26.08.2011, 10:32 Uhr | dpa / t-online.de
Auf englische Jobtitel würden viele Jobsuchende gern verzichten (Quelle: imago)
Ein Director of Human Resources ist verantwortlich für das Personal im Unternehmen. Auf gut Deutsch: Er ist Personalleiter. Das klingt solide und ist für jedermann verständlich. Immer mehr Unternehmen hierzulande wollen sich aber international aufstellen - und sind dazu übergegangen, Stellen lieber in englischer Sprache auszuschreiben. Experten beleuchten, warum Englisch als Businesssprache nicht immer funktioniert. Außerdem erklären wird Ihnen in unserer Klick-Show, was hinter den englischen Jobtiteln steckt.
"Die Namensbildung geht zu sehr danach, was sich gut anhört. Das kommt daher, dass häufig Agenturen damit beauftragt werden, die Stellenanzeigen zu formulieren", erklärt Reiner Pogarell, Leiter des Instituts für Betriebslinguistik in Paderborn, das Kommunikationstrainings anbietet. Für die Agenturen steht im Vordergrund, was sich am besten vermarkten lässt. Das Problem: Es gibt kaum international gültige Standards für Berufsbezeichnungen, die jeder Englischkundige sofort versteht.
Was macht etwa ein Key Accounter? Wofür ist ein Billing Manager zuständig? Und welcher Beruf verbirgt sich hinter einem First Level Supporter? Der nimmt zum Beispiel Reklamationen entgegen. Früher wäre die Tätigkeit vermutlich "Telefonischer Kundendienst" genannt worden. Das klingt in der Tat ziemlich trocken. Dennoch ziehen Jobsuchende die deutsche Berufsbezeichnung oft vor.
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"Sie möchten verstehen, um welche Tätigkeit es sich handelt", erläutert Joachim Gerd Ulrich vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn. Er hat diese Erfahrung vor allem mit Jugendlichen gemacht. "Sie werden von englischen Berufsbezeichnungen abgeschreckt, das verstärkt sich noch, je geringer der Bildungsgrad ist", hat Ulrich beobachtet. Aber auch Gymnasiasten lehnten in punkto Berufsbeschreibung das Englische überwiegend ab.
Englisch funktioniert in Deutschland als Marktsprache eben nicht immer. "Das betrifft vor allem sehr ernsthafte Bereiche", so Ulrich. Im Bestattungswesen würde man zum Beispiel keine Anglizismen verwenden. Wer kauft schon einen "Coffin" für die letzte Ruhe? Auch der Beruf des Bestatters gelte als etwas Ernsthaftes, das englische Stilmittel nicht adäquat genug beschreiben könnten, meint der Experte.
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Erwachsene Bewerber möchten aber ebenfalls Klarheit, was ihren Beruf betrifft. Reiner Pogarell hat die Erfahrung gemacht, dass eine Personalagentur erfolgreicher bei der Akquise von Mitarbeitern sei, wenn sie Stellenanzeigen komplett in deutscher Sprache formuliert. Das kann Ulrich gut nachvollziehen: "Wenn mir der Beruf nichts sagt, dann kümmere ich mich nicht darum."
In vielen Stellenanzeigen komme hinzu, dass zu viele Fähigkeiten vorausgesetzt werden, ergänzt Pogarell. "Standard ist heute die Maßgabe: fließend Englisch in Wort und Schrift", sagt er. Das kann aber kaum ein Bewerber wirklich mitbringen. In der Arbeitspraxis ist das meist auch gar nicht erforderlich - selbst wenn Unternehmen international tätig sind. "Viele Mitarbeiter üben ihre Aufgaben am Schreibtisch in Deutschland aus und benötigen dafür kaum Englisch, schon gar nicht fließend", hat Kommunikationsprofi beobachtet.
Bewerber sollten sich von englischen Berufsbezeichnungen nicht einschüchtern lassen. "Man muss die Stellenanzeigen sehr aufmerksam durchlesen", empfiehlt Karriereberater Uwe Schnierda aus Bredenbek bei Kiel. Oft gehe aus den Anzeigen aber nicht eindeutig hervor, was die Kernaufgaben eines Jobs seien. Dann müssten Bewerber "Feinschliff betreiben" - also beim potenziellen Arbeitgeber anrufen und nachfragen, was genau mit einer Stellenbezeichnung gemeint ist. Ein Billing Manager etwa führt in der Regel die Tätigkeiten eines Buchhalters aus. Ein Key Accounter kann ein Großkundenbetreuer sein, manchmal ist er einfach nur ein Verkäufer.
Und wie findet man heraus, welche Tätigkeiten den späteren Arbeitsalltag tatsächlich bestimmen? "Nachhaken, in welchem zeitlichen Verhältnis die Aufgaben zueinander stehen", rät Schnierda. "Hinter dem Beruf "Product Management & Sales" könne sich etwa auch der Bereich Marketing verbergen. Englische Berufsbezeichnungen sind also oft schwammig. "Ausschlaggebend ist, ob man sich selbst dort wieder findet", betont Schnierda.
In der Praxis sind viele von Anglizismen im Beruf genervt. Das hat eine Umfrage der Jobbörse Monster.de unter 2394 Teilnehmern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ergeben. So finden nur zehn Prozent der Befragten, dass englische Ausdrücke die Kommunikation vereinfachen. Ein großer Teil (42 Prozent) hält sie für nervig und unnötig. Und etwa die Hälfte (48 Prozent) meint, sie sollten nicht überhandnehmen.
Quelle: t-online.de , dpa
wula39 schrieb:
am 27. August 2011 um 10:59:26
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Hauptsache englisch
Es drängt sich die Frage auf warum unsere Kinder überhaupt noch deutsch in der Schule lernen.Schon im Kindergarten wird
versucht den Kindern englisch beizubringen.Die gelchen Unternehmen die sich so intelegent aufstellen verlangenb jedoch von ihren Azubis das sie eine gute Note in deutsch vorzeigen können und müssen.Es wird immer mit anderen Ländern und deren Vorteile geworben,in frankreich oder Italien kommt so schnell keiner auf die abstruse Idee seine Personalwerbung in englisch zu schalten.
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Idefix schrieb:
am 27. August 2011 um 10:12:19
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Uuuuh, wie globalisiert wichtig wir doch sind.
Es steckt viel zu viel Imponiergehabe hinter dem Gebrauch solcher Anglizismen, wir sind nicht
nur international, wir sind globalisiert, wir sind modern, jung, aufgeschlossen und erfolgreich! Dahinter steckt die übliche "Marketing"-Strategie: nicht überzeugen, sondern überreden oder gar überwältigen. Nicht das Argument ist wichtig, sondern allein die Fassade. - Neoliberale Aufgeblasenheit und Wichtigtuerei, nicht mehr!
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W.P.M. schrieb:
am 27. August 2011 um 09:20:09
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Englisch
Wenn Englisch (nicht Denglisch) eine "schöne" Sprache wäre, könnte man für einges Verständnis haben, z.B. Musikangebot
im Rundfunk. Aber Englisch ist ein Verständigungswerkzeug. Hingegen werden die romanischen Sprachen in den Medien radikal unterbewertet. Es gibt da eine alte Weisheit: Der Verlierer muss die Sprache des Gewinners übernehmen. Also muss dieser sprachliche Murks wohl von oben verordnet sein, und unser Michel in Berlin ist ohnehin zum Nickermännchen geworden.
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