10.12.2010, 16:52 Uhr | dpa
Der Brand in einem Testflugzeug wirft das gesamte Dreamliner-Programm des US-Flugzeugbauers Boeing weiter zurück. Nach Informationen der französischen Zeitung "Les Echos" dürfte die Auslieferung des neuen Langstreckenjets 787 nun erst Ende Juni oder Anfang Juli beginnen.
Das hätten Boeing-Manager ihren Kollegen von der Fluggesellschaft Air France bei der Übergabe einer größeren 777 verraten, schrieb das Blatt am Donnerstag. Nach diversen technischen Problemen liegt der Dreamliner des Airbus-Rivalen schon mehr als zweieinhalb Jahre hinter dem Zeitplan zurück. Die neuen Schwierigkeiten würden die drei Jahre voll machen.
Der letzte Akt in einer Reihe von Pleiten, Pech und Pannen war vor einem Monat ein Feuer in einer Schalttafel. Der Brand hatte eine Dreamliner-Testmaschine zur Notlandung gezwungen. Seitdem steht die gesamte, sechs Flugzeuge starke Testflotte am Boden. Das neue hochkomplexe Flugzeuge die Hersteller vor erhebliche Probleme stellen, hat auch Konkurrent Airbus mit seinem Riesenjet A380 erlebt, der erst mit mehrjähriger Verspätung ausgeliefert werden konnte.
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Boeing bestätigte ein Zusammentreffen mit Air France und auch, dass der Zeitplan unter die Lupe genommen wird. Noch aber ist der Hersteller mit der Aufarbeitung des Unfalls beschäftigt. "Wir werden einen neuen Zeitplan verkünden, wenn die Arbeit getan ist", hieß es. Nach bisherigen Erkenntnissen hatte ein Fremdkörper zu dem Kurzschluss in der Schalttafel geführt. Die Kontrollsoftware habe dies nicht erkannt und würde nun neu geschrieben, berichtete "Les Echos".
Boeing hofft nach Informationen der Zeitung darauf, dass die Arbeiten Ende des Jahres abgeschlossen sein werden und die Testmaschinen dann im Januar wieder in die Luft gehen könnten. Vorher muss aber noch die Freigabe durch die US-Flugsicherheitsbehörde FAA abgewartet werden. Sie hatte sich nach der Notlandung des Testfliegers eingeschaltet.
Der Unfall passierte kurz nachdem bei einem Airbus A380 der Fluggesellschaft Qantas ein Triebwerk teils auseinandergebrochen war. Das löste eine rege Debatte über die Sicherheit von neu entwickelten Maschinen aus. Besonders der Triebwerkshersteller Rolls-Royce geriet in die Schusslinie. Er liefert auch den Antrieb für den Dreamliner.
Die 787 ist angesichts ihrer neuartigen Konstruktion Hoffnungsträger und Sorgenkind zugleich: Sie besteht zu großen Teilen aus leichten Verbundmaterialien, was Treibstoff einzusparen soll. Zudem hat die Elektronik vielerorts die Mechanik verdrängt. Gerade die neuen Materialien sorgten aber von Anfang an für Ärger. Erschwerend kam hinzu, dass Boeing viele Arbeiten an Zulieferer ausgelagert hatte, und diese nicht die gewünschte Qualität ablieferten. Auch der vergrößerte Jumbojet 747-8 kommt mit Verspätung.
Die Pannenserie hat Boeing bereits einen Milliardenbetrag gekostet. Etliche Kunden sprangen ab, andere verlangten Schadenersatz für die lange Wartezeit. Boeing hat bislang 847 der mittelgroßen Langstreckenflieger verkauft; seit dem Sommer kam kein neuer Auftrag hinzu. Von den Maschinen gehen 15 Stück an Air Berlin. Erster Kunde ist die japanische All Nippon.
Des Weiteren müssen die Fluggesellschaften in aller Welt noch ein paar Jahre mit dem Mittelstreckenflieger 737 von Boeing auskommen. Während Airbus sein Gegenstück A320 mit neuen Triebwerken aufrüstet, sieht der US-Erzrivale dazu keine Veranlassung. "Wir können keinen zwingenden Grund erkennen, das zu tun", sagte der Chef der Verkehrsflugzeug-Sparte, Jim Albaugh, der "Financial Times".
Eine Modernisierung sei teuer und komplex und bringe den Fluggesellschaften nur geringe finanzielle Vorteile. «"ch glaube, die meisten würden auf ein neues Flugzeug warten." Dessen Entwicklung dauere dann zwar ein paar Jahre länger, doch dafür könnten die Maschinen bis zu 20 Prozent effizienter fliegen.
Airbus hatte vor einer Woche verkündet, seine A320-Modellfamilie mit einem neuen Antrieb auszustatten sowie mit abgeknickten Enden an den Flügeln, sogenannten Sharklets. Das soll den Spritverbrauch um zusammen 15 Prozent senken. Die ersten dieser neuen A320neo sollen 2016 ausgeliefert werden. Die Maschinen werden komplett im Hamburger Airbus-Werk montiert.
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Quelle: dpa
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