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Banker fliehen aus London in die Mongolei

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Banker nach Mosambik

31.05.2011, 14:46 Uhr | Financial Times Deutschland

Der Finanzdistrikt in London (Foto: imago) (Quelle: imago)Der Finanzdistrikt in London (Foto: imago) Investor in der Mongolei, Ferienlodge-Betreiber in Mosambik oder Inhaber eines Burrito-Shops in London: Die Internetseite "Escape the City" will Bankern beim Ausstieg aus dem Berufsalltag helfen. Sie ist so erfolgreich, dass das Londoner Start-Up einen Ableger in New York bekommt.





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Vom Banker zum Kneipier

Wer genug hat vom Leben als Banker in der Londoner City, dem hilft das britische Onlineportal "Escape the City". Die Jobbörse soll Ausstiegswilligen auf der Suche nach ganz anderen Betätigungsfeldern und Abenteuern helfen. Die Beispiele für erfolgreiche Aussteiger sind dabei bemerkenswert. In der Kategorie "Heroes" finden sich Geschichten wie Frank Yeung, der seinen Job als Händler bei Goldman Sachs kündigte, nachdem er seinen Bonus im Januar 2009 kassiert hatte. Er gründete "Poncho No. 8", eine Burrito-Bar im Londoner East End. Gegenwärtig denkt er darüber nach, Mitarbeiter über "Escape the City" anzuheuern.

Das Unternehmen, das Rob Symington und Dom Jackman seit ihrem Weggang von Ernst & Young im Jahre 2009 gründeten, hat bereits über 30.000 registrierte Mitglieder. "Sie locken Leute an, die gebildet und intelligent sind und etwas mehr aus ihrem Berufsleben machen wollen", sagt Yeung. "Es gibt mehr und mehr Ernüchterung gegenüber der traditionellen Unternehmenswelt."

Von der City in die Mongolei

Harry Minter tauschte den Job beim Hedge Fonds Headstart Advisers, um die Lodge am Guludo Strand in Mosambik zu managen, nachdem er den Job auf "Escape the City" entdeckt hatte. "In der City kommt man auf Trab und knüpft Kontakte. Aber was störte, war das Gefühl, dass unsere Arbeit - beispielsweise die Zusammenstellung von Spreadsheets - für niemanden wichtig war, auch nicht unsere Kunden oder Mitarbeiter", sagt Minter.

Karen Ho hörte auf, als Investmentbankerin zu arbeiten, um ein Fisch-Spa zu eröffnen. Dabei übernehmen spezielle Karpfen die Pflege der Besucher. Will Tindall fand eine Stelle als PR-Chef bei Asia Pacific Investment Partners, die in Unternehmen aus der Mongolei investiert. Er hat in diesem Jahr einen Chef für das Tagesgeschäfts über die Website angeheuert und sucht noch nach einem Mann für die Finanzen. "Die Leute, die sich 'Escape the City' anschauen, haben in der Regel Unternehmergeist oder wollen etwas ganz anderes machen", berichtet Tindall. "Die Mongolei ist nicht der leichteste Platz, um Geschäfte zu machen."


Expansion in die USA

Angesichts des Erfolges geht die Internetseite geht im Juni auch in die USA an den Start. Mike Howe, ehemals bei Merrill Lynch, will in New York unzufriedenen Finanzprofis an der Wall Street beim Ausstieg aus ihrem Job helfen. Der 26-jährige frühere Vermögensverwalter startet seinen Ableger des britischen Online-Startup im Juni.

"'Escape the City' wurde speziell geschaffen, um talentierten Leuten beim Ausstieg aus unbefriedigenden Jobs im Unternehmenssektor zu helfen. Wir haben festgestellt, dass unsere Stimmung aus Trübsal und Frustration auf der Arbeit von vielen anderen geteilt wird", berichtete Symington in einem Interview in London. "Wir sind auf diese Geschäftsidee gestoßen, nachdem wir aus der unterstellten Arbeitsunzufriedenheit die logische Schlussfolgerung gezogen haben."

Im Londoner Finanzsektor arbeiten derzeit 318.000 Menschen, immer noch zehn Prozent weniger als 2007. Seither ist das Wachstum schwach, so das Centre for Economics & Business Research. Die Bonuszahlungen der Banker wurden mit Steuern belegt und von den Politikern begrenzt, nachdem Royal Bank of Scotland und Lloyds Banking  2008 mit Steuergeldern hatten gerettet werden müssen.

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Unzufriedene Banker auf Sinnsuche

"Ich habe wohl noch nie mehr Leute getroffen als im Bankensektor, die äußerst qualifiziert, aber höchst unglücklich sind, außer wenn es ums Geld geht", erläutert Peter Hahn, früher bei der Citigroup  beschäftigt und nun Dozent für Finanzen bei der Cass Business School in London. Die Internetseite "wird wohl für Leute interessant sein, die ihre finanziellen Verbindlichkeiten wie Studentenkredite abbezahlt, aber noch keine Familie gegründet haben. Es handelt sich um eine erhebliche Gruppe, allerdings in einer Nische", sagt Hahn.

"Escape the City" bewirbt Jobs, die die Kriterien Abenteuer und Unternehmertum verbinden, sagt Symington. Die Firma erzielte bereits im ersten Jahr Gewinn und vermarktet sich über wöchentliche E-Mails mit Job-Angebote, die von indischer Mikrofinanz bis zu marokkanischen Surfcamps reichen. Außerdem gibt es Abendveranstaltungen, bei denen Abenteurer die zahlreichen Anwesenden mit Geschichten von Skateboard-Trips quer durch Australien oder eine Fahrradtour rund um die Welt unterhalten.

"Escape the City" könne in den USA "sehr erfolgreich sein", sagt Pamela Slim, Autorin des Buches "Escape from Cubicle Nation: From Corporate Prisoner to Thriving Entrepreneur". "Die Menschen wollen eine sinnvollere Arbeit, und 'Escape the City' liefert echte, tatsächliche Alternativen", sagt Slim, die zuvor bei Barclays Global Investors arbeitete und Unternehmen wie Hewlett-Packard  in Managementfragen beraten hat.

US-Gründer Howe ist zuversichtlich, dass das Konzept auch in den USA Anklang finden wird. "Die amerikanische Lebenseinstellung ist ja sehr unternehmerisch. Das Wachstumspotenzial könnte riesig sein", sagt der Brite, der seine Kindheit in New York verbracht hat. Nicht zuletzt könnten Unternehmer in den USA auf breite Unterstützung zählen.


Quelle: Financial Times Deutschland

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