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Automobilindustrie: Zulieferer lassen VW, Daimler und BMW hängen

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Zulieferer lassen Autobauer hängen

28.01.2011, 15:10 Uhr | Financial Times Deutschland

Die Produktion von VW Tiguan und Touran im Volkswagenwerk in Wolfsburg steht ab Montag still

Die Produktion von VW Tiguan und Touran im Volkswagenwerk in Wolfsburg steht ab Montag still (Quelle: imago)

Die Branche arbeitet an der Kapazitätsgrenze. Die Nachfrage nach Autos ist so groß, dass die Lieferanten kaum noch nachkommen - und VW die Bänder stoppen muss. Daimler-Chef Zetsche sieht bei einigen Firmen einen "Schluckauf". Denn die boomende deutsche Automobilbranche leidet unter Engpässen bei den Zulieferern. Wegen der enorm hohen Nachfrage vor allem aus China kommen die Lieferanten von Teilen für Motoren, Karosserien und Antriebe kaum noch nach.

Lieferindustrie sehr angespannt

VW muss deswegen am Montag die Bänder anhalten. Auch Konkurrenten wie Daimler stöhnen. "Die Lieferindustrie ist insgesamt sehr angespannt", sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche am Donnerstag in Bochum. "Da kämpfen alle. Die einen bisher erfolgreich, die anderen haben mal einen solchen Schluckauf."

Die Kapazitäten in der Zulieferindustrie seien aufgrund der Nachfrage ausgelastet, ergänzte ein Daimler-Sprecher. Der Konzern sei im engen Dialog mit seinen Lieferanten und sehe derzeit noch keine Auswirkungen auf die Produktion. Bei BMW gebe zwar hin und wieder Engpässe, sagte ein Sprecher. Diese könnten aber bislang noch ohne größere Schwierigkeiten überbrückt werden.

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Das Ziel ist klar: VW will die Nummer Eins unter den Autobauern weltweit werden. zum Video

Automobilindustrie: Probleme nicht neu

Die Nöte der Zulieferer sind nicht neu - spitzen sich aber zu. Im vergangenen Jahr gab es vor allem Engpässe bei den Chips für Multimedia-Anwendungen im Auto. Die Autobranche profitiert enorm vom Absatzboom in China und den USA - allen voran Volkswagen. Im vergangenen Jahr lieferte der Konzern weltweit erstmals mehr als sieben Millionen Fahrzeuge aus. Die Niedersachsen steigerten die Auslieferungen um 13,5 Prozent. Damit wuchs VW eigenen Angaben zufolge stärker als der Gesamtmarkt für Personenwagen, der um 11,3 Prozent zulegte.

"Es ist schon schmerzhaft, wenn man die Nachfrage nicht bedienen kann. Die schnelle und so massive Rückkehr auf den Wachstumspfad hat alle überrascht", sagt Professor Stefan Bratzel vom Center of Automotive in Bergisch Gladbach. Er sieht allerdings noch keine Gefahr für den Aufschwung. Bratzel verweist auch darauf, dass die Zulieferer wegen der Preispolitik der großen Hersteller und teilweise nicht eingehaltener Kapazitätszusagen unter Druck stehen - und darum knapp kalkulieren müssen.

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Ein Mangel an Bauteilen sorgt für eine 24 stündige Produktionspause für Golf, Touareg und Tiguan. zum Video

"Ein Fehler der Hersteller"

Dass die Bänder wegen Zulieferschwierigkeiten angehalten werden, sei alles andere als alltäglich, sagte Willi Diez, Professor am Institut für Automobilwirtschaft an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen. "Es ist vor allem ein Fehler der Hersteller." Diese hätten mit falschen Prognosen geplant.

2009, als die Kapazitäten für die aktuelle Produktion geschätzt wurden, hätten viele in der Branche damit gerechnet, dass es erst ab diesem oder nächstem Jahr wieder mit den Autoverkäufen aufwärts gehen würde. Doch der Boom kam viel früher. Die Gefahr, die nächsten Monate abermals falsch einzuschätzen, sei groß. Es drohten Überkapazitäten, wenn nun zu viel aufgestockt würde. "Die Branche ist derzeit extrem optimistisch", sagte Diez.

Was der Stopp für VW bedeutet

Am Montag fallen bei VW alle drei Schichten im Stammwerk Wolfsburg aus. Einige Lieferanten seien nicht in der Lage, die Fabrik ausreichend mit Teilen zu versorgen, sagte ein Sprecher. Auch die hauseigene Motorenproduktion komme mit bestimmten Aggregaten nicht hinterher. Kürzlich habe auch eine Sonderschicht an einem Samstag abgesagt werden müssen. Der Stillstand bei VW ist schmerzhaft, denn die Absatzzahlen springen derzeit von Rekord zu Rekord, und manche Modelle haben monatelange Lieferfristen. Normalerweise rollen in Wolfsburg täglich 3000 Fahrzeuge von den Bändern.

Bis 2018 soll die Jahresproduktion auf über zehn Millionen Fahrzeuge steigen. Spätestens dann will der Wolfsburger Konzern weltgrößter Autobauer sein und den japanischen Rivalen Toyota bei Absatz und Profitabilität überholen.

Golf, Touran und Tiguan betroffen

Mit der eintägigen Produktionspause will VW den Zulieferern Zeit verschaffen, um mit der Teilevorsorgung nachzukommen. Betroffen ist die Produktion des Topsellers Golf sowie des kleinen Geländewagens Tiguan und des Familienautos Touran. "Mit diesem arbeitsfreien Tag zu Beginn der Zeugnisferien in Niedersachsen wird die Materialversorgung des Werkes stabilisiert", sagte ein Sprecher. Das Stammwerk exportiert viele Autos nach Übersee.

Welche Teile genau knapp sind, wollte der Sprecher nicht sagen. Es gehe aber um Produkte sowohl von Zulieferern als auch aus der eigenen Komponentenproduktion. Alle Lieferanten des Werkes erfüllten ihre Verpflichtungen voll. Aber die große Nachfrage nach VW-Autos führe dazu, dass "am Limit" produziert werde. VW hatte im Herbst ein großes Investitionsprogramm angekündigt. Der Konzern baut beispielsweise in Wolfsburg die Tiguan-Produktion aus und errichtet in Mexiko ein neues Motorenwerk.


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Kommentare (195)

zum Forum

Thema: "Automobilindustrie: Zulieferer lassen VW, Daimler und BMW hängen"

gl schrieb: am 31. Mai 2011 um 16:17:42
(2) (0) Zuliefere
alles ganz einfach, keine Lagerbestände und sofortige Lieferungen gewünscht, bei den Rohmateriallieferanten, Zulieferern und bei
den Herstellern selbst, falsche Bedarfsberechungen,Stammpersonal entlassen mit Zeitarbeitern wieder aufgestockt, für jedes Problem ein Projektmanager der frisch von der Uni kommt und kein Näschen für den markt hat. usw, usw.
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Michael schrieb: am 14. Februar 2011 um 19:28:51
(1) (0) Engpässe
Ich hoffe das ihr lange durchhalten könnt. Es werden Gewinne erziehlt, doch Zulieferer immer weiter gedrückt.

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Hans Willi schrieb: am 29. Januar 2011 um 08:00:18
(1) (0) Zulieferer
Ich arbeite auch bei einem der Zulieferbetriebe . Allerdings über die Zeitarbeit zu 8,20 Euro die Stunde. Der Stammbelegschaft
hat man im letzten Jahr das Urlaubs - und Weihnacgtsgeld komplett gestrichen. Ausserdem sind von 120 Stellen 40 abgebaut worden über Altersteilzeit usw. Dafür werden jetzt Zeitarbeiter eingestellt,um der hohen Nachfrage gerecht zu werden. Am Wochenende werden Sonderschichten gefahren,aber mit Freizeitausgleich. Es wird überall gespart trotz guter Auftragslage.
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