Sprit immer teurer (Foto: dpa) Der jüngste Preissprung beim Öl hat auch die Kraftstoffpreise an den deutschen Tankstellen wieder auf Rekordniveau getrieben. Wie der ADAC am Mittwoch in München mitteilte, mussten Autofahrer am Dienstag im Schnitt 1,528 Euro für einen Liter Super zahlen. Das waren 2,5 Cent mehr als noch in der Vorwoche. Auch der Preis für Diesel legte weiter zu, allerdings nur um 0,6 Cent pro Liter. Diesel kostete damit am Dienstag im bundesweiten Schnitt knapp 1,50 Euro. Die Differenz zwischen beiden Sorten hat sich damit wieder vergrößert. Im Mai hatte der Diesel-Preis an drei Tagen höher gelegen als der Preis für Super. Begründet werden die Preisaufschläge mit den hohen Einkaufskosten in Rotterdam.
Der US-Ölpreis war am Dienstag nach Vortagesverlusten vorübergehend wieder gestiegen. Ein Barrel (159 Liter) der der maßgeblichen US-Rohöl-Sorte WTI zur Auslieferung im Juli kostete am Nachmittag zeitweise gut 137 Dollar, rutschte dann aber recht deutlich Richtung 130 Dollar. Am Mittwoch pendelte der WTI-Preis um 133 Dollar. Am vergangenen Freitag war die WTI-Notierung nach dem größten Preissprung seit Aufnahme des Handels auf einen Rekordstand von 139,12 Dollar geklettert. Die Internationale Energieagentur (IEA) senkte unterdessen ihre Prognose für die weltweite Ölnachfrage in diesem Jahr erneut leicht. Die Nachfrage-Prognose für 2008 sei um 80.000 Barrel pro Tag auf nunmehr 86,8 Millionen Barrel pro Tag reduziert worden, teilte die IEA mit. Vor allem die hohen Ölpreise würden die Ölnachfrage voraussichtlich belasten.
Energieagentur: Preise bleiben hoch
Die IEA erwartet allerdings nicht, dass die Preise stark zurückgehen: "Angebot und Nachfrage entwickeln sich in unterschiedliche Richtungen. Das Angebot schwächelt, die Nachfrage bleibt hoch, was den Ölpreis nach oben treibt. Zwar wird sich die Balance über die Sommermonate verbessern, die Spannungen werden aber nicht verschwinden", schrieben die Experten in ihrem Monatsbericht. Zum ersten Mal nach langer Zeit wies die IEA auch auf die Möglichkeit hin, Öl aus den strategischen Reserven auf den Markt zu geben. "Angesichts der Tatsache, dass die Ölexporteure nahezu am Kapazitätslimit pumpen, sollten die Marktakteure mit Blick auf die Reserven Mut fassen. Die IEA verfolgt die Entwicklung sehr genau und ist bereit, auch schnell zu handeln."
Der Preis für Rohöl der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) hat unterdessen zum Wochenbeginn die neue Rekordhöhe von 130,87 Dollar für ein Barrel (159 Liter) erreicht. Damit kostete ein Barrel aus den Fördergebieten des Kartells 4,76 Dollar mehr (126,11 Dollar) als am Freitag, teilte das OPEC-Sekretariat am Dienstag mit. Die OPEC berechnet ihren Korbpreis auf der Basis 13 wichtiger Sorten des Kartells.
Krisen-Treffen der OPEC-Minister
Angesichts der anhaltenden Rekordjagd der Ölpreise hatte am Montag das ölreichste Mitglied der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC), Saudi-Arabien, ein Öl-Krisentreffen vorgeschlagen. Daran sollen sich sowohl Förderstaaten als auch importierende Länder und Öl-Firmen beteiligen. Commerzbank-Experte Eugen Weinberg zeigt sich hingegen pessimistisch: "Wir erwarten von der Sitzung oder sogar von einer eventuellen Anhebung lediglich einen psychologischen Effekt." Letztendlich sei diese Hausse nicht auf die Knappheit am Ölmarkt zurückzuführen. Die höhere OPEC-Produktion und die steigenden Lagerbestände dürften laut Commerzbank aber die Ängste vor einer Verknappung des Ölmarktes dämpfen, die ausschlaggebend für den jüngsten Anstieg gewesen seien.
Übersicht-
Diesel-Preis in zehn Jahren verdoppelt
Laut Berechnungen des Statistischen Bundesamtes hat sich der Preis für Diesel an den Zapfsäulen in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Der Preisauftrieb war deutlich höher als bei Benzin und Super-Kraftstoff, die zwischen 1998 und 2007 um knapp 69 bzw. 66 Prozent teurer wurden. Die jüngsten Preissteigerungen der vergangenen Monate sind in dieser Statistik bis Ende 2007 noch nicht enthalten. Trotz der steigenden Kraftstoff-Preise sind die als verbrauchsarm geltenden Diesel-Fahrzeuge immer beliebter geworden. 1998 war noch mehr als die Hälfte (56 Prozent) des verbrauchten Kraftstoffs Benzin, 2007 hatte Diesel mit einem Anteil von 55 Prozent die Nase vorn.
Aus Protest gegen die hohen Mineralölpreise blockierten am Dienstag in Spanien Lastwagenfahrer mehrere Autobahnen in der Umgebung von Madrid. Unterdessen verhandelte die spanische Regierung mit den Verbänden der Lkw-Fahrer, die zu einem unbefristeten Streik aufgerufen hatten. Auch im benachbarten Portugal setzten die Lkw-Fahrer ihren am Montag begonnenen Ausstand fort. In Irland protestierten Fischer.