls mit lernschwächeren Jugendlichen zu besetzen. Laut der DIHK-Umfrage bewerten die Betriebe die Mathematik- und Deutschkenntnisse der Jugendlichen etwas besser als zuletzt, von einem Durchbruch könne aber nicht die Rede sein. "Die Hoffnung der Wirtschaft auf eine bessere Ausbildungsreife der Schulabgänger erfüllt sich offensichtlich nicht", betonte Wansleben.
Die Betriebe stellten sich zunehmend auf Wissenslücken ihrer Lehrlinge ein: So sei der Anteil der Betriebe, die Nachhilfe anbieten, auf 56 Prozent leicht angestiegen. Es gebe viele Ausbildungsleiter in den Unternehmen, die sich am Freitagnachmittag mit ihren Lehrlingen zusammensetzten, um den Dreisatz nachzuholen, sagte Sybille von Obernitz, DIHK-Bereichsleiterin für berufliche Bildung.
Wegen der gestiegenen Anforderungen in vielen Berufen sei es aber auch der falsche Weg, die Anforderungen an die Bewerber abzusenken, erläuterte von Obernitz. Dennoch sei der Anteil der Unternehmen, die das Anforderungsniveau gesenkt hätten, von acht auf zwölf Prozent gestiegen. Im Osten seien es sogar 19 Prozent. Der Mangel an guten Auszubildenden werde durch den Geburtenrückgang deutlich verschärft. "Die Demografie schlägt voll zu", kommentierte Obernitz.
Nur ein Viertel der Unternehmen ist demnach bereit, gegen finanzielle Anreize lernschwache Jugendliche auszubilden. "Freikaufen ist nicht", sagte Wansleben. Eher schon seien Betriebe bereit, die schwächeren Bewerber zu nehmen, wenn diese eine hohe Sozialkompetenz mitbrächten - etwa im Gast- oder Hotelgewerbe.
Zunehmend stören sich die Unternehmen der DIHK-Umfrage zufolge auch an Erziehungsdefiziten der Bewerber. So mehren sich seit 2006 die Klagen über mangelnde Disziplin. Dieses Jahr stellten 48 Prozent der Unternehmen Disziplinprobleme fest, über mangelnde Belastbarkeit beschweren sich 45 Prozent der Befragten. Dabei gehe es um "Erziehungsprobleme, die sich vor allem die Eltern ins Stammbuch schreiben müssen", so Wansleben. Die Familien und der Staat müssten mehr für den Nachwuchs tun. "Wir müssen die Jugendlichen besser erziehen und besser schulisch ausbilden."
Quelle: dapd
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