
18.10.2011, 07:30 Uhr | Financial Times Deutschland
Die Debatte um eine Zwangskapitalisierung der europäischen Institute ist noch nicht abgeschlossen, da kommt bereits ein neuer, radikaler Vorschlag auf: die Abtrennung des Investmentbankings vom klassischen Kundengeschäft. Damit greifen die Politiker eine alte Idee wieder auf.
Die Bundesregierung ist offen für eine Debatte über die Aufspaltung von Banken. Dabei geht es um eine Abtrennung des Investmentbankings vom klassischen Filial- und Kreditgeschäft. Nach Angaben des Finanzministeriums ist die Bundesregierung bereit, "auf internationaler Ebene intensiv" über solche Schritte zu beraten. Es gebe bereits interessante Ansätze wie einen Vorschlag aus Großbritannien, sagte ein Sprecher. Allerdings sehen die auf der Insel diskutierten Ideen keine Zerschlagung, sondern einen stärkeren Schutz des Privatkundengeschäfts innerhalb der Institute vor.
Das Finanzministerium reagiert damit auf einen Vorstoß des SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel, der im "Spiegel" die Trennung von Investmentbanking und Geschäftsbanken gefordert hatte. "Jeder Mittelständler, der einen Kredit braucht, wird morgen in Schwierigkeiten kommen, wenn eine Bank pleitezugehen droht, weil sie sich im Investmentbanking verzockt hat." Der finanzpolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Klaus-Peter Flosbach, nannte Gabriels Idee in der "Frankfurter Rundschau" einen "Holzhammervorschlag".
Die deutsche Politik greift mit der Debatte eine alte Idee auf, die vor allem in den USA und Großbritannien nach dem Kollaps der US-Investmentbank Lehman Brothers wieder aufgekommen war. Historisches Vorbild ist der amerikanische Glass-Steagall-Act. Das Gesetz war 1933 als Reaktion auf die Große Depression verabschiedet worden. Es schrieb die Trennung zwischen Geschäfts- und Investmentbanken vor. Konsequenz war die Aufspaltung von JP Morgan in die Morgan Bank, später Morgan Guaranty Trust, und die spätere Investmentbank Morgan Stanley. 1999 war die Regelung unter dem damaligen Präsidenten Bill Clinton wieder abgeschafft worden.
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Seit der Finanzkrise sind die Argumente, die hinter dem Glass-Steagall-Act standen, wieder aktuell. Befürworter wollen durch eine Aufspaltung verhindern, dass Kundeneinlagen durch riskante Geschäfte bedroht werden. Im Krisenfall müssten die Banken gerettet werden, weil etwa die Ersparnisse von Privatkunden in Gefahr sind – womit der Steuerzahler letztlich risikoreiche Aktivitäten der Geldhäuser mit stützt.
Eine Aufspaltung der Banken würde allerdings der gängigen Theorie der vergangenen Jahrzehnte zuwiderlaufen, wonach Banken dadurch sicherer werden, dass sie sich nicht auf einzelne Aktivitäten wie das Privatkundengeschäft konzentrieren, sondern verschiedenste Aktivitäten verfolgen. Durch diese Diversifizierung können die Institute schlechte Phasen besser überstehen, weil gute Ergebnisse aus einem Segment Schwächen in einem anderen ausgleichen können. Die jüngsten Zahlen der US-Bank JP Morgan Chase, die das Wall-Street-Haus vergangene Woche vorlegte, liefern ein Beispiel dafür: Solide Zahlen aus dem Privatkundengeschäft halfen, die Flaute im Kapitalmarktgeschäft abzufedern.
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Kritiker argumentieren zudem, ein Trennbankensystem hätte die Zusammenbrüche von Häusern wie Bear Stearns oder Lehman Brothers auch nicht verhindert. Nicht alle Aktivitäten, die in der Kapitalmarktsparte zusammengefasst sind, sind zudem besonders risikant – zu diesem Geschäft gehören etwa auch Emissionen von Aktien oder Anleihen für Unternehmen.
Politiker in den USA und Großbritannien haben daher andere Wege eingeschlagen, um wenig risikolastige Sparten besser von anderen abzuschirmen. In den USA etwa werden die Geschäfte der Banken auf eigene Rechnung stark eingeschränkt, sie dürfen beispielsweise nur noch in sehr abgespecktem Umfang in Hedge Fonds und Private-Equity-Fonds investieren. Pläne einiger Politiker für radikalere Schritte wurden nicht verabschiedet. Die Details der Regelung, die Teil der großen Finanzmarktreform ist, werden noch erarbeitet.
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In Großbritannien hat eine von der Regierung eingesetzte Kommission vorgeschlagen, die einzelnen Sparten der großen Institute künftig jeweils mit Eigenkapital zu unterlegen, damit etwa das Privatkundengeschäft besser geschützt ist und ein Bank Run verhindert wird. Die Regierung muss über den Umgang mit den Empfehlungen noch entscheiden, hat aber angekündigt, ihnen folgen zu wollen.
Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) macht sich indes ebenfalls für eine Zerschlagung der Großbanken stark. Sie erhofft sich davon, die Risiken auf den internationalen Finanzmärkten zu minimieren, die Kreditvergabe zwischen den Geldhäusern zu fördern und das Problem der marktbeherrschenden Banken zu lösen, die wegen ihrer Stellung im weltweiten Getriebe als systemrelevant gelten und bei einer Pleite für schwere Turbulenzen sorgen können.
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Quelle: Financial Times Deutschland
Augur schrieb:
am 17. Oktober 2011 um 21:42:29
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ZZerschlagung der Großbanken
Gabriel, der Finanzexperte??? Doch wohl eher der Exponent einer Partei, die
seit jeher nur Geld ausgeben und
verteilen, aber nicht verdienen kann. Armes
Deutschland, wenn dieses Großmaul Kanzler werden sollte.
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Rainer schrieb:
am 17. Oktober 2011 um 21:40:31
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Banken-Lobbyisten vor
Solange Hr.Ackermann im Kanzleramt Geburtstag feiert,wird sich nicht's ändern.Unsere Fachleute in der
Regierung,sind auch auf dem Gebiet der Finanzen, absolute Autisten. Das Trennbankensystem hatten wir schon mal und das nicht grundlos,weil Zocker sollten Pleite gehen können.Regieren die im Kanzleramt wirklich,oder ist das nur noch Theater?
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Wolfgang Marx schrieb:
am 17. Oktober 2011 um 21:38:42
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Drängen unsere Politiker den Banken Staatshilfen auf ?
Manchmal hat man den Eindruck dass sich unsere Politiker darum reißen, den Banken
Geld hinterher zu werfen. Aber warum entsteht dieser Eindruck ? Wollen die die Banken nur am Leben erhalten weil sie beim nächsten Haushalt wieder eine weitere Neuverschuldung einplanen und dazu wieder Kredite gegen Staatsanleihen benötigen? Dürften Staatsausgaben immer nur maximal so hoch sein wie die Einnahmen würde kein neues Geld gebraucht. Und dann würde der Staat die Banken auch nicht brauchen.
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