11.02.2011, 17:11 Uhr | Christian Ebner, dpa
Der Aufstieg auf den währungspolitischen Olymp blieb ihm versagt: Axel Weber wird nicht Präsident der Europäischen Zentralbank, so viel steht eigentlich schon seit Mittwoch fest, seit Freitag ist es amtlich. Der selbstbewusste Volkswirtschaftsprofessor beendet seine Zentralbank-Karriere Ende April nun selbst.
Doch ob sie ihn je auf den EZB-Chefsessel getragen hätte, war in den vergangenen Monaten immer fraglicher geworden, denn seine Bilanz nach sieben Jahren an der Spitze der Bundesbank fällt zwiespältig aus. Als währungspolitischer Hardliner hatte sich der 53 Jahre alte Weber bei Bundesregierung, deutscher Bevölkerung und auch im EZB-Rat zu Beginn seiner Amtszeit viel Respekt und Ansehen erworben. Doch ausgerechnet als es in der Griechenlandkrise um das Währungssystem als Ganzes ging, konnte der Vertreter der größten europäischen Volkswirtschaft keine Lösungen anbieten.
Seine Kritik gegen die von Franzosen und Deutschen betriebene Aufweichung des Stabilitätspaktes teilten noch EZB-Präsident Jean-Claude Trichet und viele andere Währungsexperten. Doch Webers Kampf gegen den massenhaften Aufkauf von Anleihen kränkelnder Euro-Staaten wurde immer einsamer. Nichtstun hätte möglicherweise den Euro gekippt, Ökonomen halten Weber in dieser Frage politisches Versagen vor. Mangelndes diplomatisches Geschick und seine entschiedene Opposition gegen gemeinsame Euro-Anleihen machten ihn endgültig zum Albtraum-Kandidaten der Franzosen für den EZB-Chefsessel.
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Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nervte Weber zuletzt mit Dauerfeuer gegen die deutsch-französischen Pläne zur künftigen Gestaltung des Euro-Raums. Auch vor Kritik an seinen jeweiligen Finanzministern hat sich der Zentralbanker nie gescheut. Möglicherweise war der schwindende Rückhalt in der Koalition für seine EZB-Kandidatur der eigentliche Grund für Webers Rückzug.
Die Zukunft des Volkswirtschaftsprofessors ist noch unklar. Immer wieder wird für den internationale sattelfesten Währungsexperten ein Chefposten bei der Deutschen Bank ins Spiel gebracht, in einer Art Doppelspitze mit dem indisch-stämmigen Investmentbanker Anshu Jain als Nachfolger von Josef Ackermann. Für den Aufstieg an die Spitze des größten deutschen Geldhauses müsste Weber voraussichtlich eine Abkühlungszeit hinnehmen, deren Länge von bis zu zwei Jahren vom Vorstand der Bundesbank festzulegen ist. Ackermann räumt seinen Posten spätestens 2013.
Quelle: dpa , t-online.de
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