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Bewerbung: Duden wird zum kostenlosen Helfer

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Nie wieder Fehler in der Bewerbung!

16.05.2011, 16:19 Uhr | FTD, Sabine Meinert

Nachschlagen im Duden? Das geht jetzt auch online. (Foto: imago)

Nachschlagen im Duden? Das geht jetzt auch online. (Foto: imago)

Nichts nervt Chefs mehr als eine vor Fehlern strotzende Bewerbung eines aussichtsreichen Jobkandidaten. Deshalb gilt ab sofort: den Duden kostenlos im Internet nutzen, wenn die Karriere nicht an Buchstabendrehern und fehlenden Kommata scheitern soll.

Der Deutschen liebstes Nachschlagewerk ist der Duden nun gerade nicht. Dabei wäre es manchmal nötig, finden Personalverantwortliche. Viele können ein Lied über orthografisch und grammatikalisch verhunzte Anschreiben oder Lebensläufe singen - die sich nicht unbedingt als gute Präsentation für potenzielle Mitarbeiter eignen.

Personaler von Fehlern genervt

Rund 44 Prozent aller Bewerbungsschreiben erfüllen einer Studie des Karrieredienstes Experteer simpelste Standards nicht. Selbst einfache Tippfehler oder vergessene Endungen nerven die Personaler. Auf die gesamte Bewerbung gesehen machen schon ein bis zwei Fehler pro Seite eine gelungene Präsentation zunichte, so die einhellige Meinung unter den Einstellenden.

Neu gestaltete Internetseite

Doch ab sofort kann sich niemand mehr herausreden. Der Duden ist jetzt kostenlos und ohne Registrierung auch im Internet verfügbar. Der Verlag brach mit seiner bisherigen Praxis, im weltweiten Netz so gut wie nichts umsonst anzubieten. Nun kann jeder seine Rechtschreibschnitzer ganz einfach beseitigen. Dafür wurde die Website www.duden.de neu gestaltet. Sie bietet direkt Zugriff auf die klassische Nachfragefunktion.

Richtig oder falsch?

Wer in der Suchzeile ein Wort eingibt, erhält nicht nur die richtige Schreibweise, den Gebrauch in Zusammenhang mit Hilfsverben und Besonderheiten geliefert. Sichtbar werden auch Synonyme und Einträge mit zusätzlichen Erklärungen, womit dieser Begriff typischerweise verbunden wird. Ein weiterer Reiter bei den Suchergebnissen verweist unter dem Stichwort "Sprachwissen" auf Sprachtipps oder Erklärungen zum richtigen Gebrauch des gesuchten Wortes. So können sich Wissbegierige eine solide Wissensbasis zulegen oder lange Vergessenes wieder aktivieren.

Da bereits ein Drittel aller Personalverantwortlichen damit rechnet, künftig vor allem online die neuen Mitarbeiter zu finden, sollte man auch bei E-Mail-Bewerbungen und Anfragen über Unternehmens-Internetportale nicht nachlässig sein. Große Konzerne wie Areva bitten inzwischen nur noch um digitale Bewerbungsunterlagen. Dennoch zählt die Personalabteilung auf perfekte Präsentation der beruflichen und persönlichen Entwicklung.

Fünf bis zehn Minuten pro Bewerbung

Wo sich Fehler häufen, erübrigt sich ein Background-Check. Und zwei Drittel aller Personalverantwortlichen verwendet sowieso nicht mehr als fünf bis zehn Minuten pro Bewerbung, um zu entscheiden, wer aussortiert wird oder wer in die engere Wahl kommt, wie die Studie Workplace Survey 2010 des Personaldienstleisters Robert Half ergab. Ein einzelner Lebenslauf muss sogar in einer Minute oder weniger überzeugen, so eine Umfrage des Jobportals CareerBuilder.de.

Ganze Texte auf Fehler flöhen lassen

Damit es noch einfacher wird, bietet der Duden für die Fehlersuche sogar ein automatisches Tool für ganze Texte an. Wer seine Bewerbung hier eingibt, bekommt seine Fehler so lange in Rot (orthografisch) und Grün (grammatikalisch) unter die Nase gerieben, bis er sie beseitigt. Ein weiteres Angebot betrifft Definitionen und Anwendung von Abkürzungen. Wer noch weitere Hilfen beim Schreiben seiner Bewerbung - Form, Formulierungen, Layout - braucht, kann diese im Download käuflich erwerben. Zusätzlich gibt es alle zwei Wochen Podcasts und einen Newsletter, die den weniger sprach-affinen Nutzern über kniffelige Stolperstellen hinweghelfen sollen.

Ein rundes Angebot für eine junge Zielgruppe

Der Dudenverlag will mit dem ständig aktualisierten Angebot vor allem junge Menschen erreichen, die das Internet stark nutzen, heißt es. "Für unsere Markenpolitik ist es wichtig, dass wir auch online die Nummer eins sind in Sachen deutsche Sprache", begründete die verlegerische Geschäftsführerin des Verlags Marion Winkenbach die Neuausrichtung.

Damit zieht das Unternehmen aber eigentlich nach: Wörterbuch- und Übersetzungssoftware-Anbieter machen seit Jahren vor, wie einfach es ist, Informationen zu Fremdsprachen und Nachschlagewerke jeder Art ansprechend für eine Internet-affine Zielgruppe aufzubereiten. Und sie verzeichnen wachsende Nutzerzahlen. Selbst in Sachen "Richtiger Gebrauch der deutschen Sprache" schlugen Nutzer bei Konkurrenten wie Pons bisher lieber nach als bei Duden.

Indem die Bezahlschranke fällt, will die Rechtschreibbibel diesen Trend umkehren - und Geld verdienen. Eine Duden-Markenwelt schwebt den Verantwortlichen vor, deshalb ist der Zugang zum Shop nun mehr als unübersehbar. Nachschlagewerke, Vorschulfibeln, Lernhilfen, Software, Bildwörterbücher, Dialektwälzer - was das Herz begehrt, wartet auf alle, die wichtige Fragen zur deutschen Sprache beantwortet haben wollen. Der Verlag hofft so, die entstehenden Kosten für die Aktualisierungen im Onlinebereich auffangen zu können.

Kein Verkaufsminus beim gedruckten Duden erwartet

Der Marketingeffekt durch das kostenfreie Internet-Angebot wird im Hause Duden sogar so hoch eingeschätzt, dass man nicht mit einem Rückgang der Verkäufe beim gedruckten Wälzer rechnet. Denn, so die Überzeugung der Sprachhüter, irgendwann will jeder das eine oder andere doch noch genauer nachschlagen. Außerdem eigne sich die Duden-Warenpalette bestens als Geschenk - zu allen Anlässen. Gesprochen und geschrieben werde schließlich immer.

Experten fürchten jedoch, dass damit nur ein erster Stein des Umbruchs gefallen ist. Sie erwarten schon bald Werbung und Bezahlmodelle auf der Dudenseite. Anzunehmen ist auf jeden Fall, dass die Zahl derer, die ihre Rechtschreibfehler online bekämpfen, steigen wird. Das wird die Zahl der analogen Duden-Nutzer reduzieren - und der Online-Duden wird die Print-Verkäufe möglicherweise subventionieren müssen. Spätestens dann wird der Begriff "Geschäftsmodell" bei Duden noch einmal neu beleuchtet werden - nicht orthografisch, aber inhaltlich.


Quelle: Financial Times Deutschland

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