10.12.2010, 15:20 Uhr | t-online.de/business, Tobias Schormann, dpa
Bewerber sollten sich für ihr Alter nicht rechtfertigen. (Foto: imago)
Bewerben jenseits der 45 - das kann schon ganz schön schwierig werden. Im Lebenslauf fürs Alter rechtfertigen, kommt Experten zufolge aber bei Personalern gar nicht gut an. Wir erklären Ihnen, wie Sie sich stattdessen präsentieren sollten.
"Viele Ältere machen den Fehler, lang und breit zu erklären, warum sie mit 55 noch einen Job haben wollen", sagt Bewerbungsberater Gerhard Winkler aus Berlin. Ein Personaler wolle aber keine Lebensgeschichte lesen. "Er will Fakten zur Erfahrung und zum Können des Bewerbers." Eine Entschuldigungshaltung sei daher fehl am Platz. Vielmehr müssten ältere Bewerber selbstbewusst ihre Kompetenzen in der Bewerbung präsentieren, "sonst zappt der Personaler gleich weg."
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Winkler rät daher zur Devise: "Nichts erklären". "Ich würde im Anschreiben weder auf das Alter noch etwa auf den Grund der Kündigung im letzten Job eingehen." Es reiche, wenn das Alter aus dem Lebenslauf hervorgeht. Auch bringe es wenig, das eigene Alter mit Floskeln wie "Ich bin vital und energiegeladen" schönzureden: "Solche Ich-Aussagen bringen nichts." Wollen Bewerber sich als sportlich und gesundheitlich fit präsentieren, müssten sie das zum Beispiel durch Aktivitäten im Verein belegen.
Ein höheres Alter spricht für sich, wenn es um Erfahrung geht? Das ist ein Denkfehler. "Alter ist kein Merkmal, das qualifiziert", sagt Winkler. Ältere müssen ihre Berufserfahrung konkret beschreiben. Sie schreiben also besser nicht: "Ich arbeite schon 30 Jahre in dem Beruf" oder listen den Werdegang chronologisch auf. Besser sei es, fachlich zu argumentieren. Dazu nennen Bewerber ihre Kompetenzen und belegen sie anhand einzelner beruflicher Stationen. Dabei kommt es auch auf die Wortwahl an: "Langjährig" sei ein Unwort in Bewerbungen. "Das klingt wie in einer Rede zu einem Firmenjubiläum." Besser sei das Wort "mehrjährig".
Mancher ältere Bewerber mache den Fehler, sich auf eine berufliche Position zu versteifen, hat Winkler beobachtet. Es bringe aber nichts, nur zu warten, bis das passende Jobangebot kommt. "Man muss über den Tellerrand schauen und auch bereit sein, Kompromisse zu machen." Das könne auch bedeuten, berufliche Aufgaben zu übernehmen, die weniger anspruchsvoll sind als im letzten Job.
Ältere Bewerber müssten sich klarmachen, was der Markt an Wissen und Können verlangt, erklärt Winkler. Gut komme es an, wenn Bewerber zum Beispiel ihre Englischkenntnisse auffrischen. "Das wird heute erwartet, dass man Englisch mündlich und schriftlich beherrscht." Auch mit Kursen zu gängigen Büroprogrammen oder Software für die Finanzbuchhaltung könnten Bewerber punkten. Daneben werde es aber auch gerne gesehen, wenn Ältere ein Kommunikationstraining besucht haben und somit im Präsentieren und Moderieren geübt sind.
Arbeitsmarktforscher rechnen künftig mit deutlich größeren Beschäftigungschancen für ältere Arbeitnehmer. Nach einem Bericht von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat sich die Beschäftigungsquote von 60- bis unter 65-Jährigen auf zuletzt 38 Prozent erhöht. Damit habe sie sich innerhalb der vergangenen zehn Jahre fast verdoppelt. Die Tendenz ist nach Auffassung der Regierung weiter günstig. Deshalb sei die 2012 beginnende Anhebung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre vertretbar und notwendig.
t-online.de/business, Tobias Schormann, dpa
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