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Automarkt: General Motors droht Opel mit der Insolvenz

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General Motors kündigt Job-Streichungen bei Opel an

05.11.2009, 09:45 Uhr | dpa-AFX, AFP, AP, dpa

GM droht Opel mit der Insolvenz (Foto: Reuters) GM droht Opel mit der Insolvenz (Foto: Reuters)Nach der Absage von General-Motors (GM) an den Opel-Magna-Deal fahren die Amerikaner scharfe Geschütze auf: So droht der Autokonzern der Opel-Belegschaft mit einer Insolvenz, falls die Verhandlungen über eine Sanierung der europäischen Tochter scheitern. "Es ist im Interesse der Gewerkschaften, mit GM eine Vereinbarung wie mit den potenziellen Investoren auszuhandeln", erklärte GM-Europa-Sprecherin Karin Kirchner. Der Opel-Betriebsrat hatte auf das Platzen des Opel-Magna-Deals mit der Ankündigung von Warnstreiks am Donnerstag reagiert. Derweil kündigte GM-Vize-Chef John Smith bei einer Telefonkonferenz mit Journalisten an, dass bei Opel etwa 10.000 Arbeitsplätze gestrichen werden sollen.

GM zeigt sich kampfbereit

Sprecherin Kirchner hatte zuvor noch erklärt, eine Insolvenz sei unnötig und wäre für alle Beteiligten unerwünscht. Allerdings zeigte sich der US-Autobauer kampfbereit und pokert nun mit der Angst der Opelaner um ihre Arbeitsplätze. Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz sieht die Opel-Standorte in Bochum, Kaiserslautern und Antwerpen "akut gefährdet". "Der nächste Schritt von General Motors wird sein, Regierungen und Beschäftigte in Europa zu erpressen", so Franz. Doch das will sich der resolute Gewerkschafter nicht gefallen lassen. Opel hat derzeit europaweit 50.000 Mitarbeiter, somit würde rund ein Fünftel der Belegschaft wegfallen, wenn es bei den Plänen der GM-Führung bleibt.

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Betriebsrat ruft zu Warnstreiks auf

Nach der erhofften und jetzt jäh gescheiterten Rettung in die Arme von Magna herrscht Frust in den Reihen der Gewerkschafter. Aus Protest gegen den abgesagten Verkauf wollen die knapp 55.000 Opel-Mitarbeiter in Europa mobilmachen. "Die Veranstaltungen beginnen in Deutschland und werden sich auf ganz Europa ausdehnen", sagte Franz. Zudem werde es keinen Beitrag der Beschäftigten zur Sanierung von Opel geben. Die Opelaner ließen sich von GM nicht erpressen. Und so verlangt der Betriebsrat die sofortige Auszahlung von gestundeten Tariferhöhungen und kassierte seine Zusage, mit dem Verzicht der Belegschaft auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld insgesamt 265 Millionen Euro jährlich einzusparen.

Experte sieht Warnstreiks kritisch

Der Autoexperte Stefan Bratzel sieht die geplanten Warnstreiks der Opel-Mitarbeiter einem Zeitungsbericht zufolge kritisch. Die Proteste seien zwar legitime Mittel des Arbeitskampfes, sagte der Leiter des Center of Automotive in Bergisch Gladbach der Tageszeitung "Die Welt" (Donnerstagsausgabe). "Aber die Betriebsräte müssen aufpassen, dass sie das Tischtuch mit GM nicht vollständig zerschneiden."

Experte malt düstere Opel-Zukunft

Eines steht fest: Auf die Opel-Beschäftigten kommen schwere Zeiten zu. Franz etwa hält den GM-Plan, Opel zu behalten und aus eigener Kraft zu sanieren, für unrealistisch. Werksschließungen und Massenentlassungen wären die Folge, lauten auch die Befürchtungen von Autoexperten. So sieht Ferdinand Dudenhöffer den geplatzten Verkauf von Opel äußerst kritisch. GM habe keinen Ansatz für das Europa-Geschäft und beginne erst jetzt, den "x-ten Restrukturierungsplan" für Opel auszuarbeiten. Dies geschehe mit enttäuschten Mitarbeitern, die nicht hinter dem Konzern stünden, mit einem geschwächten Management und hohen Verlusten. Es werde sehr schwer sein, für neue Produkte in Europa und USA Kredite zu erhalten. Damit werde das Produktprogramm auf Sparflamme laufen. Der weitere Verlust von Marktanteilen in Europa sei vorgezeichnet.

Werksschließungen möglich

"Denkbares Szenario" sei nun die Planinsolvenz von Opel mit Werkschließungen in Bochum, Kaiserslautern, Antwerpen und Standorten wie Eisenach und im britischen Ellesmere Port. Ein Restrukturierungsplan könne zwar Kosten kappen, aber nicht die fehlende Produktbreite bereit stellen. GM kämpfe gleichzeitig an zu vielen Fronten als schwaches Unternehmen mit abgenutzten Marken. Das Unternehmen fahre daher mit dem höchst möglichen Risiko.

Uneinigkeit unter Experten

Dies sieht der Autoexperte Willi Diez ein wenig anders: Für ihn ist Opel unter dem Dach des US-Mutterkonzerns am besten aufgehoben. "GM wird Opel in eine gute Zukunft führen", sagte Diez vom Institut für Automobilwirtschaft (Geislingen) der dpa. Er könne den weit verbreiteten Pessimismus nicht verstehen. "Ohne GM kann Opel nicht leben." Der Rüsselsheimer Autobauer sei alleine zu klein und brauche einen starken Partner. "Das kann nur General Motors sein - nachdem man Fiat einen Korb gegeben hat."

GM will Opel selbst sanieren

GM hatte in der Nacht zum Mittwoch den geplanten Verkauf von Opel an den Zulieferer Magna überraschend abgesagt. Der US-Mutterkonzern will das Europa-Geschäft rund um Opel nun selbst sanieren. GM begründete seine Entscheidung am Dienstagabend mit dem sich "verbessernden Geschäftsumfeld" und der Bedeutung Opels und der britischen Schwestermarke Vauxhall für die "globale Strategie" des Unternehmens. Noch im September hatte sich der GM-Verwaltungsrat für einen Verkauf Opels an den österreichisch-kanadischen Autozulieferer Magna und die russische Sberbank ausgesprochen.

Wechselbad der Gefühle

Das Drama um Opel wurde derweil am Abend um eine weitere Facette bereichert. Während die Opel-Mitarbeiter vor einer ungewissen Zukunft stehen, gewann der neue Astra noch vor seiner Markteinführung das "Goldene Lenkrad", das von "Auto Bild" und "Bild am Sonntag" verliehen wird. Der Astra war auf der IAA in Frankfurt vorgestellt worden und ist ab Dezember zu kaufen.



Quelle: dpa , AFP , dapd , dpa-AFX , t-online.de

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