17.06.2010, 10:14 Uhr | dpa
Überraschende Wende im Opel-Poker: Die US-Mutter General Motors wird die deutsche Tochter nun doch komplett aus eigenen Mittel sanieren, die Anträge auf Bürgschaften zog der Autobauer zurück. Einen weiteren Jobabbau soll es aber nicht geben. Das teilte der Autobauer überraschend am Mittwoch in Rüsselsheim mit. "Neue zeitaufwendige, komplexe Verhandlungen und eine weiterhin ungesicherte Finanzierung können wir uns nicht erlauben", begründete Opel-Chef Nick Reilly den Schritt. Lesen Sie mehr in unserer Chronologie: Eineinhalb Jahre Gezerre um Opel.
Zwar habe sich am Finanzbedarf von 3,3 Milliarden Euro für die Restrukturierung des Unternehmens nichts geändert. Mit der Entscheidung sei nun aber der Weg frei für eine schnelle Umsetzung des Zukunftsplans. Der Hersteller müsse weiter in neue Produkte und Technologien investieren. Dazu gehöre ein Investitionsprogramm über 11 Milliarden Euro für neue Produkte und Technologien.
Trotz des Verzichts auf Staatshilfe seien keine weiteren Werkschließungen oder Entlassungen geplant, sagte ein Opel-Sprecher. Er widersprach damit den zuletzt geäußerten Befürchtungen von Betriebsrat und IG Metall. Nach dem Sanierungsplan sollen europaweit 8300 der 48.000 Stellen abgebaut werden, möglicherweise könnten es aber auch weniger werden. Details würden an den jeweiligen Standorten mit den Arbeitnehmervertretern ausgehandelt. Zudem soll das Werk im belgischen Antwerpen geschlossen werden, um Überkapazitäten abzubauen. Der Autobauer hat in Deutschland Werke in Rüsselsheim, Bochum, Eisenach und Kaiserslautern.
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Erst vor einer Woche hatte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) den Antrag auf Bürgschaften des Bundes zurückgewiesen. Daraufhin hatten die Länder mit Opel-Werken Hilfen signalisiert. Bei einem Länder-Treffen am Dienstag in Frankfurt sagten die Staatssekretäre eine konstruktive Zusammenarbeit und eine zügige Bearbeitung möglicher Bürgschaftsanträge zu.
Angesichts der schwierigen Lage des Unternehmens und des schwachen Automarktes in Europa wollten Opel und GM nun aber keinen neuen langwierigen Prozess starten, sagte Reilly: "Die Entscheidung der deutschen Regierung letzte Woche war eine Enttäuschung für uns. Damit hat sich eine mögliche Sicherung von Bürgschaften aus Deutschland vermutlich um weitere Monate verzögert."
Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz zeigte sich am Mittwoch erleichtert: "Nach über eineinhalb Jahren Unsicherheit für die Beschäftigten und der Ablehnung von Bürgschaften durch die Bundesregierung übernimmt General Motors die volle und alleinige finanzielle Verantwortung für Opel." Damit habe GM Klarheit geschaffen und Spekulationen beendet, die zur Beschädigung der Marke Opel/Vauxhall beigetragen hätten. Der zwischen Management und Arbeitnehmern ausgehandelte Vertrag über Standort-, Beschäftigungs- und Investitionszusagen bleibe gültig. Darin hatte sich die Belegschaft zu einem Sanierungsbeitrag von jährlich 265 Millionen Euro bis 2014 über Lohnverzicht verpflichtet.
Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) begrüßte inzwischen den Verzicht von Opel auf Staatshilfen. "Ich fühle mich in meiner Entscheidung voll bestätigt", sagte er mit Blick auf seine Absage an eine Bundesbürgschaft vor wenigen Tagen. Dies zeige, dass sich marktwirtschaftliche Grundlagen auszahlten. Der Steuerzahler werde nun geschont. Zugleich werde für faire Wettbewerbsbedingungen gesorgt. Opel könne sich nun darauf konzentrieren, erfolgreich gute Autos zu bauen. Staatshilfen müssten die Ausnahme bleiben.
Kritik kam dagegen von der IG Metall. Der Frankfurter Bezirksleiter Armin Schild sagte: "Die Bundesregierung hat die Sicherung von Standorten, Investitionen und Beschäftigung voll umfänglich in den Sand gesetzt. Ich habe Verständnis dafür, dass sich das Unternehmen der imageschädigenden Debatte über seinen Antrag auf Bürgschaften hierzulande irgendwann entzieht."
Der Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer gibt der Marke derweil wieder gute Chancen, sich im Wettbewerb durchzusetzen. "Jetzt kann sich Opel wieder um den Markt kümmern und in Autos investieren", sagte Dudenhöffer der "Thüringer Allgemeinen" (Donnerstag). Durch gute Geschäfte vor allem in China und in den USA habe der Mutterkonzern General Motors ausreichend Kapital in der Kasse, um die Sanierung der deutschen Tochter selbst erfolgreich zu stemmen. Werkschließungen in Deutschland seien in den nächsten drei bis fünf Jahren nicht zu erwarten.
Nach dem Nein zu Bundeshilfen kann der Autobauer Opel nur noch auf den finanziellen Beistand der Bundesländer hoffen. zum Video
Quelle: dpa , t-online.de
Wolf de Mer schrieb:
am 16. Juni 2010 um 18:50:43
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GM - Poker
Die GM - Bosse sind eiskalte Zocker . Diese Pokerrunde war eingeplant
um die Karten der Bundesregierung zu sehen .In spätestens
einem Jahr
werden die Karten neu gemischt .Dann ist es aus mit mindestens 2 Opelwerken in Deutschland.
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Überzeugter schrieb:
am 16. Juni 2010 um 18:45:27
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Rückzug Bürgschaftsanträge
ich habe das erwartet, und fast darauf gewettet......
es ist typisch für Stamokap-Verhalten: erst mal sehen,
ob man dem "Volk, dem großen Lümmel" ( Heine) über die Finanzgewaltigen nicht erst paar Mrd.
aus dem Steuersack ziehen kann ( die Banken haben es doch vorgemacht),
wenn die Lobby nicht fest und vernetzt genug ist, oder die Bedingungen unpassend sind, dann werden die Konzerngewaltigen doch lieber die Moneten aus dem konterneigenen Vermögen nehmen.
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Zweifler schrieb:
am 16. Juni 2010 um 18:31:30
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Staatshilfen
Der Staat soll endlich aufhören sich von den Amis erpressen zu lassen. GM wird weiterhin alle Gewinne abführen und die
Verluste hier geltend machen. Diese Ja-sagenden Politiker ruinieren uns. Gott sei Dank hat GM den Verzicht auf Staatsh. angekündigt. GM schreibt gute Zahlen, das Unternehmen hat überhaupt keinen Anrecht auf Hilfe...
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