Banken misstrauen sich und bringen ihr Geld zur EZB
20.09.2011, 13:47 Uhr | dpa-AFX, dapd, sky
Der Eurotower in Frankfurt (Foto: dpa) Die Banken misstrauen sich immer mehr: Die Einlagen der Kreditinstitute im Euroraum bei der Europäischen Zentralbank sind am Dienstag wieder deutlich gestiegen. Insgesamt parkten die Banken über Nacht 144,8 Milliarden Euro bei der Notenbank, wie die EZB in Frankfurt mitteilte. Zu Wochenbeginn hatte die Summe noch bei 111,5 Milliarden Euro gelegen.
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Banken parken Geld bei der EZB
Die eintägigen Einlagen liegen damit deutlich über ihrem üblichen Jahresdurchschnitt. Eigentlich ist das Deponieren von Geld bei der EZB recht unattraktiv: Für die Einlagen erhalten die Banken einen nur geringen Zins von aktuell 0,75 Prozent. Kurzfristige Mittel verleihen die Banken daher normalerweise lieber untereinander am sogenannten Interbankenmarkt.
Die Ausleihungen der Geschäftsbanken bei der EZB sanken unterdessen leicht von 1,2 Millionen auf rund eine Million Euro. Normalerweise leihen sich die Banken nur ungern kurzfristige Mittel bei der Notenbank, da sie dafür einen hohen Zins von derzeit 2,25 Prozent zahlen müssen.
Die eintägigen Einlagen und Ausleihungen der Banken bei der EZB sind somit ein Indikator für die Skepsis der Institute untereinander. Damit wiederholt sich der gleiche Effekt wie in der Finanzkrise nach dem Lehman-Crash: Aus Angst vor einem Umkippen des Geschäftspartners froren auch damals die Banken die Kreditvergabe untereinander weitgehend ein.
Derweil wurde bekannt, dass auch die Industrie zunehmend den Banken misstraut. So hat der Münchener Industriekonzern Siemens offenbar schon vor dem jüngsten Bankenstresstest im Juli Einlagen bei der französischen Bank Société Générale abgezogen, sagte ein Insider der Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires. Außerdem hat der Mischkonzern laut einem Bericht der "Financial Times" vor zwei Wochen Guthaben mehr als eine halbe Milliarde Euro aus einer französischen Bank abgezogen und bei der EZB angelegt.