General Motors, Ford und Chrysler stehen am Abgrund. (Foto: dpa)Den amerikanischen Autobauern geht es schlecht. So schlecht, dass inzwischen sogar General Motors (GM) selbst von einer Pleite spricht, wenn nicht schnell frisches Geld in die Kassen kommt. Kapital vom Staat, auf das auch Ford und Chrysler hoffen. Um ihre Anliegen vor dem Kongress vorzutragen, sind die Spitzenmanager der "Detroit Three" deshalb erneut nach Washington gereist. Und zwar mit dem Auto. Zur ersten Anhörung vor zwei Wochen hatten sie noch ihre Privatjets genutzt.
Für die teuren Flüge in den Zeiten der Krise hagelte es massive Kritik und so wird der 800 Kilometer lange Trip in die Hauptstadt zum Bußgang. Zu einer Fahrgemeinschaft konnte man sich nicht durchringen, die Umweltkomponente wurde dennoch betont. Die Top-Manager fuhren mit Hybridwagen. Es geht ums Eingemachte und um Glaubwürdigkeit, was durch einen weiteren Umstand deutlich wird. Alle drei Vorstandsvorsitzenden wollen im Falle einer Rettung für ein symbolisches Jahresgehalt von einem Dollar arbeiten.
Umdenken in Detroit
Bei ihrer Reise im Gepäck haben sie dabei die Pläne für die Neuausrichtung ihrer Konzerne, die sie in der Vergangenheit verschlafen haben. Wohl auch deshalb räumte GM-Chef Rick Wagoner in seiner vorab veröffentlichten Stellungnahme Versäumnisse ein. Sein Unternehmen habe "Fehler" begangen. General Motors habe nicht rasch genug in spritsparende Modelle investiert. Als Schlüsselelemente des Sanierungsplans nannte Wagoner deshalb unter anderem verstärkte Investitionen in umweltfreundliche Modelle wie das Elektroauto Chevy Volt.
34 Milliarden Dollar Soforthilfe
Um diese Pläne umzusetzen, ersucht GM vor dem Bankenausschuss des Senats um Kredite von bis zu 18 Milliarden Dollar bis zum Ende des kommenden Jahres. Vier Milliarden davon will die Opel-Mutter noch im Dezember haben. Ford peilt nach den vorliegenden Plänen an, mit Unterstützung durch ein Staatsdarlehen von neun Milliarden Dollar bis 2011 wieder profitabel zu werden. Chrysler will durch eine Kapitalspritze von sieben Milliarden Dollar das Unternehmen stabilisieren. Alle Autobauer planen zudem hohe Investitionen in spritsparende Modelle.
Autobauer wären zur Fusion bereit
Auch eine Fusion der beiden Autobauer General Motors und Chrysler wird in Betracht gezogen. Sollte dies eine Bedingung für staatliche Hilfen sein, wäre er bereit, ernsthaft darüber nachzudenken, sagte GM-Chef Rick Wagoner vor dem Bankenausschuss des US-Senats. Auch Chrysler-Chef Robert Nardelli erklärte, er würde einen Zusammenschluss akzeptieren, wenn das eine Bedingung für die Staatshilfen sei. Nardelli rechnet mit Kosteneinsparungen zwischen acht und zehn Milliarden US-Dollar. Er wäre aber vermutlich der erste, der seinen Job verlöre, so der Chrysler-Chef. Die Herausforderung sei nun, Synergien zwischen zwei oder drei Autobauern zu heben.
Mehrheit noch nicht gesichert
Ungeachtet dieser guten Vorsätze und der Ausformulierung der Pläne gilt es weiter als fraglich, ob der Kongress die Milliardenhilfe schnell gewährt. In der Führung der Demokraten gebe es "wachsende Besorgnis", dass sie keine ausreichende Mehrheiten für die Verabschiedung eines Rettungspakets bereits in der nächsten Woche finden, berichtete die "New York Times" am Donnerstag. Hoffnung machte den Autobauern der Vorsitzende des Bankenausschusses, Chris Dodd. Der einflussreiche demokratische Politiker sprach sich für staatliche Hilfen aus. Untätigkeit bedeute, "russisches Roulette" mit der US-Wirtschaft zu spielen, erklärte Dodd.
US-Parteien tief zerstritten
Doch selbst wenn Dodd sich anders als bei der ersten Diskussion über das große Rettungspaket nicht als Störfaktor erweist, drohen politische Streitigkeiten über die die Finanzierung eine schnelle Lösung zu verhindern. Die Demokraten möchten die für eine Stabilisierung der Finanzbranche vorgesehenen 700 Milliarden Dollar zu Gunsten der Autobauer anzapfen. Die Republikaner wollen dagegen auf ein bereits bewilligtes Kreditpaket von 25 Milliarden Dollar zurückgreifen, das eigentlich für die Entwicklung sparsamerer Autos gedacht ist. Sollten dieser Streit nicht beigelegt werden, ist es für die Autoindustrie vielleicht bald schon zu spät.