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Bestatter: Vom Totengräber zum Eventmanager

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Vom Totengräber zum Eventmanager

29.12.2011, 16:19 Uhr | dpa

Damon Przytarski hat sich dafür entschieden, Bestatter zu werden (Quelle: dpa)

Damon Przytarski hat sich dafür entschieden, Bestatter zu werden (Quelle: dpa)

"Um Himmels willen! Wie kannst du nur?" Das sind üblicherweise die ersten Reaktionen, wenn Lukas Bente erzählt, dass er Bestatter wird. Lesen Sie, warum das der Traumjob des 22-Jährigen ist und die Branche dem Nachwuchs spannende Perspektiven bietet.

Aufstieg bis zum Meister möglich

"Es gibt eine Menge Vorurteile. Viele halten es für abartig", erklärt Bente, der den Betrieb seines Vaters übernehmen will. Für ihn ist Bestatter ein Traumjob, wegen der Herausforderung, mit trauernden Menschen angemessen umzugehen, und wegen der vielfältigen Aufgaben. "Wir sitzen nicht dauernd im Büro, wir graben auch nicht den ganzen Tag Gräber aus oder fahren Verstorbene durch die Gegend", stellt der 22-Jährige klar.

Bente macht die Ausbildung im väterlichen Geschäft in Sarstedt, zum Blockunterricht fährt er wie alle Bestatter-Azubis im Norden zur Berufsbildenden Schule Springe. Seit fünf Jahren ist die Bestattungsfachkraft - so die offizielle Bezeichnung - ein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf, seit 2010 können Bestatter auch den Meister machen. "Es ist ein außerordentlich anspruchsvoller Beruf", erklärt Rolf Lichtner, Generalsekretär des Bundesverbands Deutscher Bestatter in Düsseldorf. "Der Bestatter wird immer mehr zum Eventmanager. Menschen, die nicht mehr in der Kirche sind, erwarten von ihm auch rituelle Begleitung."

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Auf einen Ausbildungsplatz kommen 20 Bewerber

Nach wie vor bedarf es keinerlei Voraussetzungen, um sich mit einem Beerdigungsinstitut selbstständig zu machen. Dennoch setzen viele in der zunehmend umkämpften Branche auf Qualifikation. 170 Lehrlinge werden Lichtner zufolge jährlich in den bundesweit 3800 Betrieben ausgebildet. Im unterfränkischen Münnerstadt üben sie auf einem europaweit einzigartigen Lehrfriedhof. "Es ist ein nachgefragter Beruf, auf einen Platz kommen 20 Bewerber", sagt der Verbandschef.

Für die 14 Schülerinnen und Schüler in Lukas Bentes Klasse ist der Job Bestatter keine Notlösung. "Ich fand den Beruf interessant und habe mich gefragt, wie ich es verkrafte. Man darf es einfach nicht zu nahe an sich heranlassen. Wenn junge Menschen sterben, ist das schwerer", erzählt der 19-jährige Damon Przytarski aus Hannover. Obwohl sie erst am Anfang stehen, hat die tägliche Begegnung mit dem Tod die 17 bis 35 Jahre alten Azubis verändert, das bestätigen alle. "Man lernt, intensiver zu genießen", meint Lukas Bente.

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Vielfältiger Stundenplan

Auf dem Stundenplan in Springe stehen Buchhaltung, Bestattungsgesetze, internationales Recht wegen der Überführungen von Toten in andere Länder sowie die Riten und Gebräuche der einzelnen Religionen. Im Fach Warenkunde geht es unter anderem um Särge, Griffe, Urnen und Trauerwäsche.

In den vergangenen Jahren hat sich die Trauerkultur in Deutschland verändert. Beerdigungen sind persönlicher geworden, oft bunter, manchmal sogar fröhlich. "Bestatter können als Privatunternehmer gut auf individuelle Wünsche eingehen, während der Pfarrer in feste Strukturen eingebunden ist", meint Alexander Helbach, Sprecher der Verbraucherinitiative Bestattungskultur Aeternitas. Nach Helbachs Einschätzung profitieren die Bestatter von dem Wandel. Sie weiten ihren Service aus, indem sie eigene Trauerhallen einrichten, Trauerredner vermitteln oder Trauerbegleitung anbieten.

Wenig Aussicht auf das große Geld

Gleichzeitig werden die Gewinnmargen geringer. Teure Eichensärge sind seltener nachgefragt. Urnenbeisetzungen machen bundesweit mittlerweile etwa die Hälfte aller Bestattungen aus - und nur fürs Verbrennen wählt kaum einer einen teuren Sarg aus. Die Aussicht auf das große Geld hat aber vermutlich sowieso keinen der Springer Schüler in das Gewerbe gelockt.

Vielmehr waren beeindruckende Erlebnisse ausschlaggebend, wie Maximilian Pieper aus Osterholz erzählt. "Da war ein Junge, 20 Jahre, mit dem Motorrad verunglückt. Die Familie hat dann einen Rohling-Sarg ausgesucht, das günstigste, und mit vielen Leuten bei uns angemalt und gerahmte Bilder daran geklebt. Das sah so schön aus", erinnert Pieper sich.


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Kommentare (4)

zum Forum

Thema: "Bestatter: Vom Totengräber zum Eventmanager "

Ulli schrieb: am 4. November 2011 um 16:28:10
(2) (1) Bestatter
Ich ziehe den Hut vor den jungen Leuten, die den Beruf des Bestatters erlernen und ausüben. Ich selber bin Feuerwehrmann und
weiß, dass es manchmal schlimme Unfälle mit Kindern gibt. Aber man darf nicht alles an sich heran lassen, sonst kommt man seelisch mit den Bildern nicht klar.
mehr Kommentar melden

raca schrieb: am 4. November 2011 um 16:21:20
(2) (0) Bestatter
...ist wirklich zu überlegen, keine Reklamationen und der Preis stimmt immer! Natürlich für die Oma nur das Beste! Hier wird
noch richtig Geld verdient. Ein Traum wenn es um Vertrieb geht. Habe selbst einen Bestattet im Bekanntenkreis, sein Spruch "ich kann es erwarten!". Einen Haken hat es allerdings und das wenn Kinder im Spiel sind!
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alamot schrieb: am 4. November 2011 um 16:17:21
(1) (0) Bestatter
Solange in Deutschland das Sterben so teuer ist und immer teuer wird, kann ich mir vorstellen, das dieser Beruf angestrebt wird.
Ungeahnte Möglichkeiten viel Geld zu verdienen.
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