10.03.2010, 12:05 Uhr | Alexander Landsberg, Spiegel Online
Faire Preise, super Frische und gesunde Produkte: Die Bio-Branche wirbt mit einem makellosen Image- doch jetzt bekommt es Kratzer. Bei den Öko-Händlern tobt ein Kampf um jeden Cent, Gewerkschafter werfen den Firmen Lohndumping vor.
Saftige Tomaten, fair gehandelte Bananen und gut bezahlte Mitarbeiter - das erwarten die meisten Verbraucher, wenn sie im Bio-Markt einkaufen. Die Realität sieht anders aus: In der Ökobranche sind 400-Euro-Minijobs weit verbreitet, viele Firmen beschäftigen studentische Aushilfen und Teilzeitkräfte, nur wenige sind an Tarifverträge gebunden. Ähnlich wie im übrigen Handel sind auch in Biomärkten Stundenlöhne von sieben bis acht Euro Usus. "Um Discount-Preise zu bieten, betreiben viele Biomärkte massives Lohndumping", sagt Ulrich Dalibor von der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di. Betroffen seien nicht nur Aushilfskräfte, sondern auch qualifiziertes Verkaufspersonal.
Das geben sogar Vertreter aus der Branche selbst zu. "Ohne Acht-Euro-Löhne geht es oft nicht. Wer im Bio-Handel überleben will, muss Kompromisse machen - oft zu Lasten der Angestellten", sagt Frank Lüske. Er betreibt einen Bio-Großmarkt in Berlin mit rund 40 Angestellten. 8,50 Euro zahlt er für ungelernte Kräfte. "Das ist der übliche Lohn", sagt Lüske. "Es ist mir aber klar, daß das nicht viel ist. Eine Familie könnte man als Alleinverdiener davon nicht ernähren." Immerhin: Wer aufsteigt, kann mehr als 8,50 Euro verdienen, zum Teil über 14 Euro. "Generell herrscht im Lebensmittelhandel jedoch ein niedriges Lohnniveau", sagt Lüske. Er betont, dass dies "nichts bio-spezifisches" sei. Der von den Discountern ausgehende Preisdruck wirke sich auf alle Bereiche des Lebensmittelhandels aus.
Natürlich sind die Verbraucher in einem Biomarkt eher bereit, für gute und gesunde Produkte etwas mehr zu zahlen. Dennoch stellt Lüske fest: "Auch bei Bio wird auf den Preis geschaut." "Im Bio-Bereich wird mit härtesten Bandagen um den günstigsten Preis gekämpft", sagt Gewerkschafter Dalibor. Dabei mache sich die Branche "unglaubwürdig, wenn sie Fair-Trade-Produkte an den Mann bringt, aber ihre eigenen Mitarbeiter unter Sklavenbedingungen arbeiten lässt".
Laut Tarifvertrag sollte eine gelernte Fachkraft nach acht Jahren rund 2060 Euro verdienen, was etwa einem Stundenlohn von 13 Euro entspricht. "Das sind ausgehandelte Kompromisse - keine Traumlöhne", sagt Ulrich Dalibor. Doch Tarifbindung sucht man in der Branche oft vergeblich. Laut Institut für Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen unterliegen in Ostdeutschland nur etwa 30 Prozent der Beschäftigten im gesamten Einzelhandel der Tarifbindung.
Auch bei Frank Lüske gelten keine Tarifverträge. Einen Betriebsrat gibt es ebenfalls nicht. Das Arbeitsklima sei trotzdem gut, sagt der Firmenchef. "Wir versuchen, mit weichen Faktoren ein attraktives Gesamtpaket für die Mitarbeiter zu bieten", sagt Lüske. Die geringe Fluktuation und der geringe Krankenstand sprächen dafür, dass dies gelinge. Dennoch findet es der Geschäftsführer richtig, dass über das Lohnniveau im Einzelhandel gesprochen wird. "Der gesamte Lebensmitteleinzelhandel, nicht nur die Bio-Branche, braucht eine Lohnkorrektur."
Weniger dramatisch sieht das Hubert Bopp, Geschäftsführer der Bio Company, einem Unternehmen mit Filialen in Hamburg und Berlin: "Bei uns fängt es mit 8,33 Euro an - die Regel sind aber Löhne von elf bis zwölf Euro." Allerdings ist auch das unter Tarifniveau - selbst wenn es bei Bopp die Möglichkeit einer betrieblichen Altersvorsorge und einen Einkaufsgutschein für die Mitarbeiter im Wert von 50 Euro pro Monat gibt. "Auch wir unterliegen der starken Konkurrenz im Lebensmitteleinzelhandel", gibt der Manager zu. Langfristig arbeite er aber auf Tariflöhne hin. Öko bedeute für ihn, mit allen Ressourcen vernünftig umzugehen. Natürlich auch mit seinen Mitarbeitern.
Der Verband des Deutschen Einzelhandels sieht vor allem die Verbraucher in der Pflicht: "Nur der Konsument kann mit seiner Kaufentscheidung Einfluss auf die Situation vieler Bio-Händler und ihrer Angestellten nehmen", sagt Verbandsexperte Heribert Jöries. Andere sprechen ihre Sorge offen aus: "Was bringt es einem Bio-Markt, wenn er überdurchschnittliche Löhne zahlt - dann aber pleitegeht?", fragt ein Branchenkenner. Nach Masseninsolvenzen sieht es vorerst allerdings nicht aus. Der Umsatz mit Ökoprodukten summierte sich in Deutschland 2009 auf fast sechs Milliarden Euro.
Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version des Artikels hieß es, bei Bio-Lüske seien Löhne über 8,50 Euro kaum möglich. Dies ist nicht korrekt und wurde im vorliegenden Text geändert. Außerdem hieß es in der ersten Version, Lüske zweifele daran, dass Verbraucher gerne für gute und gesunde Produkte hohe Preise zahlen. Tatsächlich sagte er: "Auch bei Bio wird auf den Preis geschaut." Desweiteren hieß es, Lüske habe die Bedingungen im Bio-Einzelhandel als "unsauber und unfair" bezeichnet. Tatsächlich muss es heißen: "Der gesamte Lebensmitteleinzelhandel, nicht nur die Bio-Branche, braucht eine Lohnkorrektur." Wir bitten, die Fehler zu entschuldigen.
Quelle: Spiegel Online
Menorca schrieb:
am 1. März 2010 um 21:31:31
(0)
(0)
Billiglöhne
Diese Situation ist nicht nur im Öko Handel so. Das ist eine gängige Praxis im kompletten Einzelhandel! 400 Eurojobs mit 80
Stunden großer Deutscher Baumarkt kier am Ort. Gebäudereiniger 4 Hotelzimmer Top reinigen 15 Euro Brutto Auf der ganzen Linie ein einziger Saustall der ausgemistet werden sollte, aber dazu ist unsere Tiegerentenregierung weder im Bund noch im Land fähig!! Lieber werden Spendengelder an diese Spitzbuben verteilt!
mehr
Kommentar melden
Coban schrieb:
am 1. März 2010 um 17:05:31
(0)
(0)
Bio-Frass
Also mit 6-7,00Euro Stundenlohn kann sich kein Mensch diesen überteuerten Biofrass leisten.Dadurch werden wir auch nicht älter
und leben gesünder.Es ist alles nur Hausgemachter Quatsch von dieser Grünenspinnerin Künast und Co.
mehr
Kommentar melden
Schlafmaus schrieb:
am 1. März 2010 um 12:01:40
(0)
(0)
Lohndumping Bioprodu
8,50 Euro Stundenlohn ist in Thüringen schon ein Hauptgewinn. Hier werden 5,00 - 7,00 Euro und das im 3-Schicht-System
bezahlt. Gelernt oder nicht gelernt das spielt keine Rolle mehr. Viele bezahlen keine Tariflöhne mehr. Und was Bioprodukte angeht bin ich skeptisch im Supermarkt. Bio ist nicht gleich Bio. Da lieber direkt vom Bauern gekauft den man kennt. Da kauft man eben weniger. Wir esssen sowie so viel.
mehr
Kommentar melden
Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Sie sind der Meinung, dass dieser Kommentar anstößige Inhalte enthält.

Sechs Flaschen 2006er Domaine la Casenove + vier Gläser für 39,- € statt 78,30 €. von Hawesko
Zwei Qualitätshemden Ihrer Wahl für nur 50,- € : 5 Jahre Garantie und Retoure kostenlos. zum Special
Testsieger-Patronen für Marken-
drucker im TÜV-geprüften Online-
Shop kaufen. mehr
Samsonite Trolleys, Reisetaschen und Accessoires: Voll gepackt mit guten Preisen von koffer-direkt.de.
Lust, einen legendären Teil des Big Apple zu besitzen? zum Video