Eine Mitarbeiterin im Werk von Elring Klinger. (Foto: dpa)Die Konjunktur zieht wieder an und die gebeutelten Unternehmen sortieren sich neu: Viele Autozulieferer mussten in der Krise aufgeben. Die, die noch übrig sind, nutzen die tiefen Preise schon wieder für Zukäufe - zumal die Private-Equity-Branche als Bieter ausfällt.
Der Absturz der Autonachfrage hat nicht nur viele Hersteller an den Rand ihrer Existenz gebracht, vor allem ihre Zulieferer haben das Problem zu spüren bekommen. Nachdem die schlimmste Absatzkrise der Nachkriegszeit die Branche monatelang in Schockstarre versetzt hat, wagen nun die ersten Chefs dieser Unternehmen wieder etwas. Einer von ihnen ist Stefan Wolf. "Wenn es uns was bringt, dann kaufen wir weiter zu", sagt der Chef des Automobilzulieferers Elring Klinger.
Zukünftiges Wachstum sichern
Erst vergangene Woche hat er wieder zugeschlagen. Der türkische Konkurrent Ompas ist jetzt Teil des schwäbischen Unternehmens. Eine lohnende Investition, findet der Firmenchef. Obwohl die Geschäftsaussichten durchwachsen bleiben und der Umsatz in den ersten neun Monaten um ein Fünftel auf 419 Millionen Euro gesunken ist, müsse er künftiges Wachstum sichern - und investieren. Immerhin nehmen die Aufträge nehmen wieder etwas zu, gab Elring Klinger bei Vorlage seiner Quartalszahlen bekannt. Das weckt Zuversicht.
Günstige Gelegenheit
"Vor allem bei kleineren Übernahmen sehen wir ganz klar einen Zuwachs", sagt Norbert Eisenberg vom Managementdienstleister Atreus, der vor allem für Unternehmen der Autoindustrie arbeitet. Die Nachrichten der vergangenen Wochen geben ihm recht. Zulieferer wie Elring Klinger, Webasto oder Mahle geben wieder Millionen für Übernahmen aus. "Die Gelegenheit ist günstig", sagt Eisenberg. Wegen der Finanzkrise scheidet die Private-Equity-Branche derzeit als Gegenbieter aus. Sie hat Probleme, neue Fonds aufzulegen, da geldpotente Anleger das Risiko scheuen. Vor eineinhalb Jahren noch hatte sie, vollgepumpt mit geliehenem Geld, die Übernahmepreise nach oben getrieben. Interessenten aus der Industrie zogen oft den Kürzeren.
Banken positiv gestimmt
Jetzt sind diese wieder am Zuge - sofern sie Geld bekommen. Denn nicht alle haben so viel Glück wie die Firma Webasto aus dem bayerischen Stockdorf, die für einen zweistelligen Millionenbetrag die Cabriodachsparte des insolventen Zulieferers Edscha übernimmt. Vier Banken gaben eine Finanzierungszusage ab. Für Stefan Niemand, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Dr. Wieselhuber & Partner, ist das kein Wunder. "Die Eigentümer von Webasto haben jahrelang keine Gewinne aus dem Unternehmen entnommen." Die Kassen seien gefüllt, für die Banken das Risiko überschaubar.
Geld auf der hohen Kante
Die Schwaben von Elring Klinger haben ebenfalls Geld auf der hohen Kante und können den einstelligen Millionenbetrag für die Übernahme von Ompas sogar aus der Portokasse stemmen. "Wir haben unsere Lagerbestände in den vergangenen Monaten deutlich zurückgefahren", sagt Firmenchef Wolf. Dadurch wandelte sich das in teurem Material gebundene Kapital zu barem Geld. Ende September wuchsen die operativen Cashflow-Reserven auf 96 Millionen Euro. "Wir haben bei Banken auch Kreditlinien offen, die wir nutzen könnten", so Wolf. Für eine Übernahme, die seine Firma stärker macht, würde er das auch tun.
Gewappnet für das Krisen-Ende
Ompas stellt genau wie Elring Klinger Hitzeschutzschilde für Motoren her. Die Übernahme stärkt das Dettinger Unternehmen auf dem Wachstumsmarkt Türkei. "Das ist besser, als dort eine neue Produktion aufzubauen", sagt Wolf. Am Standort in Bursa haben sich wichtige Kunden wie Hyundai und Ford angesiedelt. Den Umsatz der türkischen Tochter will Elring Klinger von drei auf zehn Millionen Euro steigern. Die Firma wappnet sich für die Zeit nach der Krise. Das tut auch Mahle. Das Stuttgarter Stiftungsunternehmen verhandelt zwar über den Abbau von knapp zehn Prozent seiner 8800 Stellen in Deutschland. Dennoch kaufte es vergangene Woche das Autogeschäft des österreichischen Zulieferers KTM-Kühler samt seiner 120 Beschäftigten.
Medaille hat zwei Seiten
Durch die intelligente Thermotechnologie der Österreicher lässt sich der CO2-Ausstoß von Motoren senken. Ein Geschäftsfeld der Zukunft, das der Kolbenspezialist ausbauen will. "Für Firmen mit ausreichend Cash sind tolle Technologien derzeit günstig zu haben", sagt Reimar Scholz von der Münchner Holding Bavaria Industriekapital, die in automobilnahen Branchen investiert. Jedoch sind es nicht immer rein wirtschaftliche Gründe, die Firmen zu Übernahmen bewegen, weiß Managementdienstleister Eisenberg. So drängen Autohersteller ihre Zulieferer auch gern mal, marode Konkurrenten zu übernehmen, deren Teile sie dringend brauchen, um weiter Fahrzeuge fertigen zu können.